So schwach, wie sich die Profis des 1.FC Nürnberg bei der 0:1 (0:1)-Niederlage in der AWD-Arena lange Zeit präsentierten, dürfte Hecking beim Bäcker aber sogar einen Mitleidskrapfen erwarten.
Wie sich bereits am Freitag im Abschlusstraining angedeutet hatte, verordnete Hecking, der seine Elf wieder im neu einstudierten 4-4-2-System antreten ließ, Tomas Pekhart eine schöpferische Pause. Für den formschwachen Tschechen stürmte diesmal Alexander Esswein an der Seite von Christian Eigler. Auf der rechten Abwehrseite kehrte wie angekündigt der zuletzt Gelb-gesperrte Markus Feulner zurück. Jens Hegeler übernahm dafür wieder die linke Mittelfeldseite.
Die Niedersachsen, die seit acht Partien auf einen Sieg warten und mit zuletzt fünf Unentschieden als Remis-Könige der Liga gelten, begannen bei frostigen Temperaturen gegen verhalten agierende Gäste druckvoll und erspielten sich bald erste Chancen.
Nach einer Ecke bugsierte Mohammed Abdellaoue den Ball aus vier Metern über das Nürnberger Tor, wobei sein Schuss wohl noch von Timmy Simons abgefälscht worden war. In der zehnten Minute musste sich dann Club-Keeper Raphael Schäfer gehörig strecken, um einen tückischen Distanzschuss von Sergio Pinto gerade noch um den Pfosten zu lenken (10.).
Nach 18 Minuten war der Schlussmann dann aber machtlos, weil Neuzugang Adam Hlousek Lars Stindl auf links völlig ungestört flanken ließ und in der Mitte die beiden Innenverteidiger Philipp Wollscheid und Dominic Maroh den flinken Abdellaoue entwischen ließen. Der Norweger brauchte für sein zehntes Saisontor aus fünf Metern nur noch das Füßchen hinzuhalten – eine keineswegs unverdiente Führung für die wesentlich aktiveren Sechsundneunziger.
Der Club ließ trotz des gelungenen Rückrundenauftakts gegen Hertha BSC Berlin (2:0) jegliches Selbstvertrauen vermissen und zelebrierte vor 35400 Zuschauern ein wahres Fehlpass-Festival.
Die vielen hoch nach vorne geschlagenen Bälle fanden nur selten einen Abnehmer, Nationalkeeper Ron-Robert Zieler wurde von den harm- und konzeptlosen Franken kein einziges Mal ernsthaft geprüft. Mehr beschäftigt war da schon sein Gegenüber Schäfer, der kurz vor der Pause gegen Jan Schlaudraff per Fußabwehr das 0:2 verhinderte (42.).
Zur Pause hatte Hecking genug vom Versteckspiel seiner Mannschaft und schickte an Stelle von Almog Cohen mit Pekhart einen weiteren Stürmer aufs Feld. Der Club ging nun beherzter zu Werke und konnte sich offensiv ein bisschen besser in Szene setzen. Erst strich Eiglers kerniger Schuss am Tor vorbei (53.), dann scheiterte Pekhart nach Flanke von Feulner per Kopf an Zieler (55.). Letztlich blieben die Bemühungen aber zu zaghaft, um die weiße Weste des zu Hause in dieser Saison noch ungeschlagenen Europa-League-Teilnehmers beflecken zu können.
Allerdings haderte der Club mit Referee Marco Fritz, der eine Tätlichkeit im Strafraum von Emanuel Pogatetz an Wollscheid übersehen hatte. Kurz vor Schluss verhinderte dann auch noch Daniel Didavi unfreiwillig den Ausgleich, als er nach Freistoß von Hlousek einen Hegeler-Schuss am Tor vorbeilenkte (87.).
Mit dieser ersten Niederlage in der Rückrunde ist das kurze Nürnberger Zwischenhoch mit zwei Siegen in Folge auch schon wieder beendet. Und der Club wird sich erheblich steigern müssen, wenn er nächsten Freitag im Heimspiel gegen Meister Dortmund bestehen will.
Hannover: Zieler – Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Pander – Schmiedebach, Pinto (90.+1 Chahed) – Stindl, Rausch – Schlaudraff (83. Stoppelkamp), Abdellaoue (87. Sobiech) / Nürnberg: Schäfer – Feulner, Maroh, Wollscheid, Hlousek – Didavi, Simons, Cohen (46. Pekhart), Hegeler – Eigler (73. Bunjaku), Esswein (82. Frantz) / SR: Fritz (Korb) / Tor: 1:0 Abdellaoue (18.) / Zuschauer: 35400 / Gelbe Karten: Abdellaoue (2), Schlaudraff (2), Pinto (8) – Wollscheid (3), Eigler (3).

Do. 23.02.12
Mi. 22.02.12
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