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Erlangen bekommt seine Orangerie zurück

Allein die Bürger der Hugenottenstadt spendeten eine halbe Million Euro - 16.06.2012 10:00 Uhr

Die Orangerie im Erlanger Schlossgarten erstrahlt in neuem Glanz. Auch wenn nicht jedem der neue Gold-Ocker-Farbton zu gefallen scheint.

Die Orangerie im Erlanger Schlossgarten erstrahlt in neuem Glanz. Auch wenn nicht jedem der neue Gold-Ocker-Farbton zu gefallen scheint. © Harald Sippel


Eine Putzkolonne wischt den Baustaub von den Böden. Der Konzertflügel wurde am Freitag geliefert. Die Gärtner schaufeln Erde, bringen Pflanzenkübel und verlegen Rasenbahnen, damit die Baggerspuren vor dem Gebäude nicht mehr zu sehen sind.

Nach und nach entfernen auch die Bauarbeiter die letzten Zäune, die die Orangerie in den vergangenen drei Jahren vom Erlanger Schlossgarten trennten. Bis Montag muss alles fertig sein, dann feiern Universitätsvertreter, Staatsminister und Sponsoren die Wiedereröffnung ihrer Orangerie.

500000 Euro haben die Erlanger Bürger selbst zusammentragen, damit das bayerische Wissenschaftsministerium die zunächst veranschlagten 4,5 Millionen Euro Baukosten seinerseits beisteuerte. Letztlich wurden 9,9 Millionen Euro für die Renovierung ausgegeben. Das Spendenprojekt gelang und alle, die mindestens 250 Euro dazu beigetragen haben, sind zum Festakt eingeladen.

Sie werden am Montag im renovierten Wassersaal sitzen, dem Herzstück der Orangerie, dessen ursprüngliche Bestimmung die Bauarbeiten offenbart haben. „Wir haben vier muschelförmige Brunnenschalen freigelegt“, sagt Doris Ostertag, Architektin und Leiterin der für die Orangerie verantwortlichen Abteilung im Staatlichen Bauamt Erlangen-Nürnberg. Um Stromleitungen und Heizungsrohre zu verlegen, hatten die Bauarbeiter den Fußboden des Wassersaals abgetragen.

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„Auch in der Mitte des Saals gab es wohl früher ein zwei mal vier Meter großes, ovales Wasserbecken.“ Doch weil beim Schlossgartenfest Ende Juni hier schon wieder getanzt werden soll, bleibt das Becken in Zukunft nur als Fußbodenmuster erkennbar. Die Brunnenschalen haben die Rekonstrukteure nachgebildet und in den vier Ecken des Wassersaals eingebaut.

Fünf Jahre lang war die Stuckdecke des Wassersaals mit einem Netz gesichert gewesen, um herabfallende Steine aufzufangen. Die Deckenbalken hatte der Hausschwamm zerfressen. Nun sind der Dachstuhl, die Natursteinfassade, der Gebäudesockel und die Fenster grundlegend saniert worden. „Wir wollten und sollten möglichst viel des 300 Jahre alten Holzes erhalten, darum wurde zusätzlich eine Stahlkonstruktion in den Dachstuhl eingezogen“, erklärt Ostertag. Das Dach wurde trockengelegt, wärmegedämmt und neu eingedeckt. Der Sandstein ausgebessert und die Fassade gestrichen.

Der neue Gold-Ocker-Farbton gefällt nicht jedem Erlanger. Doch es ist der ursprünglichen Farbe aus der Erbauungszeit der Orangerie nachempfunden. „Bei der Innenraumsanierung gab es eine Stelle, an der wir historische Originalputze aus dem Jahr 1705 gefunden haben“, sagt Ostertag. „Damit hatte keiner gerechnet.“

Zunächst war die Orangerie 1706 als symmetrisches, halbrundes Gebäude fertiggestellt worden. Rund hundert Jahre später baute man am Ostflügel einen weiteren Raum an. Die ursprüngliche Außenwand wurde zur Innenwand, die bis heute den alten Außenputz bewahrte. „Wir haben das Material analysiert, die Farbe und die Körnung“, erklärt die Architektin. „So kamen wir genau auf diesen Farbton.“

Schon bald soll vor der beleuchteten Wand mit dem Universitätslogo eine Bar entstehen.

Schon bald soll vor der beleuchteten Wand mit dem Universitätslogo eine Bar entstehen. © Harald Sippel


In neuem Anstrich präsentiert sich auch der Wassersaal den Besuchern. Noch bis vor drei Jahren war der Stuck weiß gestrichen, die aufgesetzten Säulen waren rosa marmoriert. „Aber ursprünglich war der ganze Saal flächendeckend in einem Lichtgrau gehalten“, sagt Ostertag. „Darum haben wir es jetzt auch wieder so gemacht.“ Ganz nach historischem Vorbild, doch manch neuzeitlicher Betrachter wird sich umgewöhnen müssen.

Tatsächlich ganz neu hinzugekommen sind unterirdische Toiletten- und Garderobenräume. Der Innenhof zwischen der Nordseite der Orangerie und dem Institut für Mikrobiologie wurde unterkellert, damit die festlich gekleideten Gäste künftig nicht mehr gezwungen sind, bei dringenden Bedürfnissen auf die angrenzenden Institutsgebäude auszuweichen.

„Jetzt können die Kunsthistoriker und Kirchenmusiker am Abend abschließen und wir können den Mittelteil separat für Veranstaltungen nutzen und vermieten“, sagt Ostertag. Beide Universitätsinstitute sowie der Wassersaal mit seinem anliegenden Foyer haben eigene Haupteingänge auf der Nordseite des Gebäudes erhalten.

Ab August sollen auch die Professoren und ihre Studenten wieder in die Orangerie einziehen können, so dass zum kommenden Wintersemester alle Tische und Stühle stehen. Im Ostflügel wird, wie vor der Renovieren auch, das Institut für Kunstgeschichte beheimatet sein. Im Westen die Kirchenmusik samt ihrer Orgel. 

Christina Merkel

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