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Nach aufwändigen Sanierungsarbeiten im Innen- und Außenbereich präsentiert sich das Schmuckstück am Samstag der Öffentlichkeit. Die NZ hat sich vorab dort umgeschaut.
Die zwei gräflichen Brüder Friedrich und Ludwig zogen 1834 mit ihren Familien in das großzügige Gebäude mit seinen rund 70 Zimmern. Eigentlich war Karl Alexander, der dritte Bruder, das Oberhaupt, berichtet der Leiter des Stadtarchivs, Martin Schramm: „Er heiratete aber eine Bürgerliche und verlor damit alle Erbansprüche.“
Die zwei anderen Grafen übernahmen das Ruder. Hinter der Eingangstür aus Holz führen zwei Treppenaufgänge hinauf in jeweils einen Flügel. Auch wenn sich Friedrich und Ludwig den Eingang teilten, so hatte jede Familie ihren eigenen Bereich. Bettina Wiemer, Pressesprecherin des Stadtarchivs, sagt: „Die beiden haben quasi ein Doppelhausschloss gebaut, jeder bewohnte seinen eigenen Flügel.“
Der großzügige, hohe Festsaal ist eindeutig „der schönste Raum“, wie Stadtarchiv-Chef Martin Schramm sagt. Dieses prächtige Zimmer im Herzen der Anlage nutzten die Familien gemeinsam: „Es wird kolportiert, dass nach Streitereien einmal ein Kreidestrich durch den Festsaal gezogen wurde, damit jeder eine eigene Hälfte hat.“ Kinderreich ist das Grafengeschlecht zu Zeiten von Friedrich und Ludwig gewesen, doch die Zeiten änderten sich: Die Adelsfamilie hatte keinen Nachfolger mehr, 1968 kaufte die Stadt Fürth das Schloss samt Park.
Die Instandhaltung der Anlage ist auch für die Kleeblattstadt eine kostspielige Angelegenheit. Da kam das Konjunkturpaket II der Bundesregierung gerade recht. Für die energetische Sanierung gab der Bund knapp 1,3 Millionen Euro, 600000 Euro steuerte die Stadt hinzu. Das Dach wurde erneuert, die Fenster ausgetauscht, eine Pellet–Heizung eingebaut. Auch die Innenräume wurden umgestaltet: Im Festsaal zeigen neuerdings Originalbilder und Reproduktion die einstigen Schlossbewohner und Karl Franz von Pückler, den Stammvater der fränkischen Linie.
Die 70 Meter lange beeindruckende Front lässt auf ein prachtvolles Leben und Wohnen schließen. Doch Luxus ist für die Grafen von Pückler-Limpurg nicht unbedingt wichtig gewesen, wie Pressesprecherin Bettina Wiemer verrät: „Die Grafenfamilie hat darauf wenig Wert gelegt, man lebte relativ bescheiden.“ Der Rest der Familie hat diese Lebensweise nicht unbedingt goutiert: Der Landschaftsarchitekt Hermann Fürst von Pückler-Muskau soll nach einem Besuch im Jahr 1848 gelästert haben: „Ein schönes Schloss von außen, jedoch mit niedrigen kleinen Zimmern im Inneren gebaut.“
Wie also schaut das anspruchslose adlige Leben im 19. Jahrhundert aus? Diese Frage lässt sich nur bedingt beantworten, wie Martin Schramm vom Stadtarchiv bedauert: „Die Möbel, das Inventar, das ist alles leider verloren gegangen.“ Er hat aus der Not eine Tugend gemacht: Das so genannte Biedermeier–Zimmer zeigt bürgerliche Möbel aus der Zeit des beginnenden 19. Jahrhunderts.
Das Hab und Gut der Familie Pückler-Limpurg konnte nicht bewahrt werden, trotzdem sind im Schloss Burgfarrnbach Kostbarkeiten zu finden. Das Stadtarchiv lagert hier Urkunden, Verwaltungsakten, Tonaufnahmen, Pläne, und mehr – ebenso wie Firmen- und Vereinsarchive oder Nachlässe bedeutender Fürther wie die mächtige Bibliothek des Hegel-Forschers Hermann Glockner.
Die neuen Ausstellungsräume zeigen Exponate etwa zur Firma Quelle oder Besitztümer des früheren Bundeskanzlers Ludwig Erhard. Das wertvollste Stück ist das Bild „David und Abigail“ des venezianischen Malers Giovanni Battista Tiepolo. Nicht nur die Vergangenheit, auch die Gegenwart hat hier ihren Platz: Außen- und Innenräume werden für Feiern vermietet, im Festsaal können Brautpaare in einer wahrlich erhabenen Umgebung den Bund fürs Leben schließen.
Mit einer Sonderschau präsentiert sich das Schloss am Samstag, 14. Januar, der Öffentlichkeit: Vorträge und Führungen werden von 11 bis 16 Uhr geboten. Weitere Infos unter www.schloss-burgfarrnbach.de oder bei der Tourist-Information unter Tel. 0911/2395870.
