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Seit vier Jahren gibt es hier wieder frisch gebrautes Bier: Und zwar von der Elch-Bräu. Georg Kugler hat sich damit einen Kindheitstraum erfüllt, wie er sagt. „Ich wollte schon immer Brauer werden“, erzählt der 33-Jährige.
Da kam es einem Glücksfall gleich, dass er 2002 den Gasthof Seitz seines Onkels übernehmen konnte. Eine alteingesessene Wirtschaft, in der man gute Brotzeiten und Braten bekam. Doch vom eigenen Bier war Kugler damals noch weit entfernt. Er baute die Gaststube um, die Küche — alles musste raus. Irgendwann kam dann der Biergarten hinter dem alten Gasthof dazu und löste damit einen nur wenig einladenden Platz mit Bierbänken vor dem Haus ab.
„Und wir hatten Glück, wir wurden sehr gut angenommen“, sagt der zweifache Familienvater heute. So gut, dass der Braumeister 2007 mit seinem eigenen Bier beginnen konnte — und bis heute damit großen Erfolg hat.
Während man überall auf der Welt immer mehr Allerweltsbier bekommt, hat sich die Fränkische Schweiz ihre gute alte Tradition bewahrt und findet in jungen Brauern mit Visionen immer wieder treue Kämpfer für ein Stück Kulturgut.
201 Brauereien gibt es in Oberfranken, wobei die Fränkische Schweiz mit 74 die größte Dichte hat und dabei auch noch einen beeindruckenden Rekord hält: Der kleine Ort Aufseß hat, freilich gemessen an der Zahl der 1400 Einwohner, die größte Brauereidichte der Welt – sagt zumindest das Guinness-Buch der Rekorde.
Einheimische, aber auch all die Touristen aus der Region und dem Ausland scheinen nun mal einen unstillbaren Durst auf fränkisches Bier zu haben. Gut für junge Brauer wie Kugler oder auch Mike Schmitt, der vor gut zwei Jahren in Pretzfeld mit seiner Nikl-Bräu an den Start ging — und damit auch dafür sorgte, dass in der kleinen Gemeinde erstmals seit Jahrhunderten wieder eigener Gerstensaft am Ort gebraut wurde. Heute ist der Parkplatz „beim Nikl“ an jedem Wochenende voll und das Wirtshaus im schön renovierten ehemaligen Kuhstall gut besucht. Dabei war der damals 30-Jährige „ganz schön nervös gewesen“, ob sein Bier angenommen werde, wie er sagt.
Was für eine Frage. Sein dunkles „Michala“-Kellerbier, das seinen Namen Schmitts Großvater zu verdanken hat, ist ein Gedicht von Würze, sein helles Lager schlichtweg süffig. Auf der Speisekarte steht typisch Fränkisches — und wer Glück hat, der bekommt so Feines wie „Altfränkisches Biergulasch“ serviert. Konkurrenz muss auch er nicht fürchten, weil jeder Brauer seine eigene Philosophie beim Brauen hat.
Georg Kugler in Thuisbrunn setzt bei seinen Bieren ganz auf Regionalität. Er verwendet ausschließlich hochwertige Rohstoffe, um sein Dunkel, Pils und Bock herzustellen. Das Malz kommt aus Bamberg, der Hopfen aus Spalt — und selbst das Wasser hat Heimatbezug: das kommt aus der Fränkischen Schweiz. Aber auch die Gastronomie ist ihm wichtig. „Ich will schon mehr als nur Bier und Brotzeit anbieten“, sagt er.
Und das freut nicht nur die Einheimischen, die so einen malerischen Ort für den Stammtisch und das Feierabend-Bier haben, sondern auch all die Liebhaber der Fränkischen Schweiz, die sich gerne für das helle Bier oder das Weizen am alten Bierkeller anstellen. Übrigens ein uriges Überbleibsel einer alten Braustätte. Denn bis 1920 war auf dem Gelände eine große Brauerei angesiedelt.
In diesen Tagen genießt man das Elch-Bier im stilvollen Steinkrug freilich am besten im Biergarten, der auf kleinen Terrassen malerisch unter großen Sonnenschirmen angelegt ist. Während die Kinder gleich am kleinen Spielplatz klettern, rutschen und viel buddeln können, lassen sich die Großen all die Klassiker der fränkischen Küche schmecken: Würste, Rettich und Brot-
zeiten.
Am Nachmittag gibt es den selbst gebackenen Kuchen und den Schnaps aus der eigenen Brennerei. Obwohl Sonntag ist und man deshalb heute auch Schäufele und Schweinebraten bekommen könnte, gibt es an diesem Tag doch etwas anderes.
Die Wahl fällt auf Schnitzel mit Kartoffelsalat und üppigem Beilagensalat, feine Forelle mit Salzkartoffeln und Salat, während sich der Nachwuchs darüber freut, dass es hier auch Kindergerichte gibt. Endlich kein Portionieren und Rationieren von Vaters Teller. Am Ende war alles gut und günstig.
Nun könnte man gleich weiter nach Gräfenberg, Weißenohe oder Hohenschwärz gehen — über den so genannten „Fünf-Seidla-Steig“. Dieser führt zu den fünf Privatbrauereien in den Gemeinden Gräfenberg und Weißenohe, zu denen eben auch die Elch-Bräu gehört. Dabei kann man aber nicht nur wandern, sondern bei Führungen oder Besichtigungen auch eine Menge über die Brautradition in der Fränkischen Schweiz lernen. Die Einkehr lohnt bei jedem Brauer — auch bei der Lindenbräu in Gräfenberg, wo Georg Kugler einst sein Handwerk lernte.
Eine Dreiviertelmillion Euro hat der junge Brauer, der eigentlich aus einem landwirtschaftlichen Betrieb im nahen Höfles stammt, bis heute in die Brauerei und den Gasthof gesteckt. Er beschäftigt über zehn Teilzeitkräfte und ist selbst immer dort, wo er gebraucht wird — so wie seine Frau. Ein klassischer Familienbetrieb eben in einem Knochenjob, der ihm dennoch bis heute viel Freude macht. Vielleicht macht er sich auch deshalb wegen der Mammut-Investition keine Sorgen. „Solange die Wirtschaft gut läuft, schlafe ich eigentlich auch ganz gut“, sagt er und lacht. Die Nachtruhe sei ihm gegönnt – denn sein Bier ist wirklich einen Trip nach Thuisbrunn wert.
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