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NZ: Ist es durch die verstärkte Nutzung von sozialen Netzwerken insgesamt gefährlicher für Kinder und Jugendliche geworden, Opfer von sexuellem Missbrauch zu werden?
Heike Krämer: Natürlich wird auch das Medium Internet von Pädophilen genutzt. Studien haben ergeben, dass 99 Prozent von ihnen im Netz unterwegs sind. Das Internet ist ein neues Gefahrenmedium. Deshalb sollte man bewusst und sensibel damit umgehen.
NZ: Mit wie vielen Fällen in diesem Bereich beschäftigt sich das Polizeipräsidium Mittelfranken etwa im Jahr?
Krämer: Wir haben keine Zahlen speziell zum sexuellen Missbrauch im Internet erhoben. Insgesamt hatten wir im Jahr 2011 199 Fälle von vollendetem und versuchten Missbrauch in Mittelfranken. Im Drei-Jahres-Vergleich ergab sich keine Zunahme.
NZ: Sind vor allem Mädchen gefährdet?
Krämer: Vom sexuellen Missbrauch sind vor allem Frauen und Mädchen betroffen. Die Opfer von Pädophilen sind aber zu etwa 70 Prozent Jungen.
NZ: Wie viele Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Mittelfranken beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit dem Thema? Haben sie spezielle Qualifikationen?
Krämer: Zu Dienststellenstärken können wir uns aus Sicherheitsgründen nichts äußern. Aber es gibt Sachbearbeiter bei Ermittlungsdienststellen und Kollegen in der Polizeiberatung, die speziell geschult sind und besondere Kenntnisse zu diesem Thema mitbringen.
NZ: Früher schärfte man Kindern ein: Geh’ nicht mit fremden Menschen mit, auch wenn sie dir Süßigkeiten anbieten oder tolle Sachen versprechen. Im Netz gibt es andere Möglichkeiten für Täter, an Kinder heranzukommen. Haben Sie eine bestimmte Taktik oder Masche der Täter beobachten können?
Krämer: Viele Täter pflegen im Netz ein so genanntes Fake-Profil. Sie melden sich mit einer anderen Identität und einem falschen Alter an. Sie nutzen auch fremde Kinderfotos oder Ausschnitte von Klassenfotos. Eine weitere Masche ist das Cyber-Grooming. Die Täter setzen dabei die Kinder auf perfide Art und Weise unter Druck. Im Chat tauschen sie Vertraulichkeiten aus und drohen dann, diese zum Beispiel an Eltern weiterzugeben, wenn das Kind ihnen nicht ein Foto von sich schickt.
NZ: Schulen, Jugendmedien und Beratungsstellen versuchen Kinder über die Gefahren im Netz aufzuklären. Das reicht aber offensichtlich nicht immer. Was können Eltern aus Sicht der Polizei noch tun, um ihre Kinder zu schützen?
Krämer: Das Internet ist, wenn es verantwortlich eingesetzt wird, ein gutes Medium, das von Kindern und Jugendlichen auch genutzt werden muss. Wir raten Eltern: Setzen Sie sich selbst mit den neuen Medien auseinander und unterstützen Sie ihr Kind dabei, im Netz eigenverantwortlich zu handeln. Außerdem sollte man die Privatsphäre seiner Familie im Internet sichern, also nicht wahllos Urlaubsbilder veröffentlichen und sonstige persönliche Daten einstellen. Die Sicherheitseinstellungen der Netzwerke sind oft einfacher zu umgehen, als gedacht. Gehen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam online und gehen Sie auf Seiten, die man sich gefahrlos ansehen kann. Natürlich sollten Sie Regeln aufstellen und auf eine altersgerechte Nutzung achten.
NZ: Was können Eltern tun, wenn ihr Kind trotz aller Warnungen ein Opfer eines sexuellen Missbrauchs im Internet wurde?
Krämer: Wir raten, Strafanzeige zu erstatten. Das ist über jede Polizeidienststelle möglich. Wenn der Missbrauch im schulischen Umfeld passiert, sollte man Lehrer, Mitschüler und Eltern informieren und andere Betroffene ermutigen, ebenfalls Anzeige zu erstatten. Als Beauftragte der Polizei für Frauen und Kinder klären wir die Betroffenen über den Ablauf eines Ermittlungsverfahrens auf, informieren und unterstützen hierzu. Unsere Präventionsdienststelle Zeughaus berät zur technischen Seite der Gefahren im Internet. Darüber hinaus kann man sich an externe Fachberatungsstellen wie Wildwasser, Paroli und den Kinderschutzbund wenden.
Im Zeughaus liegen mehrere Broschüren mit Tipps zum sicheren Umgang mit dem Internet aus. Auch das Bundesfamilienministerium gibt Ratschläge auf der Internetseite www.bmfsfj.de Weitere Hinweise und Termine zu Informationsveranstaltungen des Polizeipräsidiums Mittelfranken finden Sie im Internet unter www.polizei.bayern.de

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