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NZ: Herr Bergemann, wie haben Sie die WM erlebt, zum einen aus deutscher Sicht, zum anderen allgemein?
Frank Bergemann: Die WM scheint sehr, sehr gut organisiert zu sein, und es waren bis jetzt sehr spannende und enge Spiele. Es war aus meiner Sicht sehr positiv, dass das K.o.-System sehr früh begonnen hat, damit das Ganze einfach ein bisschen flüssiger wird. Aus deutscher Sicht war es Werbung für den Handball. So ein Umbruch einer Mannschaft ist immer schwierig. Es hat sich aber gezeigt, dass diese Mannschaft extrem zueinander gefunden und sich sehr hungrig präsentiert hat, auch als sehr geschlossene Einheit. Wenn man das Verhalten auf der Bank gesehen hat, das Verhalten zwischen Trainer und Mannschaft, dann ist das sehr leistungsorientiert und positiv gewesen.
NZ: Hat Steffen Weinhold, der ja einen sehr positiven Eindruck hinterlassen hat, eigentlich in Erlangen bei Ihnen trainiert?
Bergemann: Nein. Steffen Weinhold war im Prinzip mitbeteiligt bei den Vorgesprächen, dass ich den Schritt gemacht habe. Aber er hat sich dann doch entschlossen zu gehen.
NZ: Es mag vielleicht hochgestochen klingen – aber das Abwehrspiel, das den HCE auszeichnet, war während der WM bei vielen Mannschaften zu sehen: aktive Verteidigung, die auf Balleroberung und nicht nur auf Zerstören des gegnerischen Spiels aus ist und dann auf schnelle Gegenstöße setzt...
Bergemann: Das ist moderner Handball! Und modernen Handball zeichnet ja aus, dass man der Abwehr eine entsprechende Wertigkeit gibt. Abwehr ist ja nicht nur Toreverhindern, sondern der Angriff beginnt in der Abwehr! Viele, die in ihrer Denke noch vom Großfeld kommen (lacht) oder von anderen Situationen, haben natürlich auch noch ein anderes Spiel im Kopf. Wenn ich mir ein Derby in Erlangen jetzt und vor 15 Jahren anschauen würde, dann war das damals ja Zeitlupe! Das Spiel ist viel athletischer und viel, viel schneller geworden! Deswegen steht momentan auch das Entscheidungsverhalten von Spielern im Mittelpunkt...
NZ: Was meinen Sie damit?
Bergemann: Dass Spieler Situationen, die sie ja auch durch ihr Spiel versuchen heraufzubeschwören, dann entsprechend interpretieren können und die richtige Lösung für die entstehende Situation finden.
NZ: Sie sehen die Spiele bei der WM auch anders als der normale Handballfan – hat es bei diesem Turnier für Sie etwas Neues gegeben?
Bergemann: Bei einer WM kann es selten viel Neues geben, denn die Mannschaften werden ja immer wieder aus ihren Vereinsphilosophien herausgerissen. Früher war eine Nationalmannschaft eine gewachsene Einheit, alle haben in der gleichen Liga gespielt, und jetzt vermischt sich da vieles. Ich finde aber, dass sich die Wertigkeit des Kreisläuferspiels extrem nach vorne entwickelt hat. Dann auch die angesprochene Abwehrbetontheit, dass man viel mehr Wert auf die bewegliche Deckung mit Balleroberung legt.
NZ: Was ebenfalls aufgefallen ist, dass allenthalben flexiblere Rückraumspieler zu sehen sind...
Bergemann: Definitiv! Es wird nicht mehr so viel mit reinen Werfern gearbeitet, sondern sehr viel mehr mit spielstarken Rückraumspielern, auch mal mit zwei Mittelleuten, die im Rückraum agieren.
Di. 11.06.13
Di. 11.06.13
Mo. 10.06.13
Mo. 10.06.13
So. 09.06.13