Auf der Homepage wurde Charisteas mit jenem Prädikat vorgestellt, dem er schon während seiner Zeit in Nürnberg nicht mehr gerecht werden konnte: als griechischer EM-Held von 2004. Der Ligue-1-Aufsteiger scheint aber ein Faible für ehemalige Nationalhelden zu haben. Neben "Harry" verpflichte Avignon mit Mittelfeldspieler Angelos Basinas (34, zuletzt FC Portsmouth) einen weiteren Haudegen aus jenem Team, das die Helenen 2004 zum Europameister machte.
Nach der erfolgreichen sportärztlichen Untersuchung wurde Charisteas, der 2007 vom niederländischen Erstligisten Feyenoord Rotterdam in die Noris gewechselt war und in 57 Punktspielen acht Mal traf, bereits am Nachmittag der Öffentlichkeit vorgestellt. Der 30-Jährige hatte sich vergangene Woche ein Bild von den Möglichkeiten seines neuen Arbeitgebers gemacht. Dabei musste er feststellen, dass die Rahmenbedingungen in der Provence ein wenig kleiner ausfallen. Das Stade Fernand-Fournier stößt bei 2500 Zuschauern an seine Grenzen - im Vergleich zum Club finden die Heimspiele Avignons fast schon unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch der Umzug in den größeren und moderneren Parc des Sports von Avignon verhalf dem Verein nicht zu einer wesentlich größeren Aufmerksamkeit. Dafür sorgte der Durchmarsch von der fünften bis in die erste Liga in nur vier Spielzeiten für Furore. "Harry hat erst begreifen müssen, dass sich die großen Vereine nicht mehr für ihn interessieren", sagte FCN-Manager Martin Bader, nachdem sich die Hängepartie über den ganzen Sommer hingezogen hat.
Dabei hatte Charisteas schon längst vom Verein ein eindeutiges Trennungs-Signal erhalten. In den Gedanken von Trainer Dieter Hecking spielte er keine Rolle mehr. Nachdem Charisteas zuletzt sogar bei den viertklassigen Amateuren mittrainieren musste, schien ein Prozess des Umdenkens begonnen zu haben. Auch wenn die unglückliche Liäson zwischen dem Club und Charisteas nun endgültig geschieden ist, bleibt bei Manager Martin Bader ein "kapitaler Kater" zurück. Nachdem sich die höchste gezahlte Ablösesumme der Vereinsgeschichte mit rund 2,5 Millionen Euro in den vergangenen drei Spielzeiten nicht einmal annähernd amortisiert hat, musste der Club dem Griechen seinen Wechsel auch noch mit einer Gehaltsübernahme schmackhaft machen. Denn das kolportierte Millionen-Gehalt wird zu einem Teil auch vom Club finanziert.