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Es mochte darum etwas irritierend klingen, als Hanno Balitsch am Tag nach dem mühsamen 1:0-Sieg ohne jeden Anflug von Ironie verkündete: „Es hat großen Spaß gemacht.“ Um die ein bisschen bizarr anmutende Begeisterung des Neuzugangs von Bayer Leverkusen zu verstehen, muss man wissen, dass Balitsch zuletzt vor rund vier Monaten bei einem Fußballspiel mitwirken durfte.
Die 45 frostigen Minuten gegen den Drittligisten waren deshalb nicht nur Bewegungstherapie, sondern auch ein erster Schritt zurück in den beruflichen Alltag. „Ganz zufrieden“ zeigte sich Balitsch nach einem Spiel, in dem es für ihn „in erster Linie um die Gesundheit ging und nicht um die Leistung“. Und bei ungemütlichen Minusgraden nahm der Debütant immerhin die wertvolle Erkenntnis mit, „dass ich in Zweikämpfen wieder voll durchziehen kann und keine Angst habe“.
Dennoch ist Balitsch weit davon entfernt, nun Ansprüche anzumelden. „Man hat in der einen oder anderen Situation gesehen, dass mir noch fünf bis zehn Prozent fehlen“, analysierte der 31-Jährige selbstkritisch: „Da muss man schon so ehrlich sein und sagen, dass es für die Bundesliga halt noch nicht reicht.“ Das gelte auch für einen Platz auf der Bank. „Wenn man reinkommt, muss man Impulse geben können. Ansonsten wäre es unfair, einem anderen Spieler, der fit ist, einen Kaderplatz wegzunehmen“, ließ Balitsch im von vielen kleinen Ich-AGs dominierten Profigeschäft eher untypisches Denken erkennen.
Völlig ausschließen wollte der Mittelfeldstratege aber nicht, dass er am Sonntag mit zum brisanten Kellerduell beim FC Augsburg reist. „Wir haben ja noch ein paar Tage. Ich bin im engen Austausch mit dem Trainer“, versicherte Balitsch. Letztlich aber müsse er selbst das Gefühl haben, hundertprozentig fit zu sein.
Leicht fällt Balitsch diese Geduldsprobe keineswegs. „Es ist ein schmaler Grat“, sagte er über den Konflikt zwischen jenem „inneren Trieb“, dem Verein helfen zu wollen, und einer realistischen Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens samt daraus resultierender Vernunftentscheidung. „Man muss ehrlich gegenüber sich selbst und der Mannschaft sein, sonst geht der Schuss nach hinten los“, mahnte Balitsch mit Blick auf ein mögliches Horrorszenario: „Ich möchte nicht wissen, was los ist, wenn ich in der entscheidenden Situation einen Schritt zu spät komme.“
Generell sei sein Start beim neuen Arbeitgeber allerdings „eine Katastrophe“, gestand Balitsch mit einem tiefen Seufzer. Kaum im Trainingslager in Belek angekommen, hatte sich der Hoffnungsträger schon wieder vom täglichen Üben abmelden müssen, „wegen einer Verletzung, die ich vom Kopf her eigentlich abgehakt hatte“. Letztlich sei der Muskelfaserriss eben doch „einen Tick schlimmer gewesen als das, was man in Leverkusen diagnostiziert hatte, deshalb zieht sich das auch so“, erklärte Balitsch.
Unabhängig von seinem Einsatz ist der Routinier von einem Erfolgserlebnis in der Fuggerstadt fest überzeugt: „Es wird sicher ein heißer Tanz, Augsburg lebt vom Einsatz. Wir müssen den Kampf annehmen, fußballerisch sind wir auf jeden Fall die bessere Mannschaft. So viel Selbstvertrauen sollten wir haben.“ Es ist wohl nicht zuletzt diese breite Brust, die erahnen lässt, wie gut ein gesunder Balitsch dem Club tun könnte.