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Hausprojekt mit Zündstoff

Forchheims OB will dort bauen, wo früher die Synagoge stand - 04.08.2012 20:30 Uhr

FORCHHEIM  - Autos parken dort, wo einstmals die jüdische Gemeinde Forchheims ihr Gotteshaus hatte. Bis die Nationalsozialisten die Synagoge in der Wiesentstraße am 10. November 1938 in Schutt und Asche legten und vieles, darunter sakrale Gegenstände, in die Wiesent warfen.

Wo einst die jüdische Synagoge in Forchheim stand, parken heute Autos. Eigentümer des Grundstücks ist OB Franz Stumpf, der dort ein Haus bauen will.
Wo einst die jüdische Synagoge in Forchheim stand, parken heute Autos. Eigentümer des Grundstücks ist OB Franz Stumpf, der dort ein Haus bauen will.
Foto: André de Geare
Wo einst die jüdische Synagoge in Forchheim stand, parken heute Autos. Eigentümer des Grundstücks ist OB Franz Stumpf, der dort ein Haus bauen will.
Wo einst die jüdische Synagoge in Forchheim stand, parken heute Autos. Eigentümer des Grundstücks ist OB Franz Stumpf, der dort ein Haus bauen will.
Foto: André de Geare

Seine Großmutter sei es gewesen, die einige Gegenstände rettete und sie 1947 zurückgab, erzählte Oberbürgermeister Franz Stumpf der Forchheimer Lokalausgabe von NZ und NN. 1953 habe seine Großmutter das Grundstück dann von der jüdischen Kulturverwaltung gekauft.


Nun möchte Stumpf auf dem Grundstück, das er als Parkfläche für ein anliegendes, ihm ebenfalls gehörendes Haus nutzt, ein Mehrfamilienhaus bauen. „Ich halte mich da komplett raus. Das macht meine Frau“, wird Stumpf im Lokalteil zitiert.

„Höre auf Dein Herz“

Die Reaktionen auf die öffentliche Debatte sind heftig. In zahlreichen Leserbriefen wird dem OB „mangelnde Sensibilität“ oder auch „verantwortungsloser Umgang mit diesem traurigen Kapitel Forchheimer Geschichte“ vorgeworfen; in einem „offenen Brief“ appelliert Wolfgang Schmidt aus Kirchehrenbach, der Stumpf nach eigenen Worten seit Jugendtagen kennt, an den „lieben Franz“: „Höre auf Dein Herz und lasse es sprechen“; er könne sich nicht vorstellen, dass dieser „ehrwürdige und geschändete Platz von einem Wohnhaus überwuchert würde“.

Dieter George, der Vorsitzende des Heimatvereins und Kulturbeauftragte der Stadt, weiß um die Geschichte des Grundstücks. Er findet es beklagenswert, dass es bis heute keine bessere Nutzung dafür gibt als Parkplätze. Doch bei der Beurteilung der Sachlage will sich George an die „rechtliche Realität“ halten. Und die besage eben, dass OB Stumpf als rechtmäßiger Eigentümer das Grundstück nach den rechtlichen Gegebenheiten nutzen darf. Um ein Wohnhaus darauf bauen zu können, braucht Stumpf allerdings eine Ausnahmegenehmigung von der Sanierungssatzung, die besagt, dass dort eine öffentliche Grünfläche entstehen sollte. Das aber ist bis dato nicht passiert. Nun hat der Bauausschuss des Stadtrats grünes Licht für Stumpfs Pläne gegeben; ein CSU-Stadtrat habe in der Debatte sogar ins Gespräch gebracht, dort eine Hundefreilaufzone einzurichten, heißt es im Lokalteil.

Der Bausschuss gab allerdings der Verwaltung den Auftrag, in der Sache mit der jüdischen Gemeinde Kontakt aufzunehmen. Im Gespräch mit der NZ nutzte OB Stumpf gleich die Gelegenheit, um sich nach der Telefonnummer der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg zu erkundigen. Stumpf bekennt, „schon überrascht“ zu sein über die Heftigkeit der Vorwürfe gegen ihn. „Jahrzehntelang haben Leute, die nun meinen, den Stab über mich zu brechen, nichts zu dem Thema beigetragen.“ Stumpf argumentiert, dass das heutige Grundstück durch Tauschvorgänge und bauliche Veränderungen kaum mehr etwas mit dem seinerzeitigen Synagogengrundstück gemein habe; auch die Mikwe, das jüdische Ritualbad, sei nicht erhalten worden.

Der städtische Kulturbeauftragte Dieter George hält es „für nicht ganz unwahrscheinlich“, dass bei Stumpf nun ein „Denkprozess“ in Gang gesetzt wurde. Der OB, meint George, werde bei seinem Bauvorhaben, das „sicher nicht in diesem und auch nicht im nächsten Jahr“ fertig werde, das „nötige Fingerspitzengefühl“ walten lassen. Er schlägt zum Beispiel vor, in die Fassade des künftigen Wohnhauses Elemente einzuarbeiten, die an markante Baumerkmale der einstigen Synagoge erinnern. „Das wäre eine spannende Aufgabe für den Architekten.“

In jedem Fall, meint George, sei eine Wohnbebauung besser als der jetzige Zustand. 

Stephan Sohr


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