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Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Die intelligent- witzigen Mundartgedichte kommen an. Immer. Fitzgerald Kusz ist ein Entertainer der Meisterklasse. Auch die bluesigen Begleitrhythmen des Nürnberger Gitarristen Klaus Brandl sorgen an diesem Abend für Esprit und Entspannung. Das Publikum genießt den Auftritt, amüsiert sich, klatscht Beifall. Fast so, als handle es sich um ein ganz normales Konzert.
Das aber ist die Veranstaltung in der Gräfenberger Frankonia-Halle bei weitem nicht. Der Anlass ist ein trauriger: Die Attacke auf den langjährigen Sprecher des Gräfenberger Bürgerforums und Vorsitzenden der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion, Michael Helmbrecht, hat die Frauen und Männer zusammengeführt, sie zeigen Gemeinsinn, Solidarität. Die Künstler, die auf ihre Gage verzichten, setzen ebenfalls ein Zeichen.
Es sei klar, dass man sich gegen Neonazis engagieren muss, meint Erfolgsautor Kusz im NZ-Gespräch. „Wir wollen das Bürgerforum unterstützen“. Dass ihn der Einsatz gegen Rechtsextremismus gerade ins oberfränkische Gräfenberg führt, hat für den Schriftsteller noch eine persönliche Note: „Als Kind bin ich oft in dem Ort gewesen“, erzählt er. Seine Mutter habe hier eine Freundin besucht. Außerdem sei Kusz, der im nahen Forth (Kreis Erlangen-Höchstadt) aufgewachsen ist, häufig mit der Gräfenberg-Bahn gefahren – und kennt die Region daher seit langem. Wenn er nun in der Frankonia-Halle auf der Bühne steht, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren, sei das etwas Besonderes.
Das findet auch sein Kompagnon. „Wir wollen Farbe bekennen und uns gegen Neonazis aussprechen“, sagt Klaus Brandl. Bei der Frage, ob er mitmachen will, habe er nicht gezögert: „Das Engagement gegen Rechtsextremismus liegt uns am Herzen“, betont der Musiker. Vor diesem Hintergrund bereite ihm der Gig gleich noch mehr Freude – was dem umjubelten Auftritt auch deutlich anzumerken ist.
Sichtlich Spaß hat auch Bürgermeister Werner Wolf (Freie Wähler). „Das große Interesse zeigt, dass die Sympathie mit uns noch vorhanden ist“, sagt er zur NZ. Zwar sind die Zeiten, in denen rechtsradikale Kameradschaften und NPD-Funktionäre durch die Straßen seiner Stadt zogen, vorbei – doch so ganz will der Rathauschef dem Frieden nicht trauen. Es sei nicht verwunderlich, wenn bei den Ermittlungen rund um die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) weitere Verbindungen nach Franken ans Tageslicht kämen. „Und vielleicht“, meint er nachdenklich, „können wir das Engagement eines jeden Einzelnen verstärkt brauchen“.
Schon jetzt haben Opfer vermutlich rechtsradikaler Übergriffe Unterstützung bitter nötig. Wie mehrfach berichtet, hatten Unbekannte kurz vor Silvester Helmbrechts Auto völlig demoliert. „Sie sind darauf spezialisiert, uns Furcht einzujagen“, sagt der 53-Jährige. Man müsse sich der eigenen Angst stellen. Das aber sei nur in der Gemeinschaft möglich: „Wenn wir uns zusammenschließen, können uns die Neonazis nichts anhaben.“ Am Sonntag haben sich in Gräfenberg deshalb viele Menschen zusammengefunden. Ein sorgloses Leben ist für Helmbrecht und seine Mitbewohner dennoch unmöglich: Der Besuch des Benefizabends war mit erheblichen Bedenken verbunden – immerhin stand das Anwesen mehrere Stunden lang ohne jede Beaufsichtigung. Ein leichtes Ziel für mögliche Anschläge.
