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Eltern prügeln noch immer

Gewaltfreie Erziehung – Beratungsstellen im Freistaat helfen - 04.05.2012 07:17 Uhr

NÜRNBERG  - Mal ist es ein Klaps auf den Po, mal das Ziehen am Ohrläppchen. Scheinbar im Vorübergehen wird so manches Kind auch mit der Hand von seinen Eltern in Schach gehalten oder für Fehlverhalten auf diese Art bestraft. Und es sind wahrlich nicht wenige. Bei der Erziehung ihrer Kinder schlägt rund die Hälfte der Eltern in Deutschland noch immer zu, wie eine neue und repräsentative Forsa-Umfrage ergab: Rund 40 Prozent der Mütter und Väter gaben zu, ihre Kinder mit einem Klaps auf den Po zu strafen, zehn Prozent der Befragten verteilen Ohrfeigen.

Prügel, der Klaps oder die Ohrfeige. Gewalt in der Erziehung ist verboten, dennoch hält sich die Hälfte der Eltern nicht daran. Ein Teufelskreis, wenn man sich nicht helfen lässt.
Prügel, der Klaps oder die Ohrfeige. Gewalt in der Erziehung ist verboten, dennoch hält sich die Hälfte der Eltern nicht daran. Ein Teufelskreis, wenn man sich nicht helfen lässt.
Foto: colourbox
Prügel, der Klaps oder die Ohrfeige. Gewalt in der Erziehung ist verboten, dennoch hält sich die Hälfte der Eltern nicht daran. Ein Teufelskreis, wenn man sich nicht helfen lässt.
Prügel, der Klaps oder die Ohrfeige. Gewalt in der Erziehung ist verboten, dennoch hält sich die Hälfte der Eltern nicht daran. Ein Teufelskreis, wenn man sich nicht helfen lässt.
Foto: colourbox

Dabei ist die gewaltfreie Erziehung seit 2000 ein gesetzlich verankertes Recht von Kindern — dennoch leidet jedes zweite Kind in Deutschland unter Gewalt im Elternhaus. Obwohl nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes auch mehr als 90 Prozent der Eltern diesem Grundsatz inzwischen zustimmen.

Sicher, harte Fälle, wie etwa der des Mädchens, das 2010 von seiner Stiefmutter mit kochendem Wasser am Oberschenkel und im Genitalbereich verbrüht und immer wieder misshandelt worden war, sind Ausnahmen, wie die Umfrage ergab. Denn zu brutalen Körperstrafen wie etwa „Hintern versohlen“ greifen „nur“ noch vier Prozent der Eltern. Im Vergleich zu den Jahren 2006/07 ist die Zahl der Körperstrafen zwar zurückgegangen, doch der internationale Tag der gewaltfreien Erziehung erinnert aus gutem Grund am 30. April an diesen Irrweg vieler Eltern. So erklärte auch Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer kürzlich, dass körperliche Strafen oder Liebesentzug „Gift für den Aufbau einer sicheren Bindung“ seien. „Eltern ahnen oft nicht, wie wichtig sie und ihre Zuwendung für ihre Kinder sind.“


Bayernweit gibt es unter anderem etwa 180 Erziehungsberatungsstellen sowie 95 „KoKis“ (Netzwerke frühe Kindheit) bei den Jugendämtern. Alleine die „KoKis“ werden im Jahr 2012 mit rund 4,6 Millionen Euro gefördert. Dadurch sollen vor allem Eltern kleiner Kinder geholfen werden, die sich mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert fühlen. Denn laut Umfrage schlagen Vater oder Mutter nicht aus Überzeugung zu, sondern vielmehr aus Überforderung und Hilflosigkeit. Viele haben dabei selbst Gewalt in ihrer Kindheit erfahren, wie Experten längst herausgefunden haben.

Den Ergebnissen zufolge werden Jungen häufiger geschlagen als Mädchen. Für die Umfrage waren 1003 Eltern in Deutschland mit mindestens einem eigenen Kind bis 14 Jahre befragt worden. Dabei ist es ein Teufelskreis, in den man sich mit der Prügelei begibt. Sinkt einmal die Hemmschwelle, so wird die Züchtigung schnell zum gängigen Mittel bei Konflikten — mit tragischen Folgen für die Kinder. Experten bei den örtlichen Jugendämtern und Beratungsstellen können beim Weg ins gewaltfreie Familienleben helfen. Scheu sollte man vor dem Gang nicht haben. Denn die Zahlen zeigen, dass man mit diesem Problem nicht alleine ist. Viele Familien leben damit — und viel zu viele Kinder. Trotz des Verbots.

Die Adressen der Erziehungsberatungsstellen in der Region sind unter www.stmas.bayern.de/familie/beratung/erziehung/index.htm abrufbar.
  

Irini Paul


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