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Erinnerungen an die abgebrochene Wasserschlacht gegen den VfL Wolfsburg am 11.April 2008 wurden wach, als Hagel und Platzregen die Bundesliga-Partie zwischen dem 1.FC Nürnberg und Werder Bremen zeitweise in eine Wasserballschlacht verwandelten. Doch diesmal kam Drees dank zügiger Wetterbesserung gerade noch um einen Abbruch herum. Nach 93 Spiel- und 35 Pausenminuten trennte man sich 1:1, was dem Club im sechsten Saisonspiel den zehnten Punkt und den Gästen für 26 Stunden sogar die erste Tabellenführung seit fast fünf Jahren bescherte.
Wie eine Spitzenmannschaft präsentierte sich Werder allerdings nicht, wenngleich Trainer Thomas Schaaf mit Lob nicht geizte und die Momentaufnahme sichtlich genoss: „Der Tabellenplatz bedeutet, dass wir bisher viele Dinge gut und richtig gemacht haben.“ Sein Plan, auch in Nürnberg offensiven und attraktiven Fußball zu bieten, wurde aber schon nach einer guten Viertelstunde über den Haufen geworfen. Nachdem Nationaltorwart Tim Wiese wegen einer Notbremse gegen Christian Eigler vom Platz geflogen war, musste Schaaf Stürmer Marko Arnautovic für die Einwechslung von Ersatzkeeper Sebastian Mielitz „opfern“.
Wie aus dem Nichts gelang den Norddeutschen acht Minuten später dennoch die Führung, als ausgerechnet der Ex-Nürnberger Mehmet Ekici die erste und einzige Nachlässigkeit in der Nürnberger Hintermannschaft bestrafte. Philipp Wollscheids Ausgleich nach einer guten Stunde war mehr als überfällig und hochverdient angesichts der fränkischen Dominanz, die durch 64 Prozent Ballbesitz, 25:2 Torschüsse und 13:0 Ecken in der offiziellen Statistik eindrucksvoll dokumentiert wurde.
Allerdings fehlten dem Angriffsspiel des 1.FCN, der auf den gesperrten Tomas Pekhart verzichten musste, die nötige Präzision und der letzte Tick Entschlossenheit. „Bei gefühlten hundert Flanken ist keine einzige klare Torchance herausgekommen“, gab auch Trainer Dieter Hecking zu, der nach der Pause mit Albert Bunjaku einen zusätzlichen Stürmer für Verteidiger Javier Pinola brachte und im weiteren Verlauf mit Robert Mak (für Markus Mendler) und Julian Wießmeier (für Alexander Esswein) zwei weitere frische Offensivkräfte einwechselte.
Der Club hatte es freilich auch schwer, das permanente Anrennen auf dem tiefen Boden kostete viel Kraft. Und Werder versteifte sich nach dem Platzverweis fast ausschließlich auf die Defensive. Der Deckungsverband um den frenetisch gefeierten Ex-Nürnberger Andreas Wolf (siehe Bericht S.18) stand massiert im eigenen Strafraum und wehrte sich mit viel Routine und taktischem Geschick gegen die drohende Niederlage.
Bezeichnenderweise konnten die Nürnberger das Gäste-Bollwerk nur mit einer Standardsituation knacken. Nach einer Ecke von Markus Feulner kam der aufgerückte Wollscheid aus fünf Metern frei zum Kopfball, der als Aufsetzer durch die Beine von Philipp Bargfrede ins Netz ging.
Wollscheid hatte bei seinem ersten Saisontor das Glück des Tüchtigen – und machte damit seinen Stellungsfehler wett, der dem 0:1 vorausgegangen war. Er hatte das Abseits aufgehoben, als Claudio Pizarro einen klugen Pass in die Schnittstelle der Club-Abwehrreihe spielte. Ekici hatte so freie Bahn und schlenzte den Ball aus acht Metern ins lange Eck. Danach genoss der türkische Nationalspieler die Freude über sein erstes Saisontor im Stillen. Eine Jubelpose an alter Wirkungsstätte verkniff er sich – so gehört sich das.
Relativ unaufgeregt hatte acht Minuten zuvor auch Wiese seine dritte Rote Karte in zehn Jahren Bundesliga hingenommen. Logisch, denn an der Berechtigung des Platzverweises des Werder-Keepers, der 120 Sekunden zuvor mit einer Glanzparade gegen Mendler das 0:1 verhindert hatte, gab es nun wirklich nichts zu deuteln. Nachdem er beim Herauslaufen den Ball leichtfertig vertändelt hatte, riss er den davoneilenden Eigler zu Boden – klarer Fall von Notbremse. „Eine dumme Aktion von mir“, räumte Wiese hinterher kleinlaut ein. Schiedsrichter Drees pfiff sofort – noch bevor Mendler den vermeintlichen Vorteil nutzte und den Ball aus der Distanz ins Tor wuchtete. Der Treffer zählte nicht.
Es ist müßig zu diskutieren, wie die Partie ohne den Platzverweis gelaufen wäre. Ob elf Bremer die tüchtigen, aber glanzlosen Nürnberger in Bedrängnis gebracht hätten. Oder ob die 43121 Zuschauer unter regulären Bedingungen in den Genuss eines Fußball-Leckerbissen gekommen wären. Fakt ist, dass der Club einmal mehr seine Konkurrenzfähigkeit bestätigt und einem etablierten Team die Stirn geboten hat. Das macht Hoffnung eine sorgenfreie Saison ohne größere Turbulenzen. Es sei denn, Drees pfeift mal wieder...
Nürnberg: Stephan – Chandler, Wollscheid, Klose, Pinola (46. Bunjaku) – Simons – Hegeler, Feulner, Mendler (60. Mak), Esswein (78. Wießmeier) – Eigler / Bremen: Wiese – Sokratis (6. Schmitz), Prödl, Wolf, Ignjovski – Bargfrede – Fritz, Hunt – Ekici (65. Naldo) – Arnautovic (18. Mielitz), Pizarro / SR: Drees (Münster-Sarmsheim) / Tore: 0:1 Ekici (24.), 1:1 Wollscheid (63.) / Zuschauer: 43121 / Rote Karte: Wiese nach einer Notbremse (17.) / Gelbe Karten: Eigler – Ignjovski.

Do. 24.05.12
Do. 24.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12