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Wenn Pinola früher in die Zweikämpfe rumpelte, war er meist der Gewinner. Der Ball blieb mit einer Selbstverständlichkeit an ihm kleben, dass es sich nicht gelohnt hätte, auf seinen Gegenspieler zu wetten. An besonders guten Tagen verwertete Pinola den Ballgewinn dann auch selbst und trumpfte als Antreiber auf.
Doch mittlerweile sind so gut wie alle Bälle verloren, wenn er die Mittellinie überquert. Von seinen harmlosen Flanken aus dem Halbfeld und seinen Schüssen, die höchstens die Kleingartenkolonie hinter dem Stadion in Angst und Schrecken versetzen, ganz zu schweigen.
Pinola findet in der Offensiv kaum noch statt. Muss er auch nicht. Zu messen ist er als Linksverteidiger an seinen Defensivfähigkeiten. Doch auch da hat er abgebaut. Gegen Mainz musste er sich vom listigen Nico Müller vorführen lassen, als ihm dieser den Ball durch die Beine spielte. Nicht nur für einen Profifußballer ist dies die höchste Strafe. Früher hätte Pinola die Verfolgung aufgenommen und den aufmüpfigen „Tunnler“ von den Beinen geholt. Doch Pinola hatte seine Emotionen scheinbar so sehr in sich vergraben, dass er Müller nicht ernsthaft zur Strecke bringen wollte.
Wenige Tage zuvor war sein Sinn für Rustikales noch ausgeprägter. Club-Trainer Dieter Hecking musste ihn im Training zur Räson rufen. „Er hat einfach zu viele Fouls gemacht. Da habe ich bei ihm ein wenig die Aggressivität rausgenommen.“ Gegen Mainz war schließlich kaum mehr etwas davon übrig. „Ich hatte nicht das richtige Vertrauen, um in die Zweikämpfe zu gehen“, sagte Pinola und suchte eine Mitschuld auch bei den Schiedsrichtern: „Sie geben mir immer sehr schnell die Gelbe Karte. Sie haben keine klare Linie.“
Pinola kann wesentlich mehr leisten. Nicht zu unrecht gehört er zu den Top-Verdienern im Team. Auch diesen Status hat er sich verdient. Erst vor kurzem feierte der 28-Jährige seinen 200.Pflichtspieleinsatz für den Club. Doch der Konkurrenzdruck auf seiner Position ist nicht der Größte. Der 19-jährige Junioren-Nationalspieler Marvin Plattenhardt scheint ihm nur so nahe kommen zu können, wie ein Tandemfahrer seinem Vordermann. „Marvin kann sicher mehr. Momentan stoppt ihn eine Wadenverletzung“, meinte Hecking.
Vielleicht fehlt Pinola auch deshalb die Konzentration. Sein Spiel ist in allen Bereichen störungsanfällig. Bei einfachen Zuspielen benötigt er zu viel Zeit, ehe er sich wieder vom Ball trennt. Und in Drucksituationen fehlt ihm oft die Ruhe. Er verliert erst den Überblick und dann den Ball. „Ich habe nicht so viele Bälle bekommen und auch nicht viele verloren“, verteidigte sich Pinola nach dem Mainz-Spiel. Der Argentinier hatte seine eigene Sichtweise: „Ich habe meine Leistung in der Defensive gebracht. Ich kann richtig zufrieden sein.“
Doch selbst sein Trainer gab zu erkennen, dass er mehr von Pinola erwartet. „Dass er Probleme hat, sieht man. Man merkt ihm das fehlende Selbstvertrauen an“, sagte Hecking. Am Ende kam Pinola auch ein wenig ins Grübeln: „Vielleicht muss ich mir das Spiel noch einmal anschauen.“ Vielleicht fällt ihm dabei auch ein Video aus der Pokalsieger-Saison 2007 in die Hände und er erinnert sich, warum die Fans regelmäßig seinen Namen riefen.

Do. 24.05.12
Do. 24.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12