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Mit dem 1:0-Sieg über den klar favorisierten Erstligisten und dem Einzug ins Halbfinale haben die Fürther etwas Historisches geschafft. Noch nie zuvor seit dem Zusammenschluss der damals finanziell maroden SpVgg Fürth mit dem sportlich aufstrebenden TSV Vestenbergsgreuth 1995, noch nicht einmal in der über einhundertjährigen Klubgeschichte des Traditionsvereins, war eine Fürther Mannschaft im DFB-Pokal so weit gekommen.
„Das macht uns alle stolz, dass wir so etwas geschafft haben“, bemerkte Stephan Schröck, der seit einem Jahrzehnt dem Verein die Treue hält, und sinnierte mit strahlenden Augen über den „geilsten Abend mit der Spielvereinigung“.
Schröck, dieser liebenswerte Lebemann mit den Stärken und Schwächen eines Otto-Normalbürgers, fand erst nach einem langen Leidensweg zu sich. Jetzt weiß der Wirbelwind, was wirklich in ihm steckt.
Schröck steht exemplarisch für eine Mannschaft, die sich einem großen Ziel verschrieben hat. Das lautet Aufstieg in die Bundesliga, aber nur auf den ersten Blick. Ins Zentrum aller Bestrebungen hat Trainer Mike Büskens seit seinem Amtsantritt im Dezember 2010 eine ganz elementare Komponente gelegt, die unter den vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten und schrulligen Eitelkeiten des Profifußballs bisweilen verschüttet ist.
Büskens, der ehemalige „Eurofighter“, der mit dem FC Schalke 04 und einer „Allerweltstruppe“ 1997 völlig überraschend den Uefa-Cup gegen eine Ansammlung von Stars bei Inter Mailand gewann, hat die Basis des damaligen Systems Schalke zum Prinzip gemacht.
Glaube an dich, dann kannst du alles erreichen. Die Mannschaft ist der Star, niemand erreicht etwas alleine im Fußball, nur über ein starkes Kollektiv führt der Weg zum Erfolg. „Den Glauben an die eigene Stärke predigen wir jetzt seit zwei Jahren“, ließ Büskens am Rande seiner Analysen in Hoffenheim einfließen. Was zunächst nach Manager-Seminar und Selbstfindungstrip klingt, erfüllt Büskens mit Leben: in jeder Trainingseinheit, in jedem der vielen Einzelgespräche, die er mit seinen Spielern führt.
Sie alle sind Musketiere, die sich einer gemeinsamen Aufgabe unterordnen. Keiner ist sich zu schade, für den anderen die Drecksarbeit zu machen – Fehler schließt Büskens Direktive nicht automatisch aus, aber es hilft, sie schnell zu korrigieren. „So stark wie noch nie“, findet Schröck ein Team, das den Makel der „Unaufsteigbaren“ tilgen will.
„Rekord-Nichtaufsteiger“, sagen sie gerne in Nürnberg und belächeln den ungeliebten Rivalen, der sich aber nicht nur wegen seines Derby-Sieges im Pokal-Achtelfinale anschickt, künftig in einer Liga mit dem ehemaligen Rekordmeister zu spielen. „Ich will mit Fürth Geschichte schreiben“, begründete jüngst Fürths Routinier Milorad Pekovic, warum er seinen Vertrag unbedingt verlängern wollte.
In der Stadt, in dem das dreiblättrige Kleeblatt des Vereinswappens von Tag zu Tag präsenter wird, vollzieht sich gerade eine Wandlung. „Wir haben den Glauben. Es wäre schön, wenn wir noch ein paar Gläubige auf unserem Weg finden würden“, hatte Mike Büskens nach einem Spiel an einem tristen Novemberfreitag gesagt, als sein Team wieder mal gewonnen hatte, aber viele Plätze im Stadion leer geblieben waren. Inzwischen hat die Spielvereinigung mehr und mehr Anhänger um sich versammelt. Im Schnitt kommen zehntausend Zuschauer zu den Heimspielen, eine Steigerung von über dreißig Prozent im Vergleich zur Vorsaison.
Fan von Fürth zu sein, ist längst kein Makel mehr, den man ehedem allenfalls hinter vorgehaltener Hand zugab. Fan in Fürth zu sein, heißt Liebe zu einem Spiel zuzulassen, das vielerorts nur über das Geld entschieden werden soll. Beim „Kleeblatt“ haben sie längst aus den finanziellen Zwängen eine Tugend gemacht.
Starker Nachwuchs wird selbst ausgebildet, nicht gekauft, Leidenschaft darf sich entwickeln. Damit stellten die Fürther am Mittwoch so ziemlich das genaue Gegenteil von Hoffenheim dar: hier solides Wachstum, dort der Retortenklub, den erst die Zuwendungen von Software-Milliardär Dietmar Hopp in Rekordzeit von der Bezirks- in die Bundesliga gespült haben.
Durchgesetzt haben sich die Fürther. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, durften die euphorisierten Fans in Hoffenheim skandieren. Zwei Termine können sie sich schon mal rot im Kalender anstreichen. Das Halbfinale wird am 20./21.März ausgespielt, das Finale findet am 12.Mai statt. Da sollte man sich als Fürther sicherheitshalber freinehmen.
Mehr dazu erfahren Sie im NZ-Blog „Die Greuther-Weiber“
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12