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Neue Zahlen entfachen Diskussion über Güterzugtunnel

Bau würde keine Lärm-Entlastung bringen - Informationen sorgen für Verwirrung - 16.06.2012 09:30 Uhr

FÜRTH  - Die Vorplanungen begannen bereits Anfang der 90er Jahre. Auf 2016 war der Bau des Tunnels für die Güterzüge datiert. Dieser sollte den Knotenpunkt Fürth entlasten. Aussagen des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesverkehrsministerium werfen jedoch ein ganz neues Licht auf das Projekt Güterzugtunnel, die Entlastung und den Streckenverlauf der S-Bahn zwischen Fürth und Erlangen.

An der Rothenburger Straße tauchen die Güterzüge aus dem Tunnel, der unter Fürth verläuft, wieder an der Oberfläche auf. 2016 soll mit dem Bau begonnen werden.
An der Rothenburger Straße tauchen die Güterzüge aus dem Tunnel, der unter Fürth verläuft, wieder an der Oberfläche auf. 2016 soll mit dem Bau begonnen werden.
Foto: Deutsche Bahn
An der Rothenburger Straße tauchen die Güterzüge aus dem Tunnel, der unter Fürth verläuft, wieder an der Oberfläche auf. 2016 soll mit dem Bau begonnen werden.
An der Rothenburger Straße tauchen die Güterzüge aus dem Tunnel, der unter Fürth verläuft, wieder an der Oberfläche auf. 2016 soll mit dem Bau begonnen werden.
Foto: Deutsche Bahn

Das Schreiben des Fürther Abgeordneten Uwe Kekeritz, der für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag sitzt, dürfte für Diskussionen sorgen. In einer Pressemitteilung erklärt er: Der geplante Güterzugtunnel unter Fürth – er soll im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8.1 entstehen – würde keine Lärm-Entlastung für die Kleeblattstadt bringen.

Der Tunnel, so ist in einer Simulation auf der Internetseite des Projekts zu sehen (www.vde8.de), beginnt nördlich von Fürth-Kronach und endet kurz vor der neuen Rothenburger Straßenbrücke. Auf einem Gleis je Richtung soll ein Teil der Güterzüge künftig unterirdisch fahren. „Vor nicht mal einem halben Jahr hieß es von der Bahn noch, dass mit dem Tunnel nur noch rund 20 Prozent der Güterzüge oberirdisch unterwegs sein werden“, erklärt Kekeritz. „Das klang nach Entlastung. Von der ist nun aber keine Rede mehr.“


Grund zu der Annahme sind Aussagen des Parlamentarischen Staatssekretärs des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Enak Ferlemann. Von ihm wollte Kekeritz wissen, wie viele Güterzüge gegenwärtig zwischen Fürth-Hauptbahnhof und Erlangen-Eltersdorf verkehren. Der Staatssekretär stützt sich dabei auf Angaben von der DB Netz AG, wie er selbst schreibt. Danach sind es 55 pro Tag und Richtung.

Laut einer Prognose für das Jahr 2025 würden nach Fertigstellung des geplanten S-Bahn-Verschwenks und der Güterzugstrecke zwar 71 Güterzüge durch den Tunnel rauschen, 55 jedoch auch oberirdisch verkehren (jeweils eine Richtung). „Eine Entlastung der Fürther Innenstadt vom Güterverkehr gegenüber heute ist auch nach Inbetriebnahme der Güterzugstrecke Nürnberg Rbf.-Eltersdorf aus verkehrlichen Gründen (unter anderem Laufweg der Züge) leider nicht realisierbar“, heißt es in einem Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs.

In Fürth sorgen die Zahlen für Irritationen

In Fürth reagiert man auf die neuen Informationen und die Aussagen des Staatssekretärs irritiert. Joachim Krauße, Fürths Baureferent, betonte am Freitag gegenüber unserer Zeitung, dass die Stadt den Güterzugtunnel befürwortet, da man davon ausgehe, dass der Tunnel eine „wesentliche Entlastung der Güterzugstrecke durch die Stadt“ bringe.

Man wolle, so Krauße, jetzt mit der Bahn sprechen und das Ganze „sachlich aufklären“. Auf NZ-Anfrage erklärte ein Bahn-Sprecher am Freitag, dass es mit dem Bau des Tunnels definitiv eine Entlastung des Güterverkehrs in Fürth geben werde. Die Zahlen, auf die sich der Staatssekretär beruft, wollte man nicht kommentieren.

Der Abgeordnete Kekeritz erklärt in seiner Mitteilung weiter, dass diese bisher unbekannte Verkehrsprognose für die Debatte um den Fürther Verschwenk „nicht unerheblich“ sei. Kekeritz befürwortet den Bau des S-Bahn-Gleises entlang der bestehenden Strecke. Für diese wurde allerdings ein Nutzen-Kosten-Faktor von 0,97 errechnet. Erst ab dem Wert 1,0 – wie es bei der Variante Verschwenk der Fall ist – wird ein Projekt von Bund und Land bezuschusst.

Dass die Variante Bestandsstrecke unter diesem Wert liegt, wird in Kekeritz‘ Schreiben mit den Kosten für den Lärmschutz erklärt, der hier errichtet werden muss. Diese Kosten würden den Nutzen-Kosten-Faktor unter den Grenzwert von 1,0 drücken, heißt es. „Obwohl die neuen S-Bahn-Züge so leise sind, dass wahrscheinlich gar kein Lärmschutz nötig ist, bekommt das neue Gleis die Kosten aufgebrummt“, so Kekeritz. „Auch, weil es immer hieß, dass mit dem Tunnel die lauten Güterzüge wegfallen.

Jetzt ist aber klar, dass der Lärmschutz vor allem den Krach der weiterhin in gleicher Zahl vorbeidonnernden Güterzüge schlucken würde. Der Lärmschutz ist also auch ganz ohne S-Bahn-Gleis sinnvoll.“ Kekeritz schlussfolgert daher: „Die Lärmschutzkosten müssen aus der Nutzen-Kosten-Berechnung für die S-Bahn raus.“ Kekeritz spricht sich zudem dafür aus, das aktuelle Planfeststellungsverfahren dringend zu reformieren. 

Christiane Fritz

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