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Seit dem Umzug der Gemeindeverwaltung in das neue Bürgerzentrum an der Hauptstraße im Jahr 2005 steht das Gebäude leer und verfällt zusehends. Nun soll gegengesteuert werden.
Bereits einige Jahre vor dem Bau des Bürgerzentrums gab es Überlegungen, das Weiße Schloss als ortsgeschichtliches Museum zu nutzen. Die Erlanger Kunsthistorikerin Birgit Rauschert erstellte dazu eigens ein Nutzungskonzept. Im Zuge der letzten Kommunalwahlen geriet das Projekt „Kulturschloss“ jedoch zwischen die parteipolitischen Fronten und wurde auf Eis gelegt. Nun möchten die Kulturfreunde Heroldsberg und ein Teil des Gemeinderats der Thematik neues Leben einhauchen und planen, ein Zentrum für Kunst, Kultur und Bildung mit einem Museumsteil und einer kulturellen Mehrfachnutzung einzurichten.
„Die Sanierung des Weißen Schlosses und die anschließende Nutzung als Kulturzentrum ist derzeit das herausragendste Projekt unseres Ortes. Mehrere wertvolle Sammlungen – sozusagen das historische Gedächtnis der Gemeinde – würden hier einen würdigen Rahmen finden“, so Eberhard Brunel-Geuder, 1. Vorsitzender des Kulturvereins. Seit vielen Jahren setzt sich der Verein für das Projekt ein und kann sich auch vorstellen, die Betriebsträgerschaft zu übernehmen.
Für das Museum existieren bereits drei bedeutende Sammlungen. Ein Schwerpunkt soll das Leben und Wirken des fränkischen Künstlers Professor Fritz Griebel sein. Griebel war nach dem Zweiten Weltkrieg Direktor an der Kunstakademie Nürnberg und lebte in Heroldsberg. Sein künstlerischer Nachlass ist gewaltig: Hunderte von Aquarellen, Ölgemälden und Lithographien warten darauf, im Weißen Schloss ausgestellt zu werden.
Den zweiten Schwerpunkt der Ausstellung soll die Geschichte der Nürnberger Patrizierfamilie Geuder, der Erbauer der vier Schlösser, darstellen. Die Geuder waren Mitglied des Rats der Freien Reichsstadt Nürnberg über rund 500 Jahre und bekleideten mehrere Male das Amt des Vordersten Losungers, also des obersten Finanzverwalters. Gemälde, ein Richtschwert, Wappenscheiben sowie kaiserliche Urkunden zeugen vom Wirken der Familie.
Ein weiteres Thema ist die Geschichte der Vereinigten Papierwerke in Heroldsberg. 1906 gründeten die Brüder Emil und Oskar Rosenfelder in Nürnberg die „Vereinigten Closetpapier-Fabriken“. Nur vier Jahre später verlegten sie die Produktion nach Heroldsberg. Mit der Marke „Camelia“ eroberten die Brüder ab 1925 den Markt für Einwegbinden. 1929 wurde die Marke Tempo beim Reichspatentamt in Berlin registriert. Während des Dritten Reichs musste die Familie Rosenfelder nach England emigrieren. Die Vereinigten Papierwerke wurden in der Folgezeit von Gustav Schickedanz gekauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Firma einen enormen Aufschwung und avancierte 1970 zum weltweit größten Windelproduzenten.
Insgesamt verfügen die Kulturfreunde über 2500 Exponate. Dies versetzt sie laut Brunel-Geuder in die Lage, das Haus mindestens zwei Mal im Jahr neu zu bespielen.
Die Museumskonzeption sieht neben den ständigen Ausstellungen auch Sonderausstellungen und einen Museumsshop vor.
Darüber hinaus planen Kulturfreunde und Gemeinde, das Schloss für Bildungszwecke zu nutzen. Angedacht sind unter anderem Kurse der Volkshochschule und verschiedene Workshops. Auch Konzerte, Lesungen sowie ein Weihnachtsmarkt im Schlosshof schweben dem Kulturverein vor.
„Wir wollen das Schloss Vereinen wie dem Musikinstitut zugänglich machen“, so Bürgermeister Johannes Schalwig (CSU) über die künftige Nutzung des Kulturschlosses. Auch Trauungen im mittelalterlichen Ambiente würden seiner Meinung nach toll passen. Geplant ist daher auch ein Raum für Feierlichkeiten, der von Brautpaaren für die anschließende Hochzeitsfeier genutzt werden kann.
Laut einem Gutachten des Fürther Architektenbüros Conn und Giersch, das von der Gemeinde Heroldsberg in Auftrag gegeben wurde, belaufen sich die Kosten für die Sanierung des Schlosses auf 2,2 Millionen Euro, wobei den Löwenanteil die statische Ertüchtigung des Gebäudes verschlingt.
Bürgermeister Schalwig hält das Vorhaben dennoch für realisierbar: „Wir können hohe staatliche Förderungen erwarten, bei der Städtebauförderung sind wir in der hohen Förderstufe dabei.“ Insgesamt wurden an staatlichen Fördermitteln bereits rund 800000 Euro aus mehreren Töpfen, zum Beispiel der Städtebauförderung, des Landesamtes für Denkmalpflege, des Entschädigungsfonds sowie der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Aussicht gestellt.
Eberhard Pickel, Baudirektor bei der Regierung von Mittelfranken, hält das Vorhaben für förderungswürdig. Er spricht von einem „Leuchtturmprojekt für die Entwicklung der Kommune“, da diese in seinen Augen eine Vorbildfunktion im Umgang mit der kommunalen Geschichte sowie mit dem Umgang mit dem Baudenkmal hat.
Erst im Rahmen der Haushaltsberatungen konnte sich das Ratsgremium nun mehrheitlich darauf einigen, die Sanierungskosten auf zwei Millionen Euro zu deckeln, was nach Abzug der Fördermittel einen Gemeindeanteil von 1,2 Millionen Euro bedeutet. Die Kulturfreunde hoffen, den Fehlbetrag in Höhe von 200000 Euro durch Spenden und Eigenleistungen auffangen zu können. Festgelegt wurde außerdem, dass die Sanierung auf die Jahre 2013 bis 2015 verteilt werden soll.
