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Bisher brachten es die Sozialdemokraten bei ihren Aschermittwochsveranstaltungen im „Wolferstetter Keller“ zu Vilshofen auf maximal 600 Zuhörer, obwohl sie regelmäßig Bundesvorsitzende und Bundestagsfraktionsvorsitzende auffuhren. Da hatte es die CSU leicht, von ihrem „größten Stammtisch der Welt“ aus die rote Konkurrenz als „kleine Hinterzimmer-Veranstaltung“ abzutun. Freilich geriet die CSU-Parteiführung in den letzten Jahren in Flunker-Verdacht, wenn sie von 6000 Aschermittwochs-Besuchern oder gar mehr berichtete. Der Bayerische Rundfunk zählte 2011 jedenfalls etwa 3500 Gäste.
Das sind in etwa so viele wie die SPD dieses Jahr in ihrem extra aufgebauten Großzelt in Vilshofen unterbringen will. Das werde „bis auf den letzten Platz“ gefüllt sein, verspricht Parteisprecher Gregor Tschung. Warum sich die Zuhörerzahl gegenüber früheren Jahren versiebenfachen soll, ist klar: Es liegt am Münchener Oberbürgermeister Christian Ude, der nach der Landtagswahl 2013 Ministerpräsident werden will. Ude gilt als glänzender Redner.
Dagegen hätte die CSU mit ihrem immer gleichen Ritual womöglich den Kürzeren gezogen, doch der Zufall wollte es, dass auch die Christsozialen 2012 Besonderes zu bieten haben: Weil sich Parteichef Horst Seehofer als Interims-Staatsoberhaupt angeblich gehindert fühlt, locker vom Leder zu ziehen, hat er als zweiten Redner seinen Vor-Vorgänger Edmund Stoiber verpflichtet. Damit trifft er den Nerv der überwiegend älteren Aschermittwochs-Besucher, die den guten alten Zeiten nachweinen, als Franz Josef Strauß und sein Ziehsohn Stoiber in Passau Klartext redeten.
