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Zwei Flughäfen in unterschiedlichen Ligen

Ausbau in München soll Nürnberg nicht schaden, erklären die Befürworter - 16.06.2012 10:00 Uhr

Protest vor der Staatskanzlei: Gerade in Erding oder Freising sind viele Bürger gegen eine dritte Startbahn – sie dürfen aber darüber nicht abstimmen.

Protest vor der Staatskanzlei: Gerade in Erding oder Freising sind viele Bürger gegen eine dritte Startbahn – sie dürfen aber darüber nicht abstimmen. © dpa


Rund 1032000 Stimmberechtigte sind am Sonntag in München zur Abstimmung aufgerufen. Entscheidend für einen Sieg von Befürwortern oder Gegnern ist die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen — wobei diese Mehrheit mindestens zehn Prozent der Stimmberechtigten betragen muss.

Zeil verwies darauf, dass sich die Zahl der Flugbewegungen seit der Eröffnung des Flughafens vor 20 Jahren mehr als verdoppelt habe. „Der Flughafen München ist eine ganz außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Man hat vor 20 Jahren nicht in den kühnsten Träumen daran gedacht, dass dieser sich so gut entwickeln würde.“

Jetzt aber sei die Kapazität der bestehenden zwei Startbahnen ausgeschöpft – und dabei werde mit einer weiter stark steigenden Zahl der Flugbewegungen gerechnet. Die dritte Startbahn sei deshalb zwingend nötig – vor allem auch dann, wenn der Flughafen seine Position als internationales Drehkreuz halten und ausbauen wolle. Zudem spielten gute Flugverbindungen in alle Welt bei der Ansiedlung ausländischer Firmen in der Region eine zentrale Rolle.

Grüne sehen keinen Bedarf

Janecek warb dagegen vehement für einen Stopp des Projekts. „Wir sehen schlichtweg keinen Bedarf für eine dritte Startbahn.“ Die Prognosen, die für die kommenden Jahre ein starkes Wachstum voraussagten, seien völlig unglaubwürdig. „Zu dem prognostizierten ungebremsten Wachstum wird es nicht kommen – und ich halte diese Idee des ungebremsten Wachstums auch für von gestern“, sagte Janecek.

„Auf der anderen Seite aber sehen wir die Belastungen, die der Flughafen für die Region schon heute mit sich bringt. Und wir sehen die Fragen des Klima- und Umweltschutzes. Und wenn man das alles zusammennimmt, dann sagen wir, dass die zwei Startbahnen ausreichen und dass wir damit auch in Zukunft gut wirtschaften können“, erklärte er. Die direkt betroffenen Bürger in den Landkreisen und Freising und Erding können nicht über die dritte Startbahn mitentscheiden.

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Der Flughafen Nürnberg kann nach Auffassung der bayerischen Wirtschaft den Münchner Airport nicht entlasten, so dass der umstrittene Bau einer weiteren Start- und Landebahn überflüssig werden könnte. Vorschläge, Flüge nach Nürnberg zu verlagern, nannte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt, „lächerlich“. Jeder, der in München zu tun habe, werde bis und ab München fliegen, so Brossardt.

Der Nürnberger Flughafen habe seine Bedeutung, aber von München aus könne man eben „überall hinfliegen“, meinte Brossardt. Daher sollten auch die Nürnberger für den Ausbau des Luftverkehrskreuzes München „dankbar“ sein.

Der Münchner Airport spiele „in einer anderen Liga“ als Nürnberg, sagte der Chef der Flughafen München GmbH (FMG) Michael Kerkloh. Wenn es gelänge, einzelne Fluggesellschaften durch „gutes Zureden, Zwang und Geld“ zum Umzug nach Nürnberg zu bewegen, stünde Nürnberg vor der Frage des Ausbaus.

Er habe aber „große Zweifel“, ob eine Airline Flüge von München nach Nürnberg „ohne finanzielle Unterstützung“ verlagern würde. Nürnberg sei als „starker Regionalflughafen“ in Bayern „völlig unverzichtbar“, sagte der bayerische Kultusminister und Münchner CSU-Vorsitzende Ludwig Spaenle, der zusammen mit dem Münchner SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann für Zustimmung beim Bürgerbegehren am kommenden Sonntag für den Bau einer dritten Startbahn in München warb.

Was dem Nürnberger Airport helfen könnte

Bayerns Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel rechnet mit einer „knappen Zustimmung“ für den Bau der dritten Start- und Landebahn. „Wir brauchen den Münchner Flughafen als Bayerns Tor zur Welt“, erklärte die Nürnberger FDP-Politikerin im NZ-Gespräch. Der Nürnberger Flughafen habe zwar durch seine Lage zwischen den Flughäfen München und Frankfurt „ein Problem“; doch die großen internationalen Flugrouten werde man ohnehin nicht nach Nürnberg holen können. „Deshalb hat der Nürnberger Flughafen durch eine dritte Startbahn in München keine weiteren Schwierigkeiten zu denen, die er schon hat.“ Kein Flug mehr werde in Nürnberg landen, wenn die Startbahn nicht gebaut werden sollte.

Gerade läuft die Ausschreibung für ein Entwicklungskonzept für den Nürnberger Flughafen. Wichtig sei hierbei die bessere Verankerung des Flughafens in der Region, etwa in den Angeboten des Tourismusverbandes Franken. Außerdem müssten die Verbindungen von und nach Nürnberg besser mit den großen Drehkreuzflughäfen abgestimmt werden.

Mögliche neue Flugziele liegen für Hessel in Osteuropa. Diese müssten nicht von deutschen Fluglinien bedient werden. Eine weitere Möglichkeit zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit des Nürnberger Flughafens wäre zudem der Ausbau des „Non-Aviation“-Bereichs, also etwa des Einkaufsangebots. „Wenn wir uns hier das Angebot des Nürnberger Flughafens im Vergleich zu dem an anderen Flughäfen ansehen, dann wissen wir, dass das noch ausbaufähig wäre.“ 

dpa/So/rm

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