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Nirgendwo hat der Club mehr Gegentore kassiert – seit Sonntag sind es 71. In 30 gemeinsamen Erstliga-Jahren verlor der fränkische Altmeister 21-mal beim HSV, demgegenüber stehen bei fünf Remis lediglich vier Siege.
Dabei wäre es selten so einfach gewesen wie diesmal, die negative Bilanz ein wenig aufzuhellen. Denn die nunmehr seit sieben Spielen ungeschlagenen Gastgeber präsentierten sich keineswegs als übermächtiger Gegner, sondern wären bei konsequenter Chancenverwertung durchaus zu knacken gewesen.
Vor allem vor der Pause erarbeitete sich die Elf von Trainer Dieter Hecking einige hochkarätige Möglichkeiten, scheiterte im Abschluss aber teilweise kläglich. „Bei allem Aufwand fehlt die Effektivität. Wir haben ein gutes Auswärtsspiel gemacht, uns aber nicht belohnt“, monierte der Club-Coach.
Sein Kollege Thorsten Fink, unter dessen Regie die Hamburger weiterhin ungeschlagen sind, formulierte indes den Umkehrschluss: „Mit der Leistung meiner Elf bin ich überhaupt nicht zufrieden. Aber sie hat bewiesen, dass sie effektiv sein kann.“ Guerreros Warnschuss ging an den Außenpfosten
Danach sah es vor nur 45473 Zuschauern – Minuskulisse in dieser Saison – zunächst allerdings nicht aus. Die erste Großchance des Spiels vergaben die Hanseaten, als der agile Paolo Guerrero den Ball nach einer Rechtsflanke des Ex-Nürnbergers Dennis Diekmeier an den Außenpfosten drosch (11.).
Danach war von den Norddeutschen aber lange Zeit wenig zu sehen. Der Club spielte couragiert, zielstrebig, ging energisch in die Zweikämpfe und war phasenweise tonangebend. Nur das Runde wollte partout nichts ins Eckige.
Daniel Didavi versuchte es nach einer Ecke per Kopf aus wenigen Metern, scheiterte aber am aufmerksamen HSV-Torwart Jaroslav Drobny (17.). Wenig später schoss die Stuttgarter Leihgabe nach Vorarbeit des ständig für Unruhe sorgenden Alexander Esswein knapp daneben (20.). Dann versuchte es Tomas Pekhart nach Vorlage von Esswein per Kopfball, doch Drobny konnte erneut parieren (22.).
Im Gegenzug demonstrierten die Platzherren dann, war Fink hinterher mit Effektivität meinte: Drobnys weiter Abschlag landete beim Guerrero, der sich mit Haken und Ösen gegen Club-Oldie Timmy Simons durchsetzte und aus wenigen Metern zum 1:0 einschoss (23.). Die Nürnberger reklamierten Stürmerfoul, denn der Peruaner hatte den Belgier im Kampf um den Ball ein wenig mit den Armen weggedrückt, doch Schiedsrichter Thorsten Kienhöfer ließ sich von den Protesten nicht erweichen.
Pekart wiederum verkörperte in der 37. Minute das, was Hecking hinterher mit fehlender Effektivität umschrieb: Da traf der Tscheche, wiederum nach Flanke von Esswein, per Kopf nur die Querlatte. Nicht seine einzige Begegnung mit dem Torgebälk an diesem Tag: In der 58. Minute köpfte Pekhart an den linken Pfosten.
Mit der Führung im Rücken gewann das HSV-Spiel nach der Pause an Sicherheit, ohne dass sich die Fink-Schützlinge groß verausgaben mussten. Ähnlich wie beim ersten Tor fiel auch das 2:0 fast wie aus heiterem Himmel. Der kurz zuvor eingewechselte Ex-Fürther Ivo Ilicevic brachte Gökan Töre in Stellung, der den Ball zu Marcell Jansen spitzelte und damit die gesamte Club-Abwehr aushebelte. Der Ex-Nationalspieler hatte freie Bahn und schob den Ball abgeklärt aus zwölf Metern ins Tor (63.). Mehr mussten die Hamburger in der Offensive gar nicht leisten, sie kamen ansonsten kaum noch in Tornähe.
Mit dem 2:0 war die Partie entschieden, auch wenn die Nürnberger nicht aufsteckten und in der Schlussphase durch Esswein zwei passable Konterchancen besaßen (68., 87.). Mehr und mehr schwanden nun aber die Konzentration und der Glaube an die Wende, auch ließen die Kräfte nach.
Nach der fünften Auswärtsniederlage in Serie bleibt der Club zwar auf Rang 15, die Distanz zum Relegationsplatz ist allerdings auf einen Punkt zusammengeschmolzen. Um nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern zu müssen, sollte im letzten Bundesliga-Heimspiel des Jahres am Samstag gegen 1899 Hoffenheim unbedingt ein Sieg her.
Hamburg: Drobny – Diekmeier, Bruma (46. Mancienne, 76. Tesche), Westermann, Aogo – Rincon, Kacar – Töre, Jansen – Son (61. Ilicevic), Guerrero / Nürnberg: Schäfer – Chandler, Maroh, Wollscheid, Plattenhardt – Simons (76. Feulner) – Eigler (61. Mak), Hegeler (85. Cohen), Didavi, Esswein – Pekhart / SR: Kinhöfer (Herne) / Tore: 1:0 Guerrero (23.), 2:0 Jansen (62.) / Zuschauer: 45473 / Gelbe Karten: Diekmeier (2), Bruma, Mancienne (4) – Chandler (2).

Do. 24.05.12
Do. 24.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12