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Denn in der Schülerzeitung der Mittelschule Auerbach in der Oberpfalz geht es vor allem um das, was Jugendliche wirklich umtreibt, worüber sie auf dem Schulhof reden oder Nachmittags im Café. Ob nun Koma-Saufen oder Mobbing im Internet, soziale Wirklichkeit in zuweilen fragilen Familienstrukturen oder Chancen in einem Ausbildungsberuf.
Das 15-köpfige Team bringt zweimal im Jahr ein Produkt heraus, das immer wieder anders ist und damit nicht nur bei den Schülern gut ankommt: „V.I.N.“ ist die beste Schülerzeitung einer Mittelschule in Deutschland, wie der diesjährige bundesweite Schülerzeitungswettbewerb der Kultusministerkonferenz und der Jugendpresse Deutschland ergab. Allein sind die Auerbacher mit der Ehrung als ausgezeichnete Schülerzeitung nicht. Im Gegenteil. Gleich vier Produkte aus dem Freistaat erzielten einen ersten Platz.
Die Bayern schnitten damit am besten ab und sorgten mit vier weiteren 2. und 3. Plätzen für ein beachtliches Gesamtergebnis. Schließlich waren — abgesehen von fünf Sonderpreisen – bundesweit 18 Publikationen ausgezeichnet worden. Insgesamt hatten sich 250 Zeitschriften aus ganz Deutschland um die Auszeichnung beworben.
Im Freistaat gibt es nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums derzeit etwa rund 1000 Schülerzeitungen. Genaue Zahlen liegen jedoch nicht vor, da es keine systematische Erhebung gibt. Schülerzeitungsredaktionen arbeiten längst professionell — jenseits kopierter Seiten, die zusammen geheftet werden. Hochglanzprodukte gehören inzwischen häufig zu den Redaktionen wie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Brisanz und Unterhaltung, für Recht und Unrecht.
So hatte erst im Dezember ein Zwölfjähriger für Schlagzeilen gesorgt. Der Gymnasiast hatte es nicht hinnehmen wollen, dass ihm die Direktorin seiner Schule im oberbayerischen Landsberg am Lech verboten hatte, eine neue Schülerzeitung namens Bazillus zu verkaufen. Vor dem Münchner Verwaltungsgericht erstritt er sich schließlich sein Recht. Per Einstweiliger Verfügung entschied das Gericht, dass der Junge seine Zeitung weiterhin am Ignaz-Kögler-Gymnasium verteilen darf.
Rein rechtlich hätte der Junge aber eigentlich gar nicht um Erlaubnis fragen müssen, ob er etwas veröffentlichen darf. Denn seit dem Schuljahr 2006/2007 können die Schülerzeitungsredakteure wählen, ob sie die Schülerzeitung entweder als „Druckwerk im Sinn des Bayerischen Pressegesetzes (BayPRG)“ oder als Einrichtung der Schule im Rahmen der Schülermitverantwortung erscheinen lassen, so, wie es zuvor war. Bis dahin hatten zum Beispiel Schulleiter Artikel auch aus inhaltlichen Gründen verwerfen können.
Schüler, die sich heute für eine Ausgabe im Sinne des Bayerischen Presserechts entscheiden, sind auch für den Inhalt verantwortlich. Richten minderjährige Redakteure Schaden an, dann haften die Eltern. Der redaktionelle und jener Teil mit Anzeigen müssen voneinander getrennt und ein verantwortlicher Redakteur benannt sein. Diese Redaktionen müssen strengen rechtlichen Regeln folgen.
Insofern war auch der jüngste Wettbewerb alles andere als ein Spaß. Die Jury aus Vertretern aus den obersten Schulbehörden der Länder und der Jugendpresse Deutschland war journalistisch hochkarätig besetzt: Redakteure von NEON, Eltern, Abendzeitung online und süddeutsche.de. halfen bei der Suche nach den Besten und achteten dabei vor allem auf die richtige Balance zwischen spannender Aufbereitung von Schulinterna sowie einem politisch-kritischen Magazin. Wichtig waren auch ein „roter Faden“ und die zielgruppengerichtete Aufmachung der Schülerzeitung.
In sechs Kategorien (Grund-, Mittel-, Real-, Förder- und Berufsschule sowie Gymnasium) hat die Kultusministerkonferenz jeweils drei Preise verliehen, wobei die Sieger am 10. Mai in Berlin im Bundesrat geehrt werden. Der erste Preis ist mit 1000 Euro, der zweite mit 750 und der dritte mit 500 Euro dotiert. Für das Team von „V.I.N.“ ist es nicht die erste Auszeichnung. Für ihren Biss als Blattmacher bekamen sie schon einige Preise überreicht — unter anderem kürte 2009 der „Spiegel“ das Blatt zur „Besten Schülerzeitung“.
www.km.bayern.de
