23°C
Donnerstag, 24.05. - 11:47 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Nirgendwo surfen Kinder so oft unbeaufsichtigt im Netz wie in Bayern

Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage bei Jugendlichen - 20.12. 19:12 Uhr

NÜRNBERG  - Ein kleiner Knopf soll es künftig richten. Ein Klick und schon scheint Hilfe ganz nah. Mit einem sogenannten Notrufbutton will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) im Internet einen zentralen Ruf für Kinder einrichten. Damit sollen sich künftig minderjährige Nutzer sofort an ein Internet-Kinderschutzzentrum wenden können, wenn sie Inhalte als bedrohlich erleben oder selbst etwa Opfer von Mobbing sind. Der Button, der noch nicht installiert ist, ist Teil der "Kinder- und Jugendnetzpolitik", der sich die Politikerin nun verschrieben hat.

Ohne Eltern im Netz. Fast jeder zweite Befragte sagt, seine Eltern kümmerten sich nicht darum, wie lange er surfe.
Ohne Eltern im Netz. Fast jeder zweite Befragte sagt, seine Eltern kümmerten sich nicht darum, wie lange er surfe.
Foto: dpa
Ohne Eltern im Netz. Fast jeder zweite Befragte sagt, seine Eltern kümmerten sich nicht darum, wie lange er surfe.
Ohne Eltern im Netz. Fast jeder zweite Befragte sagt, seine Eltern kümmerten sich nicht darum, wie lange er surfe.
Foto: dpa

In Bayern kommt die Ankündigung gerade recht. Denn nirgendwo sind mehr Kinder ohne elterliche Aufsicht im Netz unterwegs als im Freistaat. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage, surfen 65 Prozent der bayerischen Jugendlichen alleine – mehr als in allen anderen Bundesländern. In Bayern setzen Mütter und Väter wohl lieber auf das Sperren von Seiten als auf Aufsicht.

Denn jeder vierte bayerische Schüler zwischen 14 und 20 Jahren gab an, für ihn seien Internetseiten nicht zugänglich, bundesweit sagt das nur jeder sechste von sich selbst. Jeder vierte Jugendliche im Freistaat – bundesweit jeder dritte – surft an einem normalen Schultag länger als zwei Stunden durchs Netz.



Dabei wäre es dringend nötig, auch ein Auge darauf zu haben. Denn Sicherheit gibt es im Netz nur bedingt — selbst auf vermeintlich harmlosen Seiten, wie etwa der Datenklau-Skandal bei SchülerVZ vor zwei Jahren zeigte. Wo persönliche Daten umherschwirren und die Anonymität ausgehebelt wird, kann es zuweilen gefährlich werden und aus einem harmlosen Plauderstübchen im Netz wird ein bedrohlicher Chatroom. Laut einer Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) wurde jedes dritte Kind schon einmal im Internet belästigt.

Bei den 16- bis 18-Jährigen war es sogar mehr als jeder Zweite. Beleidigungen, „unangenehme Nachrichten von unbekannten Erwachsenen“ bis zu sexuellen „Anmachen“; von Betrug über Mobbing bis hin zu fatalen Treffen mit vermeintlichen Freunden aus dem Netz — überall lauern ungezählte Fallen. Ihnen sind Kinder und Jugendliche am Ende schutzlos ausgeliefert. Zuweilen auch mit tödlichem Ausgang. So wurde im April eine 16-jährige Schülerin aus Coburg von einem 20-Jährigen umgebracht. Das Mädchen war erst mit einem Hammer halbtot geschlagen und dann erstochen worden. Die beiden hatten sich im Internet kennengelernt und waren auf Facebook miteinander befreundet.

Netzwerke gehören meist schon zum Leben

Doch soziale Netzwerke gehören bei den meisten Jugendlichen längst zum Alltag. Man lernt sich übers Netz kennen und tauscht sich via Internet auch aus. Laut aktueller Forsa-Studie sind neun von zehn Jugendlichen inzwischen bei mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet und nutzen aktiv die Communities.

Bei der repräsentativen Untersuchung schnitten die Familien in Bayern nicht besonders rühmlich ab. Denn fast jeder zweite Befragte sagte, seine Eltern kümmern sich nicht darum, wie lange er im Internet sei.

Neben Desinteresse mögen es bei manchen auch schlicht Unkenntnis und Bedenkenlosigkeit sein, die die Gefahr erhöhen. Denn die Internetnutzung ist in manchen Familien auch ein Dilemma der Generationen: Der Nachwuchs beherrscht die Technik und vergisst dabei jedes kritische Hinterfragen — den Eltern sagen Worte wie Community und Chatroom nichts und sie unterschätzen dabei den Einfluss des Internets auf das Leben, Fühlen, aber auch Handeln der Kinder. Schließlich nutzen laut Bitkom-Studie 98 Prozent der Zehn- bis 18-Jährigen das Internet. Vernünftiges Verhalten und Sensibilität dafür muss aber niemand nachweisen.

Auch haben es Fächer wie „Mediennutzung“ oder „Datenschutz“ noch nicht in die bayerischen Lehrpläne geschafft. Hilfe gibt es dennoch. Eine Möglichkeit ist der sogenannte Medienführerschein, den man seit 2009 in Bayern machen kann. Dabei handelt es sich um eine Initiative der Staatskanzlei und des Kultusministeriums, die Kindern und Jugendlichen beim Umgang mit den neuen Medien helfen soll — im Unterricht, aber auch jenseits der Schule. Themen sind für Grundschüler etwa: „Schau genau hin! Nachrichtenwege erkennen und bewerten“ oder „Die Ohren spitzen – Zuhörfähigkeit entdecken und schulen“. Seit 2010 wird der Medienführerschein für alle Dritt- und Viertklässler angeboten. In der 6. bzw. 7. Klasse gibt es Kurse etwa zu: „Ich im Netz – Inhalte in sozialen Netzwerken reflektieren und bewerten.“

Damit auch Eltern wissen, was sich im Internet tut oder bei Computerspielen abspielt, richten sich die Angebote ebenso an sie. Denn Experten raten Eltern dringend dazu, Kinder bereits im Grundschulalter bei den ersten Schritten ins Internet zu begleiten und Erfahrungen zu besprechen. Nur so lernt der Nachwuchs früh, dass die neuen Medien nicht nur ein klasse Zeitvertreib sind, sondern eben auch immer ein heikles Terrain.

www.medienfuehrerschein.bayern.de. Auch die NZ nimmt sich des Themas an. „SurfSafe“ war unlängst eine Gemeinschaftsaktion von SpardaBank, Schulreferat und der NZ. Alle Beiträge der Reihe und Tipps zum Thema gibt es hier auf unserer Homepage.


  



Irini Paul

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.



Zum Thema
SurfSafe



Kurzbeschreibung:
Wie kann das Internet, soziale Netzwerke wie Facebook, Handys und Smartphones so genutzt werden, dass persönliche Daten geschützt sind? In einer NZ-Serie beschäftigen wir uns ausführlich mit dem Thema "sicher im Internet".