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"Jugend forscht": Frauen und Männer entkleiden sich anders

Dem "kuriosen" Unterschied auf der Spur - 05.02.2012 18:00 Uhr

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Pulli auszuziehen: Henry Winner (li.), Luis Dirmeier (zweiter v. li.) und Marius Ruh (re.) zeigen die „männliche“ Variante – und unsere Autorin Christina Merkel die „weibliche“ Methode.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Pulli auszuziehen: Henry Winner (li.), Luis Dirmeier (zweiter v. li.) und Marius Ruh (re.) zeigen die „männliche“ Variante – und unsere Autorin Christina Merkel die „weibliche“ Methode. © Hagen Gerullis


Der Pullover hat den Mörder verraten. Zwar sah der Verdächtige aus wie eine Frau, doch die Art wie er seinen Pullover auszog, entlarvte ihn eindeutig als unweiblich. „Mein Lieblingstatort hat mich auf die Idee gebracht“, erzählt Luis Dirmeier. Denn am liebsten sieht sich der 15-Jährige das Ermittlerduo aus Münster an. Durch die Folge „Zwischen den Ohren“ im vergangenen September kam er dabei ganz nebenbei auf ein Thema für das Jugend-forscht-Projekt.

„Ich musste erst einmal selbst überlegen, wie ich meinen Pullover ausziehe“, sagt Henry Winner. „Das ist ja eine alltägliche, total unbewusste Tätigkeit.“ In den kommenden drei Monaten mussten sich die drei Schüler trotzdem viele Gedanken darüber machen, dass Männer und Frauen sich unterschiedlich entkleiden. 331 Menschen haben sie dazu befragt – 195 Männer und 136 Frauen aus ihrer Schule, dem Familien- und Bekanntenkreis.

„Die meisten Frauen bevorzugen tatsächlich die weibliche Variante“, fasst Marius Ruh ihre Ergebnisse zusammen. Drei Viertel der befragten Damen entledigen sich ihres Pullovers, indem sie die Arme vor dem Körper überkreuzen und den Pulli nach hinten über den Kopf ziehen. Damit sich die Studienteilnehmer das auch vorstellen konnten, hat Henry Bilder für den Fragebogen gezeichnet. „Meine Mama hat ein bisschen geholfen“, gibt der 14-Jährige zu. Eine männliche und eine weibliche Auszieh-Variante ist auf den Zeichnungen zu sehen. Die Befragten sollten außerdem ihr Alter angeben und ihr Geschlecht, zusätzlich war ihre Haarlänge gefragt und ob sie Brillenträger sind.

„Die Eindeutigkeit der Ergebnisse war überwältigend“, sagt Luis Dirmeier. 79 Prozent der Männer ziehen sich auf die männliche Art und Weise aus: Sie greifen den Pullover hinter dem Kopf am Kragen und ziehen in anschließend nach vorne. Nur ein geringer Anteil der Befragten tauscht die Rollen. Neun Prozent der Männer bevorzugen die weibliche Variante, fünf Prozent der Frauen die männliche. Der Rest entledigt sich seines Pullovers auf eine dritte mögliche Art und Weise: 20 Prozent der Frauen und zwölf Prozent der Männer streifen zuerst die Ärmel ab.

„Wir haben uns viele Gedanken gemacht, warum Männer und Frauen ihre Pullover unterschiedlich ausziehen“, sagt Henry Winner. „Frauen könnten Angst haben, ihre Frisur zu zerstören“, meint Marius Ruh. Darum baten die Achtklässler im Fragebogen um die Angabe der Haarlänge. Tatsächlich antworteten 31 Prozent der langhaarigen Männer, ihren Pullover auf weibliche Art auszuziehen. „Allerdings bevorzugen auch die kurzhaarigen Frauen weiterhin die weibliche Variante“, sagt der 13-Jährige.

Eine Brille hatte keinerlei Auswirkung auf die Ergebnisse. Ebenso könne es nicht am Vorführeffekt der Eltern liegen, da Jungen wie Mädchen im Kindesalter meist von der Mutter angezogen werden. „Natürlich ist der weibliche Körper auch anders geformt als der männliche“, sagt Marius Ruh. Doch auch schon bei Kindern unterscheiden sich die Pullover-Auszieh-Ergebnisse. „Einen ,praktischen Sinn‘ können wir letztendlich also nicht erkennen“, sagt Luis Dirmeier. Sein Forschungspartner Henry Winner meint: „Es ist wohl einfach ein weiterer kurioser Unterschied zwischen Männern und Frauen.“ 

Christina Merkel

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