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Kirchensteuer allein den Gemeinden?

Unzufriedenheit über die Kirchenleitung - 09.11.2009

Wer soll die Kirchensteuer verwalten? Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner (v.li.), Rektor Martin Hoffmann, Synodenpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll, Moderatorin Prof. Johanna Haberer, Hans-Jürgen Schuster, Pfarrerin Jaqueline Barraud-Volk, Professor Wolfgang Schoberth waren bei der Diskussion in der Gustav-Adolf-Kirche durchaus unterschiedlicher Meinung.

Wer soll die Kirchensteuer verwalten? Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner (v.li.), Rektor Martin Hoffmann, Synodenpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll, Moderatorin Prof. Johanna Haberer, Hans-Jürgen Schuster, Pfarrerin Jaqueline Barraud-Volk, Professor Wolfgang Schoberth waren bei der Diskussion in der Gustav-Adolf-Kirche durchaus unterschiedlicher Meinung. © Gerullis


Eingeladen hatte das Forum «Aufbruch Gemeinde«, ein Zusammenschluss aufmüpfiger Männer um den Rektor des Nürnberger Predigerseminars, Martin Hoffmann. Der promovierte Theologe ist vor einigen Jahren nach einem heftigen Streit aus der Landessynode ausgezogen. Zu zentralistisch und bischofsorientiert ist ihm die Kirche.

Die zweite

«Räubersynode«

Mit Gleichgesinnten, unter ihnen der kantige Pfarrer von Lichtenhof, Dieter Schlee, wollen sie einen Umdenkungsprozess in der Landeskirche anstoßen. Rund 250 Besucher, darunter viele Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Mitglieder von Kirchenvorständen, kamen zur mittlerweile zweiten «Räubersynode«, wie ein Teilnehmer schmunzelnd sagte. Die Erwartungen gingen auf.

Nachdem Nürnberger das Landeskirchenamt ins Gebet genommen hatte, wandte er sich Politik und Wirtschaft zu, die wie die Kirche auch eine Laisierung brauchten. Denn die Finanzkrise habe ja bewiesen, dass gerade sogenannte Profis den Karren in den Dreck gefahren hätten.

Der Kirchenleitung empfahl Nürnberger, den Gemeinden mehr zuzutrauen, ihnen vor allem die Kirchensteuer selbst verwalten zu lassen. Denn in den Gemeinden herrsche eine höhere Weisheit. «Sie kümmern sich auch um jene Dinge, die sich nicht rechnen, wofür zu arbeiten es sich aber lohnt.«

In der Landeskirche entrichtet etwa ein Drittel aller Mitglieder (also 871000 von derzeit 2,6 Millionen) Kirchensteuer. Im Durchschnitt zahlt ein Kirchensteuerzahler 510 Euro. Diese Schlüsselzahl müsse den Kirchengemeinden pro Kopf zugeteilt werden, meint Dieter Schlee. Auf die Nürnberger Gustav-Adolf-Gemeinde mit 2400 Kirchensteuerzahlern kämen so 1,22 Millionen zu. Im Augenblick erhält die Gustav-Adolf-Gemeinde jedoch nur magere 437000 Euro von München zugeteilt. Und wo verbleibt das andere Geld?

Bei der Veranstaltung wurde immer wieder ein teuer hergestellter Jahresbericht des Landesbischofs im Katalogformat erwähnt. Die Verteilaktion dieses hochwertigen und völlig unnötigen Druckerzeugnisses habe allein etwa 80000 Euro verschlungen, mutmaßte am Rand des Treffens ein Mitglied der Landessynode. Deren Präsidentin Dorothea Deneke-Stoll saß mit am Podium, wo sie glaubhaft versicherte, dass die Gemeinden auch nach wie vor das Rückgrat der Landeskirche seien, und alles getan werde, ihre Vitalität zu erhalten.

Der für Gemeinden und die Kirchensteuer zuständige Münchner Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner erinnerte an Diasporagemeinden, denen es weniger gut gehe; die mit einer Pro-Kopf-Kirchensteueraufkommen von mitunter nur 3,60 Euro auskommen müssten.

Es war Hans-Jürgen Schuster aus Prien, der ein wenig für voradventliche Hoffnung sorgte. Der Kirchenvorsteher und Unternehmer berichtete von einer wachsenden Gemeinde am Chiemsee, die sich zu drei Viertel aus eigenen Mitteln finanziere. Schuster machte deutlich, dass seine Gemeinde zwar von Spiritualität und Charisma getragen werde, doch auch Organisationstalent und Kundenorientierung notwendig seien, um erfolgreich zu sein. Kundenorientierung - ein Wort, das bei Christian Nürnberger Ekelschauer hervorrufen würde. 

Raimund Kirch

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