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Club-Coach Dieter Hecking hatte vor der Partie nicht das Unmögliche von seiner Mannschaft verlangt. Eigentlich lautete die Maxime vor dem Spiel beim Bundesligaaufsteiger „setze auf Bewährtes“. Zumindest eine Halbzeit lang griff der Club auf das zurück, was ihn in dieser Saison bislang stark macht: engmaschig stehen und gut verteidigen. Javier Pinola war nach seiner Muskelverletzung wieder auf die linke Abwehrseite gerückt. Christian Eigler vertrat den am Fuß verletzten Mike Frantz.
Da die Hamburger lange Zeit auch gar nicht ausloten wollten, ob der Club nicht doch Schwachstellen in der Abwehr besitzt und auf permantes Anrennen verzichteten, entwickelte sich eine 45-minütige Abtastphase mit ohne Anfassen. Nürnberg suchte sein Heil in Fernschüssen durch Angreifer Julian Schieber (7. Minute, 33.), während St.Pauli darauf vertraute, aus Standardsituationen Kapital zu schlagen. Vor dem Nürnberger Tor wurde es erst nach genau 45 Minuten so richtig brenzlig. Doch FCN-Keeper Raphael Schäfer entschärfte das Tohuwabohu am Boden liegend dreimal gegen Fabian Boll sowie Marius Ebbers und klärte zur Ecke.
Pech nur, dass Pauli-Trainer Holger Stanislawski tags zuvor ausgerechnet die so genannten ruhenden Bälle einstudieren ließ und prompt zwei Eckbälle für die Hamburger zum Erfolg führen sollten: „Es zeigt mal wieder, dass meine Spieler erfolgreich sein können, wenn sie nur auf mich hören“, witzelte der ehemalige Kiez-Kicker. Hecking wollte die geglückte Sonderschicht aber nicht zu hoch hängen und merkte an, dass „die beiden Torschützen bei diesem Training gar nicht dabei“ gewesen seien.
Egal. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte schaltete Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah bei seinem Comeback jedenfalls am schnellsten, als ihm der Ball zwei Meter vor dem Kasten vor die Füße sprang. Schäfer blieb nicht nur in dieser Szene seiner Linie treu, statt einen oder zwei Schritte nach vorne zu machen. Ob er den Ball erwischt hätte, ist fraglich, so aber war er wie die halbe Abwehr nur Zuschauer und erst Recht machtlos.
Die Führung der Gastgeber hatte sich nicht angekündigt, sie fiel vielmehr aus heiterem Himmel. Wie auch der Ausgleich zum 1:1 drei Minuten nach Wiederanpfiff. Jens Hegeler konnte sich allzu leicht von seinem Gegenspieler durch eine herrliche Finte lösen und in den Pauli-Strafraum eindringen. Anschließend behielt er 21-Jährige auch noch den Überblick und legte den Ball quer. Schieber verpasste zwar, aber am zweiten Pfosten lauerte Mehmet Ekici und schob den Ball aus elf Metern ins verwaiste Tor.
Freude über seinen Debüt-Treffer nach vier Pfosten- bzw. Lattenschüssen in dieser Saison konnte der Deutsch-Türke aber keine entwickeln: „Mein Tor hat leider nicht zu einem Punktgewinn gereicht.“ Zumindest konnte Ekici Heckings Wunsch nach Toren erfüllen: „Es freut mich, dass er gleich ein Tor geschossen hat, nachdem ich es ein Stück weit eingefordert hatte. Das zeigt, dass er mit Druck sehr gut umgehen kann“, sagte der Trainer.
Trotz des Ausgleichs fiel die Mannschaft in ihr Phlegma zurück. Und das, obwohl sich St. Pauli lange Zeit nicht darum bemühte, dem Spiel seinen Stempel in Form von Kampf. Leidenschaft und Einsatzwillen aufzudrücken. Ein bisschen mehr Courage hätte vermutlich schon genügt, um dem direkten Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg in die Bredouille zu bringen. So aber machten sie den Gegner durch ihre Zurückhaltung erst stark. Das 2:1 von St. Pauli durch Ebbers war die logische Konsequenz. Erneut genügte es, nach einem Eckball geistig einen Tick schneller zu sein. Diesmal patzte Per Nilsson, als er einen Schritt zu spät kam (59.).
Weil auch St. Pauli bei Standards anfällig war, musste der Club erst gar nicht lange einem Rückstand hinterherlaufen. Schon drei Minuten später stand es wieder pari. Club-Kapitän Andreas Wolf war nach Ekicis Eckball mit dem Kopf zur Stelle gewesen. Mit etwas Glück hätte Schieber die Partie sogar drehen können, nachdem sich beide Teams auf einen offenen Schlagabtausch eingelassen hatten (70., 76.). So aber nutzte der eingewechselte Florian Bruns Stellungsfehler Nummer drei zum 3:2-Siegtreffer für St. Pauli. Diesmal waren der Reihe nach Juri Judt, Pinola und Wolf von ihren Gegenspielern zu weit entfernt und Schäfer klebte erneut nur auf der Linie. „Letztendlich hat die Mannschaft gewonnen, die zehn Zentimeter mehr Leidenschaft geboten hat“, musste Hecking zähneknirschend zugeben.
St. Pauli: Kessler – Lechner, Zambrano, Thorandt, Oczipka – Boll, Lehmann – Asamoah (74. Bruns), Kruse (84. Naki), Bartels (64. Hennings) – Ebbers / Nürnberg: Schäfer – Judt, Nilsson, Wolf, Pinola – Simons, Hegeler (86. Mendler) – Ekici, Gündogan (88. Mintal), Eigler (76. Boakye) – Schieber / SR: Gagelmann (Bremen) / Tore: 1:0 Asamoah (45.+1), 1:1 Ekici (48.), 2:1 Ebbers (59.), 2:2 Wolf (62.), 3:2 Bruns (82.) / Zuschauer: 24334 (ausverkauft) / Gelbe Karten: Boll (3), Thorandt (3) – Ekici (3), Judt (2), Mendler (1).

Do. 24.05.12
Do. 24.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12