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Mit dem Bollerwagen auf Zeitreise

Familien-Ausflug ins Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim - 05.05.2012 14:28 Uhr

Ein weitläufiges Gelände mit vielen historischen Gebäuden und zahlreichen schönen Plätzen zum Spielen und Pausieren. Im Fränkischen Freilandmuseum kommen die Großen und die Kleinen gleichermaßen auf ihre Kosten.

Ein weitläufiges Gelände mit vielen historischen Gebäuden und zahlreichen schönen Plätzen zum Spielen und Pausieren. Im Fränkischen Freilandmuseum kommen die Großen und die Kleinen gleichermaßen auf ihre Kosten. © Christian Ebinger


Schon nach wenigen Metern wird klar: Der Museumsbesuch ist ein wahres Fest für die Sinne. Sehen, riechen, hören, anfassen, schmecken – gerade, wenn man mit Kleinkindern unterwegs ist so wie wir, dann sind die Sinne geschärft.

Gemütlich streifen, nein trödeln wir mit dem ausgeliehenen Bollerwagen durch das weitläufige Gelände. Ein Kräutergarten am Wegesrand lädt zum Schnuppern ein. Blick in einen Stall: Die Hühner lassen sich nicht stören – unser Vierjähriger geht in die Knie, um das Federvieh zu betrachten. „Ui, Vögel!“, ruft sein zweijähriger Bruder begeistert. Unser Blick geht nach oben: Schwalben fliegen geschäftig zu ihren Nestern an der Stalldecke. Im Schweinestall müssen wir lachen. Sau Martha säugt den Nachwuchs, witzig klingt das Schmatzen der Ferkel in unseren Ohren.

Ein Hof für Kinder

Der Bauernhof aus Mailheim bei Bad Windsheim ist eine Welt für sich: Das Ensemble aus Wohnhaus, Stall, Schmiedewerkstatt und Hofmauer beherbergt heute die museumspädagogische Werkstatt. Dieser „Hof für Kinder“ bietet Schulklassen, Kindergarten- und Jugendgruppen zahlreiche Aktionen rund um das Alltagsleben von einst.

Blick in eine fremde Welt, als es  so manche Annehmlichkeiten der heutigen Zeit noch nicht gab.

Blick in eine fremde Welt, als es so manche Annehmlichkeiten der heutigen Zeit noch nicht gab.


Wäsche waschen wie vor 100 Jahren, dreschen und mahlen, filzen oder Brot backen – dabei erfahren die Kinder, wie hart und anstrengend die Bedingungen einst gewesen sind. Auch Kindergeburtstag kann hier nach Anmeldung gefeiert werden. Zudem sind Schmiedemeister zu vorher angekündigten Zeiten bei der Arbeit zu sehen.

Heute ist es still, doch unsere Jungen stört das nicht: Sie laufen begeistert um den Eingangszaun herum. Noch eine Runde und noch mal – dann verabschieden wir uns von dem Fachwerkbau aus dem Jahr 1749, denn es gibt schließlich noch viel zu entdecken.

Armut und Kargheit, Wohlstand und Pracht

Neugierig läuft unser Großer in ein Bauernhaus und macht am Eingang scheu einen Schritt zurück. „Alle kommen mit!“, fordert er. Als wir durch die Tür treten, wissen wir, warum er sich nicht allein hineintraute: Kommt man an einem sonnigen Tag in eines der alten Häuser, müssen sich die Augen erst an eine dunkle Umgebung gewöhnen.

Nicht besonders groß sind die Fenster, ein Lichtschalter natürlich nicht vorhanden. Welch Luxus ist es, Strom zu haben! Unser Sohn hat den Schreckmoment verdaut und erobert die anderen Gebäude. Wir entdecken prächtige und kärgliche Verhältnisse: Mächtig ist das 1554 erbaute Amtshaus aus Obernbreit eines Dorfschultheißen, der zugleich auch Bauer war.

Einfach mutet dagegen das Taglöhnerhaus aus Marienstein aus dem Jahr 1367 an: Den Besitzern blieb von ihren Erträgen aus der Landwirtschaft nicht genug zum Leben, sie mussten bei anderen Bauern arbeiten. „Die hatten aber nicht viel“, sagt unser Großer leicht abschätzig beim Blick auf die karge Inneneinrichtung. Doch auch mit wenig Geld kann man es sich gemütlich machen: Einige Innenwände sind bunt bemalt.

Eine Pause muss schon sein

Als nützlich empfinden wir die kleinen Infotafeln in und an den Häusern. Während unsere Jungen durch die Räume poltern, lesen wir Großen die Texte durch. Doch Eltern von Kleinkindern wissen: Der Nachwuchs ist nur für eine begrenzte Zeit geduldig.

„Weiter, weiter!“, quengelt unser Kleiner, während wir im Kommunbrauhaus aus Schlüsselfeld doch noch lesen wollen, wie Bier gebraut wird. Zeit für eine Pause einige Schritte weiter im Gasthaus aus Mühlhausen, das Brotzeiten und warme Speisen bietet – hier wird auch das eigene Bier aus dem Kommunbrauhaus ausgeschenkt.

Idylle pur an der Hofanlage aus Seubersdorf – hier ist der Museumsbauernhof mit Schweinen, Kühen und Hühnern untergebracht.

Idylle pur an der Hofanlage aus Seubersdorf – hier ist der Museumsbauernhof mit Schweinen, Kühen und Hühnern untergebracht.


Das Gasthaus am Ein- und Ausgang lockt am Ende der Tour mit allem, was durstige und hungrige Besucher brauchen: Für die Kleinen gibt es Eis, wir Großen kaufen selbst gebackenes Brot und Honig aus der Umgebung – damit haben wir in den kommenden Tagen eine Erinnerung an einen schönen Tag im Freilandmuseum.

Täglich außer Montag geöffnet. Familienkarte: 15 Euro, Kinder unter sechs Jahren frei; 09841/66800, www.freilandmuseum.de

Weitere Ausflugs-Tipps finden Sie hier. 

Sabine Ebinger

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