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Sie mühten sich redlich, standen sich manchmal ein bisschen selbst im Weg und übernahmen im Grunde aber nicht mehr als die Rolle des Kindes vor dem Spielzeugladen. Mit plattgedrückter Nase recht nah dran, aber eben nur an der Scheibe. Und so doch niemals dazu in der Lage, das begehrte Objekt greifen zu können.
Mit einem Sieg für die Nürnberger über den Mitteldeutschen BC aus Weißenfels verhielt es sich ähnlich. In der Halle am Berliner Platz spielten die fränkischen Korbjäger über weite Strecken gut mit, zu mehr reichte es aber nicht gegen den großen Favoriten, der immer den einen Tick schneller, wacher und aggressiver agierte.
Vom Anpfiff weg übernahmen die Gäste die Führung und gaben sie über die gesamten 40 Minuten Spielzeit nur noch ein einziges Mal aus den Händen, als Nürnberg zum 17:17 ausgleichen konnte. Die Grundlagen für den Erfolg des MBC bildeten das variable Spiel, die mannschaftliche Ausgeglichenheit und die größere Cleverness.
Immer dann, wenn die Nürnberger drauf und dran waren, bedrohlich nahe zu kommen, wussten die Gegner eine Antwort. Zwei legale Mittel, um den NBC zu stoppen, erfreuten sich dabei besonderer Beliebtheit: Taktikwechsel oder Auszeit. So schob sich der NBC zwar an den MBC heran, aber eben nie nahe genug. Entnervend für die Nürnberger, aber auch ein Zeichen des Respekts, den die Weißenfelser vor den Gastgebern hatten.
Schwacher Start rächte sich bis zum Schluss
Dadurch rächte sich die Anfangsphase des Spiels, in der „wir ein bisschen Angst hatten“, wie Nürnbergs Coach Derrick Taylor hinterher einräumte. Zu viele Ballverluste, Lücken in der Deckung, alles Schwachstellen, die vom Gegner ohne zu zögern ausgenutzt wurden. Nürnberg fehlte es ein wenig an der Entschlossenheit – zumindest eben über die volle Distanz. „Du musst 40 Minuten Druck machen, das ist der Weg“, blickte Taylor nicht niedergeschlagen, aber etwas ärgerlich auf das Spiel zurück.
Besagten Druck übte der MBC immer dann aus, wenn Nürnberg sich in die Partie festzuspielen schien. Dann griff Gäste-Trainer Silvano Poropat zu einem seiner beiden „Lösungsmittel“. Entweder stellte er von Zonen- auf Pressdeckung um und spielte damit praktisch Eins-gegen-Eins, oder er nahm eine der zwei in der ersten und drei in der zweiten Hälfte zur Verfügung stehenden Auszeiten in Anspruch. Das Resultat war stets erreicht: Nürnberg verlor postwendend wieder den Faden. Gerade mit der Pressdeckung wussten die Franken wenig anzufangen, leisteten sich in der Bedrängnis immer wieder Ballverluste und Abspielfehler. „19 Turnovers sind einfach zu viel“, rechnete Taylor vor. Dem Gegner unterliefen übrigens nur neun.
Freilich war längst nicht alles schlecht gegen einen Tabellenführer, der nun zehn seiner elf Spiele in dieser Saison gewinnen konnte. Eine Mannschaft, die einfach über die größere Qualität verfügte und in Steve Wachalski (14 Punkte) einen sicheren Schützen auf ihrer Seite hatte sowie zwischendurch mit einem 13:0-Lauf davonzog. Der MBC fuhr den siebten Erfolg in Serie ein und verhinderte damit Nürnbergs vierten nacheinander. „Es war kein schwarzer Tag“, analysierte Taylor, „es war auch eine Chance für mein Team zu lernen.“
Zum Beispiel, wie man einem Kontrahenten die Geschwindigkeit des Spiels diktiert. Je mehr sich die Partie dem Ende entgegenneigte, desto mehr drehte der MBC das Tempo runter. Anstatt sich selbst zu verausgaben, ließen die Gäste nun die Uhr laufen. Nürnberg machte das mit, ließ sich einlullen, versuchte nicht, noch mal anzuziehen.
„Wir haben Nürnberg sehr hoch eingeschätzt“, drückte Poropat seine Achtung für die Gastgeber aus, „für mich sind sie ein Top-Vier- oder Top-Fünf-Team in der Liga.“ Taylor vernahm diese Worte ohne Regung. Doch vielleicht hat er insgeheim ein bisschen in sich hinein gelächelt. Eine Platzierung unter den ersten vier oder fünf Mannschaften in der Tabelle zum Vorrundenende würde mit großer Wahrscheinlichkeit bedeuten, dem MBC in den Play-offs nicht gleich in der ersten Runde begegnen zu müssen. Das ließe sich sicher gut verschmerzen.
NBC: DeMichael 20, Abercrombie 11, Okoye 11, Barth 7, Harris 6, Reile 3, Adler 2, Chavis 2.
Spielverlauf: 0:3, 4:8, 7:11, 10:15, 12:17, 17:17, 17:19 – 17:30, 19:33, 21:36, 25:37, 31:39 – 36:39, 40:46, 46:48, 48:53, 50:57, 51:59 – 52:62, 56:65, 58:71, 60:72, 62:77.