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Verhindert Verordnung neue Windkraft-Anlagen?

Zwischen 750.000 und einer Million Euro kostet ein kleines Umspannwerk - 30.07.2012 07:00 Uhr

Hohe Anschlusskosten könnten das Projekt für Windanlagen in Mittelfranken zerstören.

Hohe Anschlusskosten könnten das Projekt für Windanlagen in Mittelfranken zerstören. © dpa


Sie wollten Missverständnisse und Mythen zur Windkraft im Frankenland aus dem Weg räumen. Deshalb traten Alexander Nothaft von der N-Ergie Netz GmbH (NNG) und die Bürgermeister der Kommunalen Allianz Aurach-Zenn in Mausdorf vor die Presse, im ausgewiesenen Emskirchener Energiedorf (die NZ berichtete).

Allianz-Chef Helmut Weiß – gleichzeitig auch Bürgermeister aus Obernzenn – sagte, er werde „oft von Leuten angesprochen, die sagen: Die Windräder drehen sich nicht, weil das Netz den Strom nicht aufnimmt und die Windräder sogar abschaltet“. „Stimmt überhaupt nicht!“ stellten NNG-Mann Nothaft und Johannes Maibom von der Reuthwind GmbH klar: Das 20000-Volt-Netz, an das nicht nur die beiden Mausdorfer Windräder ihren Strom abgeben, sei bislang aufnahmefähig genug. Kein Windrad in Mittelfranken sei in der Vergangenheit in der Leistung begrenzt oder gar abgeschaltet worden, bekräftigten Netz- und Windbetreiber unisono.

Doch durch den „gigantischen Wind- und Solarausbau“ seien die 20000-Volt-Leitungen der NNG nun am Ende, so der Netzmanager. „35000 Anlagen haben wir inzwischen am Netz, im letzten Jahr wurden allein 7000 zugebaut“, sagte Nothaft. Zwar sei seine Netzfirma „gefordert, das Netz zu verstärken.“ Am Beispiel des Umspannwerks Langenzenn stellte er heraus: Das habe man in der Leistungsfähigkeit verdoppelt. Doch mehr als die bisherigen Millionenbeträge genehmige die Bundesnetzagentur der NNG nicht.

Künftige Windkraftwerke müssen daher am 110000-Volt-Netz angeschlossen werden, kündigte Alexander Nothaft an. Was für die Windplaner hohe zusätzliche Kosten bedeutet. Zwischen 750000 und einer Million Euro koste ein kleines Umspannwerk. Das hebt den von den Windrädern gelieferten Strom von der 20- auf die 110-Kilovolt-Spannungsebene.

Auf den kleinen Windflächen in Franken fänden oft nur zwei oder drei Windräder Platz – ein Umspannwerk rentiert sich aber erst ab etwa zehn Anlagen. Die Mehrkosten seien laut Maibom „der Tod neuer Projekte“: Die Rendite von etwa fünf Prozent im Binnenland würde damit mehr als aufgefressen, „viele der neu ausgewiesenen Vorrangflächen rechnen sich dann nicht“.

„Wir hätten gerne weitere Umspannwerke selbst gebaut, würden gerne mehr tun an den Netzen. Doch die Bundesnetzagentur lässt uns nicht die Luft zum Atmen“, schlug sich Nothaft auf die Seite der Windplaner. Die wiederum bestätigten: „Die NNG war in der Vergangenheit immer ein fairer Partner.“ Weshalb der Emskirchner Bürgermeister Harald Kempe „diese politischen Entscheidungen kontraproduktiv“ nannte.

„Pauschal kann man nicht sagen, die Bundesnetzagentur (BNA) zahlt nicht“, wehrt sich eine Sprecherin der für die Netzaufsicht zuständigen Bundesbehörde. Die N-Ergie habe einen Antrag stellen können, ob es für die Maßnahme das Geld gibt. „Das haben wir natürlich getan“ – aber nur mit Teilerfolg, sagte eine N-Ergie-Sprecherin.

An der teilweisen Abfuhr ist vermutlich der „Erweiterungsfaktor“ Schuld, nach dem die Behörde prüft. Der wird berechnet, wie es der Paragraf 10 der Anreizregulierungsverordnung vorgibt. Die Anreizregulierungsverordnung der Bundesregierung gibt der BNA vor, welche Kosten für Netzerweiterungen sie den Netzbetreibern zugestehen darf. „Deshalb muss das mit der Politik diskutiert werden“, zeigte auch die BNA-Sprecherin auf den Gesetzgeber.

  

Heinz Wraneschitz

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