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„Freunde für ein Leben – ,Schalke und der FCN‘ wird’s für alle Zeiten geben“, lautete die galante Grußbotschaft aus dem Pott.
Spötter könnten allerdings zu Recht anmerken, dass der 1.FC Nürnberg wohl auch aus rein sportlichen Gründen in Gelsenkirchen als gerngesehener Gast gilt. Wie so oft in den vergangenen Jahren präsentierte sich ein kriselnder Club auch diesmal als devoter Punktelieferant. Und es mag einiges aussagen, dass Schalkes Trainer Huub Stevens beim klaren 4:0 (2:0)-Erfolg zwar das Ergebnis, nicht aber die spielerische Darbietung seiner Elf gefiel. Dem Tabellenfünften reichten schon vier lichte Momente, um einem erschreckend harmlosen Kontrahenten ein kleines Debakel zu bereiten.
Gerade mal 13 Minuten durften Nürnbergs Fans zarte Hoffnungen hegen, die schwarze Serie auf Schalke, wo die Franken seit 18 Jahren auf einen Sieg warten, zu beenden. Trainer Dieter Hecking hatte angesichts der von ihm entdeckten Schalker Schwächen in der Rückwärtsbewegung eine betont offensive Ausrichtung gewählt.
Daniel Didavi stand erstmals in der Startformation und sollte in zentraler Rolle endlich für kreative Impulse sorgen, auf den Außenpositionen unterstützt von den variabel agierenden Mike Frantz und Christian Eigler. An Stelle des wegen eines Trauerfalles fehlenden Tschechen Tomas Pekhart rückte zunächst Alexander Esswein in die Sturmspitze. Jens Hegeler fungierte an der Seite von Timmy Simons als zweiter Abräumer vor der Abwehr.
Der Club begann durchaus couragiert und näherte sich sogar zweimal dezent dem Tor von Lars Unnerstall. Schon der erste ernsthafte Angriff der Hausherren stellte aber die Weichen in die gewohnte Richtung. Nach Ballverlust von Esswein bediente Lewis Holtby mit einem cleveren Pass in den Rücken der entblößten Abwehr, wo der viel zu weit aufgerückte Innenverteidiger Philipp Wollscheid fehlte, Alexander Baumjohann.
Dessen Schuss parierte Raphael Schäfer zwar glänzend, gegen den Abstauber von Klaas-Jan Huntelaar aus fünf Metern war dann aber auch der Club-Keeper machtlos. Sechs Minuten vor der Pause nutzte Schalkes spanischer Senior Raul die Konfusion in der erneut unsortierten Nürnberger Defensive und schoss nach einer halbherzigen Abwehraktion von Timm Klose unbedrängt aus 14 Metern ein.
Nach der Pause war der Club um Schadensbegrenzung bemüht, musste in zwei weiteren Szenen aber die individuelle Klasse der „Knappen“ anerkennen. Nach einem Nürnberger Eckball (!) konterte Schalke erneut blitzschnell, Simons köpfte einen weiten Diagonalpass von Raul genau vor die Füße von Julian Draxler und ließ dann Huntelaar enteilen. Der niederländische „Maskenmann“ vollendete mit einem kernigen Rechtsschuss aus 15 Metern zum 3:0. Sechs Minuten vor dem Ende tanzte der agile Holtby im Strafraum Wollscheid und Schäfer aus und schob lässig zum 4:0 ein. Durchaus bezeichnend, dass auch bei der Entstehung dieses Treffers Routinier Simons keine gute Figur abgab.
Angesichts solch gravierender Defizite im Defensivverhalten mochte sich Hecking nicht mehr schützend vor seine Mannschaft stellen. „Einige haben offenbar immer noch nicht begriffen, dass sie sich wehren müssen. Wie wir heute die Tore bekommen haben, ist so nicht zu akzeptieren. Das war nicht bundesligareif“, resümierte ein sichtlich angefressener Coach.
Ein ähnliches Fazit hätte Hecking freilich auch angesichts der erneut kläglichen Offensivbemühungen ziehen können. Im Ansatz kombinierte sein Team bisweilen durchaus gefällig, doch fehlte am Ende jegliche Cleverness, Konsequenz und vielleicht auch Qualität. Angesichts der Abgezocktheit und Effizienz eines Huntelaar musste man sich für das naiv-kopflose Anrennen eines Esswein fast schon ein bisschen fremdschämen.
Nach acht sieglosen Spielen ist der Club also dort angekommen, wo er partout nicht hinwollte: auf dem altbekannten Relegationsplatz. Und die im Prinzip durchaus berechtigte These, dass man auf Schalke ja schon mal verlieren dürfe, verliert leider an Substanz, wenn man vorher in den existenziellen Duellen mit Kellerkonkurrenz wie Freiburg, Mainz oder Wolfsburg leichtfertig wichtige Punkte abgegeben hat.
Das nächste Heimspiel gegen den 1.FC Kaiserslautern, ebenfalls ein direkter Rivale im Abstiegskampf, trägt nun auch angesichts des happigen Restprogrammes bis zur Winterpause (in Hamburg und Leverkusen, zuhause gegen Hoffenheim) fast schon schicksalhafte Züge. Sonst könnte es für das nächste Jahr langsam eng werden mit einem freundschaftlichen Wiedersehen der Altmeister. U.D.
Schalke: Unnerstall – Uchida, Papadopoulos, Matip, Fuchs – Jones (73. Höger), Holtby – Baumjohann, Raul, Draxler (73. Pukki) – Huntelaar (82. Marica) / Nürnberg: Schäfer – Chandler, Wollscheid, Klose, Plattenhardt – Simons, Hegeler (77. Cohen) – Eigler, Didavi (72. Mak), Frantz – Esswein / SR: Kircher (Rottenburg) / Tore: 1:0 Huntelaar (13.), 2:0 Raul (39.), 3:0 Huntelaar (66.), 4:0 Holtby (84.) / Zuschauer: 61673 (ausverkauft) / Gelbe Karten: Baumjohann, Jones (4) – Frantz (2), Plattenhardt, Mak.

Do. 24.05.12
Do. 24.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12