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SPD und Grüne im mittelfränkischen Bezirkstag war es seit langem unrecht, dass die Kühe, Schweine, Schafe und Legehennen in den Lehranstalten, wo angehende Landwirte ihre Ausbildung absolvieren, nicht mit garantiert gentechnikfreiem Futter, vor allem Soja, versorgt werden.
Deshalb haben die beiden Fraktionen schon vor Monaten im Wirtschafts- und Umweltausschuss des Bezirkstages den Antrag gestellt, dass dort nur noch gentechnikfreie Futtermittel eingesetzt werden sollen. Begründung der SPD: Als Lehrbetrieb für die Region Mittelfranken müsse Triesdorf mit gutem Beispiel vorangehen, außerdem sei der Bezirk Partner der Kampagne „Original Regional“, die mit dem Prädikat „gentechnikfrei“ werbe.
Zunächst ging das Anliegen an den Fachbeirat der Lehranstalten. Der beschloss, dass die LLA verstärkt an einer eigenen Eiweißstrategie arbeiten, im übrigen aber weiter die Freiheit haben sollen, den Bezug von Futtermitteln eigenständig zu regeln. Dem schloss sich der Bezirksausschuss gegen die Stimmen von SPD und Grünen an.
Nachdem Grüne und SPD die Diskussion öffentlich machten, sprach gestern Bezirkstagspräsident Richard Bartsch (CSU) ein Machtwort. Um 8.30 Uhr hatte er den Leiter der Lehranstalten, Otto Körner, in sein Büro einbestellt und ihn angewiesen, dass die LLA nur noch gentechnikfreie Sojaprodukte in der Fütterung einsetzen, wenn die vorhandenen Futtermittel aufgebraucht sind. Die Mehrkosten tragen die LLA selbst. Außerdem werden die Lehranstalten beauftragt, die Entwicklung heimischer Eiweißpflanzen voranzutreiben. Und 2012 wird es eine öffentliche Expertenanhörung zum Thema geben.
Als Bartsch dies gestern im Bezirkstag verkündete, trauten SPD, Grüne, FW und Linke ihren Ohren nicht. Spontaner Beifall brandete auf. CSU-Fraktionschef Ernst Schuster blieb ungerührt, ihn hatte Bartsch vorher informiert. Grünen-Bezirksrat Klaus Hiemeyer wie auch Uwe Schildbach (Linke) gaben ihrer Freude über die Entscheidung Ausdruck, äußerten aber gleichzeitig ihr Unbehagen, weil sie nicht im demokratisch legitimierten Gremium des Bezirkstags getroffen wurde. Norbert Dünkel (CSU) dagegen wies darauf hin, dass die LLA eine Einrichtung des Bezirks sind — und Bartsch der Dienstvorgesetzte des LLA-Leiters.
