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Wer auf dem mittleren Bahnsteig des Erlanger Bahnhofs steht, braucht ein wenig Fantasie, um sich die vielen Bauarbeiter und das Baumaterial weg- und den fertigen Bahnsteig hinzudenken. Oder er hat Karsten Lehmann an der Seite. Lehmann betreut als Projektingenieur den Abschnitt Erlangen. Obwohl der Bahnsteig noch nicht einmal bis zur Hälfte gepflastert ist, lässt Lehmann keinen Zweifel aufkommen, dass die Arbeiten nicht rechtzeitig fertig werden. „Die haben heute morgen um 8 Uhr mit dem Pflastern angefangen.“
Am kommenden Sonntag, den 1. Juli, sollen die Fahrgäste hier wieder festen Boden unter den Füßen spüren, denn dann soll das Gleis 3 wieder an das Netz angeschlossen sein – genau wie 32 neue Weichen, die im Bereich des Erlanger Bahnhofs verbaut wurden. Damit entfällt der eingeschränkte S-Bahn-Betrieb. Das Gleis 3 wird zunächst – wenn nötig – als Ausweichgleis dienen. Zwar soll es die Eingleisigkeit in diesem Umfang nicht mehr geben, heißt es, doch kann es auch künftig zu Fahrplanänderungen am Wochenende oder in den Abendstunden kommen. Diese werden jedoch „rechtzeitig angekündigt“.
Am Erlanger Bahnhof wird nicht so schnell Ruhe einkehren. Unter anderem fehlt noch das Dach über dem mittleren Gleis.
Der Aufzug soll bis Ende des Jahres installiert werden. Auch der Granitbelag für die Stufen, die Fliesen an den Wänden und das Geländer fehlen noch im nördlichen Treppenaufgang. Bis Ende des Jahres erhält zudem das Gleis 2 neue Gleise. 2013 wird die Baustelle weiterrücken. Dann beginnen die Umbaumaßnahmen am ersten Gleis, das auf 405 Meter verlängert wird. So können die ICE3 in Doppeltraktion, die knapp 400 Meter lang sind, künftig dort halten.
Die Umbaumaßnahmen am Erlangen Bahnhof sind Teil des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit (VDE Nr.8). Die Strecke zwischen Nürnberg und Berlin wird umgebaut, damit sich die Fahrzeit zwischen München und Berlin auf etwa vier Stunden verkürzt. Im Zuge dessen erfolgt auch der viergleisige Ausbau der Strecke Nürnberg-Forchheim.
So wird nicht nur im Erlanger Bahnhof geschraubt und betoniert, sondern auch einige hundert Meter weiter, in der Paul-Gossen-Straße, an der ein neuer S-Bahnhaltepunkt entsteht. Dazu wird die Brücke über der Haltestelle erweitert – bei laufendem Verkehr. Neben den zwei Spuren für die Autofahrer (je eine Richtung) erhält jede Seite eine Haltebucht für Busse. Zudem wird es einen mehr als vier Meter breiten Fuß- und Radweg geben. Auf der Nordseite gelangen die Fahrgäste über einen Fahrstuhl zum Mittelbahnsteig. Die Haltestelle soll nach dem Jahr 2015 in Betrieb gehen, heißt es.
Statt der zwei Gleise in diesem Bereich sollen es später einmal sechs sein. Zwei sind für die S-Bahn vorgesehen, zwei für ICE, RE- und Güterzüge. Ein Gleis führt zum Rangierbahnhof. Das sechste fungiert auf einer Länge von 750 Meter als Ausweichgleis.

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