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Nürnbergs Defensivstratege fühlt sich endlich fit - 03.08.2012 19:20 Uhr

Der „Aggressive Leader“ in Aktion: Beim 5:0 gegen Sivasspor fegte Hanno Balitsch beherzt dazwischen.

Der „Aggressive Leader“ in Aktion: Beim 5:0 gegen Sivasspor fegte Hanno Balitsch beherzt dazwischen. © Sportfoto Zink


Aktuell fühlt er sich nach einer schier epischen Vorbereitungsphase in ausgezeichneter Verfassung. Kleinere Blessuren, die im Arbeitsalltag eines Profis so normal sind wie Autogramme schreiben, nimmt er lächelnd in Kauf. Ginge es nach dem 31-jährigen Mittelfeldspieler, hätte das Schweißvergießen ein abruptes Ende. „Es ist schwer, jeden Tag konzentriert zu arbeiten, wenn man kein nahes, konkretes Ziel vor Augen hat, sondern nur Etappenziele. Der Weg bis zum ersten Spieltag ist noch sehr lang“, stöhnt Balitsch am Rande des Trainingslagers in Längenfeld, wo sich das Team bis heute intensiv auf den Saisonstart vorbereitet hat.

„Die Fitness ist unser Faustpfand und die Grundvoraussetzung für unser Spiel. Denn wir werden es auch in der kommenden Saison nur über ein gutes Kollektiv und eine gute Defensive schaffen können, Erfolg zu haben“, sagt Balitsch und sieht in der Plackerei irgendwie doch einen Sinn. Denn auch er profitiert von diesem langen Weg zum ersten Anstoß der 50. Bundesligasaison. In Leverkusen war Balitsch bei den Profis zuvor ein halbes Jahr ohne Einsatz geblieben und kam auch deshalb nicht in bester Verfassung zum Club.

Sein Wechsel trug dennoch die erhofften Früchte. Balitsch genügte den Ansprüchen von Dieter Hecking. Denn der große Erfahrungsschatz des Strategen, den der Trainer aus gemeinsamen Zeiten in Hannover gut kannte, kompensierte so manches: „Ich habe versucht, meinen Teil dazu beizutragen und die Mannschaft zu stabilisieren“, sagt Balitsch. 24 geholte Punkte in der Rückserie geben ihm recht, sich als wichtigen Faktor für die zunehmende Stressresistenz des Teams zu beschreiben.

Eine bislang gelungene Vorbereitung verheißt aber nicht automatisch einen dominanteren Balitsch. „Leistung setzt sich aus vielen verschiedenen Facetten zusammen. Aber von den körperlichen Voraussetzungen bin ich weiter als in der Rückrunde“, sagt Balitsch, der den Typus „aggressive Leader“ — ein Spieler, der dem Gegner im Alleingang den Schneid abkaufen kann — verkörpert. In der vergangenen Saison fehlte ihm dazu die Fitness. In dieser Phase hatte er sich allein dem Ziel untergeordnet, mit der Mannschaft möglichst schnell den Klassenerhalt zu sichern. „Wir hatten eine prekäre Situation zu bewältigen. Und da blieb mir nicht die Zeit, allzu sehr auf mich zu schauen, deshalb habe ich versucht, in erster Linie für Stabilität im Team zu sorgen.“

Hecking sieht in den Tagen im Ötztal im Training besonders genau hin und hat bei Balitsch noch Verbesserungspotenzial erkannt: „Er ist auf dem Weg zu einer guten Verfassung. Aber ich wünsche mir schon noch mehr Impulse und ein dominanteres Auftreten von ihm.“ Den routinierten Kickern im Spätsommer ihrer Karriere stehen beim Club fast ausschließlich sehr junge, talentierte Spieler gegenüber. „Uns fehlt ein bisschen der Mittelteil“, findet Balitsch, der zu den wenigen in der Mannschaft zählt, die auch abseits des Platzes ihre Meinung selbstbewusst vertreten und auch unangenehme Dinge ansprechen.

An der aktuellen Transferpolitik des Vereins, der für Hiroshi Kiyotake und Timo Gebhart den Geldbeutel weit öffnete, hat er aber nichts zu mäkeln. „Der Club ist nun auch mal in der Lage, über eine Million Euro für einen Spieler zu zahlen. Das zeigt, dass er den nächsten Schritt gemacht hat“, findet Balitsch. Und die Politik der kleinen, vernünftigen Schritte möchte er auch weiterhin mitgehen: „Auch wenn ich nicht mehr miterleben werde, wie der Club in einem reinen Fußballstadion spielt, will ich in der Verantwortung stehen und am sportlichen Prozess teilhaben.“ 

Stefan Jablonka

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