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Handwerker entdecken das Internet

Marketing per Mausklick - 04.12. 19:04 Uhr

NÜRNBERG  - Wer einen Laden eröffnen will, überlegt sich vorher genau, welcher Standort sich dafür am besten eignet. Schließlich will man auch gesehen werden. Ein Geschäft in einer beliebten Einkaufspassage oder an einer viel befahrenen Straße hat natürlich einen entschiedenen Vorteil: In unmittelbarer Umgebung schwirren jede Menge potenzieller Kunden.

Herwig Danzer von den Möbelmachern aus Unterkrumbach hält über das Internet Kontakt zu seinen Kunden. Neue Nachrichten aus dem Unternehmen veröffentlicht er im Weblog.
Herwig Danzer von den Möbelmachern aus Unterkrumbach hält über das Internet Kontakt zu seinen Kunden. Neue Nachrichten aus dem Unternehmen veröffentlicht er im Weblog.
Foto: privat

Das Geschäft von Herwig Danzer und Gunther Münzenberg steht in Unterkrumbach – einem kleinen Ort im Kreis Nürnberger Land. Die nächstgrößere Stadt Hersbruck liegt zwei Kilometer entfernt. Das klingt nach wenig Laufkundschaft. Selbst Danzer gibt zu, er sei „weit weg vom Schuss“. Über mangelndes Interesse kann sich der Geschäftsführer der Möbelmacher – einem Einrichter für Küchen, Wohn- und Geschäftsräume — aber nicht beschweren. Gerade hat ein Kunde über das soziale Netzwerk Facebook gefragt, ob die Möbelmacher mit ihm einen Vorschlag für seine Büroeinrichtung erarbeiten können.



Für den 49-Jährigen macht das Internet mitsamt seiner sozialen Netzwerke (Englisch: social media) das möglich, was die geografische Lage erschwert – die Eigenvermarktung und der Kontakt zu Kunden. Letztgenanntes auch vice versa – für Wünsche, Fragen und Anregungen. Seit 2008 hat Danzer bei Facebook ein Konto, bislang hat er 700 Freunde. Jedes Mal wenn er etwas Neues schreibt, erscheint die Nachricht auch auf den Pinnwänden der anderen.

Selbst beim Kurznachrichtendienst Twitter und dem Videoportal YouTube ist Herwig Danzer zu lesen oder zu hören. Das alles kostet viel Zeit, sagt Danzer. Es nützt, aber bis sich der Aufwand wirklich lohnt, kann es noch dauern.


Auch Claus Böbel aus Rittersbach vermarktet seine Produkte via Internet. Wurst und Brot kann der Kunde im Onlineshop ordern.
Auch Claus Böbel aus Rittersbach vermarktet seine Produkte via Internet. Wurst und Brot kann der Kunde im Onlineshop ordern.
Foto: privat

Ausführliche Informationen und eine Einsicht in die Arbeit der Möbelmacher vermittelt Danzer aber vor allem über seinen Nachhaltigkeitsblog. „Da bekommt man mit, wie wir ticken.“ Hier schreibt er mal über Fäulnis unter dem Lack, mal sind Rabatte auf Relaxsessel das Thema, mal geht es allgemein um Projekte zum Stichwort Nachhaltigkeit. 200 bis 500 Leute rufen täglich das Blog ab. Wer hier Lust bekommen hat, klickt nicht selten auf die eigentliche Homepage der Möbelmacher www.die-moebelmacher.de. „Ohne Internet würde es uns vielleicht nicht mehr geben“, vermutet Danzer.

Ob Heinrich Traublinger, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), das Blog oder die Website von Herwig Danzer kennt, ist nicht bekannt. Wenn, würde er wahrscheinlich zustimmend nicken. Denn Danzer setzt das um, wozu Traublinger Handwerkern rät: zum Online-Marketing. „Handwerk 2.0“ lautete daher auch ein Motto des Bayerischen Handwerkstages vor einiger Zeit. „Gerade auch kleine und mittlere Unternehmen des Handwerks können und müssen Dienste wie Twitter, YouTube und Facebook nutzen, um die Kundenbindung zu stärken“, erklärte Traublinger in einer Pressemitteilung. Auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil rührt im gleichen Papier die Werbetrommel für die neuen Internet-Möglichkeiten: „Das Online-Marketing bringt neuen Schwung für die Handwerksbetriebe. Der Markt wird für sie dadurch größer und vielfältiger.“

Nun ist jedoch nicht jeder Handwerker ein Fachmann für den Bau von Webseiten. Eine kleine Übersicht, was er dabei beachten muss, findet er auf der Website www.tagdeshandwerks.info. Dort hat der Bayerische Handwerkstag – die Dachorganisation der bayerischen Handwerkskammern und -verbände – Videos eingestellt mit Tipps zur eigenen Homepage als digitaler Visitenkarte oder zur Suchmaschinen-Optimierung.

Claus Böbel ist da schon einen Schritt weiter. Der Metzgermeister aus Rittersbach (Kreis Roth) betreibt seit Jahren eine eigene Homepage. Auf www.umdiewurst.de erklärt er nicht nur Fachbegriffe des Handwerks, sondern liefert auch eine umfangreiche Beschreibung, wie die Produkte hergestellt werden – von Pfefferlingen bis zur Zungenwurst.

Neben Bildern zum Produkt findet der Kunde gleich noch den Link zum eigenen Online-Shop. Dort kann er sich Schweineschwarten, Grillfackeln oder sogar Kürbiskernbrote per Klick nach Hause ordern. 30 Prozent seines Umsatzes verdankt Böbel mittlerweile dem Internethandel. Die Bestellungen schickt er quer durch Deutschland und sogar in Länder der EU. Allein kann Böbel die Website aber nicht bewerkstelligen. Die Ideen stammen zwar von ihm, für die Umsetzung hat er sich jedoch professionelle Hilfe geholt.

Für Internet-Neulinge hat Böbel einen guten Tipp: „Eine Website muss gepflegt und aktuell sein.“ Er selbst verbringt oft drei bis vier Stunden täglich vor dem Rechner, um die Seite zu pflegen und die Bestellungen zu bearbeiten. Und noch einen Ratschlag hat der Metzgermeister parat: Für die Vermarktung im Internet braucht es Durchhaltevermögen, denn Erfolg braucht Zeit. „Haben Sie schon einmal einen Landwirt gesehen, der zuerst erntet, bevor er sät?“ 



Christiane Fritz



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