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Trauer um die vier Toten des Hubschrauberabsturzes

Die Opfer waren für die Gesellschaft aktiv - 12.06.2012 08:04 Uhr

Alle Rot-Kreuz-Fahrzeuge im Nürnberger Land tragen Trauerflor.

Alle Rot-Kreuz-Fahrzeuge im Nürnberger Land tragen Trauerflor. © M. Scholz


Sie waren jung und engagierten sich für die Gesellschaft, beim Rettungsdienst, bei der Feuerwehr, als Krankenschwester oder als angehende Ärztin. „Die beiden Jungs waren Vollblutrotkreuzler“, sagte Rot-Kreuz-Kreisgeschäftsführer Gernot Jungbauer. So hatte der 29-Jährige von der Jugend an alle Stationen durchlaufen, bis hin zum Rettungsassistenten in Hersbruck.

Ähnlich der 26-jährige Pilot der Unglücksmaschine, eines Robinson R44 Leichthubschraubers. Er war Feuerwehrmann und Höhenrettungs-Spezialist bei der Berufsfeuerwehr Nürnberg. Nach der Ausbildung im Jahr 2008 kam der 26-Jährige zur Feuerwache 2 (Veilhofstraße). Dort galt der freundliche, zurückhaltende Beamte als zuverlässiger Kollege. Seit Spätherbst 2011 gehörte er der Höhenrettungsgruppe (HöRG) an. Die Pilotenlizenz für Hubschrauber soll er erst seit geraumer Zeit gehabt haben. Unbestätigten Berichten zufolge hatte der 26-Jährige bereits mehrfach Überführungsflüge mit Hubschraubern durchgeführt.

Auch die beiden Frauen haben einen Bezug zum Roten Kreuz. So war die 22-Jährige in der Vergangenheit ein Jahr Praktikantin in der Hersbrucker Wache gewesen; die 25-Jährige war früher ehrenamtlich bei der Bereitschaft in Röthenbach an der Pegnitz aktiv. Ist es ungewöhnlich oder Zufall, dass sich das Quartett über das Rote Kreuz kannte? „Nein, überhaupt nicht“, antwortete Jungbauer. Wer in der ehrenamtlichen Schiene groß wird und in die „Rotkreuzfamilie“ integriert ist, der sei gewöhnlich auch privat freundschaftlich verbunden. Das gehe oft über die Dienstzeit hinaus.

In der Hersbrucker Wache herrschte eine regelrechte Schockstarre, wobei natürlich die Rettungseinsätze wie immer gefahren werden. Um aber die Trauer auszudrücken und zu zeigen, sind alle Fahrzeuge mit einem schwarzen Trauerflor am linken Außenspiegel bestückt. Die Feuerwehr überlegte gestern ähnliches.

Schlechte Flugbedingungen

Feuerwehrleute beim Bergen der Reste der Unglücksmaschine: Die vier Toten waren ebenfalls bei der Feuerwehr oder beim Rettungsdienst aktiv.

Feuerwehrleute beim Bergen der Reste der Unglücksmaschine: Die vier Toten waren ebenfalls bei der Feuerwehr oder beim Rettungsdienst aktiv. © dpa


Wie konnte es zu dem Unglück kommen? Diese Frage klären Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig. Fest steht schon jetzt: Die Wolken über Teisendorf hingen am Samstagabend niedrig. Keine guten Flugbedingungen. Der sogenannte Spread, die Differenz zwischen Temperatur und Taupunkt, lag nach Angaben österreichischer Medien bei nur zwei Grad. Je kleiner dieser Wert, umso mehr Wolken bilden sich. „Das muss eigentlich jedem Piloten sagen, dass er sofort auf den Boden muss“, sagt ein erfahrener Flieger.

Um 17.07 Uhr am Samstagabend hatte sich der Pilot zum ersten Mal beim Tower des Salzburger Flughafens gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt verlief der Flug noch planmäßig. Sieben Minuten später dann ein weiterer Funkspruch, nur schlecht zu empfangen: „Der Pilot wollte offenkundig mitteilen, dass er eine Außenlandung vorhat“, erklärt Markus Pohanka, Sprecher von Austro Control, der österreichischen Flugsicherung. Daraufhin verschwand der Hubschrauber vom Radarschirm.

Ein Zwischenbericht zum Absturz soll bereits Anfang August erscheinen, er wird allerdings nur gesicherte Fakten und keine Schlussfolgerungen beinhalten. Bis zur Veröffentlichung eines Untersuchungsergebnisses können dagegen Jahre vergehen – siehe das Flugunglück in Lillinghof.

Eine öffentliche Trauer- und Gedenkfeier wird wohl stattfinden, wann, stand gestern noch nicht fest. Der Laufer Bürgermeister Benedikt Bisping wollte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern, weil dies eine reine Angelegenheit der Angehörigen sei. Auch dazu, ob Lauf Trauer flaggt oder erwägt, Veranstaltungen abzusagen, äußerte sich Bisping nicht. „Wir gehen damit sehr feinfühlig um, im engen Dialog mit den Angehörigen.“ 

Michael Scholz/Andreas Sichelstiel/Tilmann Grewe

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