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Bahnhof der Nachhaltigkeit in Ottensoos

Ehepaar hat eine ungewöhnliche Idee umgesetzt - 26.05.2012 10:00 Uhr

OTTENSOOS  - Der Verfall schien das Schicksal des Bahnhofes von Ottensoos (Kreis Nürnberger Land) zu sein. Gebaut vor über 150 Jahren als Station an der Ostbahn, die von Nürnberg nach Schwandorf führte, stillgelegt Ende der 1980er Jahre, endgültig aufgegeben, als die S-Bahn fuhr. Renate Kirchhof-Stahlmann und Ehemann Volker Stahlmann fanden es aber jammerschade, „dass ein so schönes Gebäude einfach verfällt“.

Vor vielen Jahren stillgelegt und nun neu genutzt: aus dem alten Bahnhof in Ottensoos wurde ein „Kulturbahnhof“.
Vor vielen Jahren stillgelegt und nun neu genutzt: aus dem alten Bahnhof in Ottensoos wurde ein „Kulturbahnhof“.
Foto: Stephan Sohr
Vor vielen Jahren stillgelegt und nun neu genutzt: aus dem alten Bahnhof in Ottensoos wurde ein „Kulturbahnhof“.
Vor vielen Jahren stillgelegt und nun neu genutzt: aus dem alten Bahnhof in Ottensoos wurde ein „Kulturbahnhof“.
Foto: Stephan Sohr

Und so haben sie den denkmalgeschützten Bahnhof vor drei Jahren gekauft, von Grund auf renoviert und ihn kürzlich wiedereröffnet. Als „Kulturbahnhof“, der künftig als Ort der Begegnung, des Gesprächs, der Kunst – und vor allem der Besinnung auf das Thema Nachhaltigkeit dienen soll.

Renate Kirchhof-Stahlmann und Volker Stahlmann sind beide maßgeblich von der Umweltbewegung beeinflusst worden – sie als Künstlerin, er als Wissenschaftler. Studiert hat sie an den Akademien der bildenden Künste in Nürnberg und München, ihre bevorzugte Ausdrucksform ist die Zeichnung. Zwei Zyklen prägen ihr Schaffen, und beiden ist die Auseinandersetzung mit dem Menschen als Wesen der Natur gemein, das dabei ist, seine eigenen Lebensgrundlagen nach und nach zu zerstören. Ein Thema, das wiederum Volker Stahlmann Zeit seines beruflichen Lebens beschäftigt hat. 1982 wurde er Professor an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg, wo er ein Jahr später das Fach Umweltökonomie einführte.

„Wir können auf Dauer nicht mehr so weiterleben wie bisher“, davon ist der Ökonom Volker Stahlmann tief überzeugt. Der Mensch darf sich nicht mehr alles leisten, was er sich leisten kann. Er muss mit dem, was er hat, sparsamer, nachhaltiger umgehen. Sonst wird er spüren, dass die Natur stärker ist als er.


In ihren Zyklen will Renate Kirchhof-Stahlmann (re. Volker Stahlmann) zeigen, wie abhängig der Mensch von der Natur ist – und sie dennoch schädigt.
In ihren Zyklen will Renate Kirchhof-Stahlmann (re. Volker Stahlmann) zeigen, wie abhängig der Mensch von der Natur ist – und sie dennoch schädigt.
In ihren Zyklen will Renate Kirchhof-Stahlmann (re. Volker Stahlmann) zeigen, wie abhängig der Mensch von der Natur ist – und sie dennoch schädigt.
In ihren Zyklen will Renate Kirchhof-Stahlmann (re. Volker Stahlmann) zeigen, wie abhängig der Mensch von der Natur ist – und sie dennoch schädigt.

Doch was fängt der Mensch mit seiner zur Verfügung stehenden Zeit an? Ein Blick auf die riesige ehemalige Ottensooser Kirchturmuhr, die im Eingangsbereich hängt, wirft die Frage geradezu auf. Wer sich dann die beiden Zyklen von Renate Kirchhof-Stahlmann im Erdgeschoss des Kulturbahnhofs ansieht, wird in ihren Bann gezogen, gerät ins Nachdenken, ins Hinterfragen. „Genesis“ und „Zeiten“ sind sie benannt, behandeln das Wirken des Menschen von seiner Entstehung bis zum Ende, seinen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen, seine Lebensführung und das Streben nach vermeintlichem Fortschritt und Glück. Leben wir oder werden wir gelebt? Leben wir mit der Natur oder gegen sie? Ist der fraglose Konsum wirklich der Sinn des Daseins? Muss es immer mehr sein, immer höher hinaus gehen? Fragen, die Renate Kirchhof-Stahlmann mit den Mitteln der Kunst aufwerfen will.


Nicht nur die Zyklen, auch andere Kunstwerke von Renate Kirchhof-Stahlmann und ein von Volker Stahlmann gemaltes Wandbild im ersten Stock setzen sich damit auseinander. Bei alledem haben sie bei der Renovierung des Bahnhofs darauf geachtet, wo immer möglich mit den gegebenen Materialien zu arbeiten und möglichst viel wiederzuverwenden.

Ihr Wirken wollen die beiden nun verstärkt in die Öffentlichkeit tragen und so den Kulturbahnhof Ottensoos beleben. Etwa sechs öffentliche Veranstaltungen im Jahr sind geplant. Dabei geht es den beiden Initiatoren nicht um Rendite oder Umsatz, obwohl sie einen großen Teil ihres Vermögens in den Kauf und die Sanierung des Gebäudes investiert haben. „Wir haben vier Prozent öffentliche Mittel bekommen“, fügt Stahlmann süffisant bei.

Kulturbahnhof Ottensoos, Bahnhofstr. 11, Tel. 09123/6518. Geöffnet samstags und sonntags jeweils von 14–17 Uhr, der Eintritt ist frei. Gruppenführungen sind nach Voranmeldung möglich (4 bzw. 2 Euro). Weitere Infos:

www.kulturbahnhof-ottensoos.de

  

Von Stephan Sohr


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