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Das große Missverständnis

Kommentar: Von Hessen und der 1. FCN – das passte nicht - 29.08.2008

Thomas von Heesen und der Club: Haken wir diese nur 198 Tage währende Liaison als das größte Missverständnis der jüngeren Club-Geschichte ab. Am späten Donnerstagnachmittag warf der bei Fans und Mannschaft gleichermaßen unbeliebte Trainer das Handtuch. Mit seinem Rücktritt – so die offizielle Sprachregelung im Neuen Zabo – kam der 47-Jährige freilich nur dem Verein zuvor. Die Zeichen standen eindeutig auf Trennung, so oder so.

Der keineswegs mehr überraschende Schritt ist die logische Konsequenz einer negativen Entwicklung, die am Montagabend im desaströsen Auftritt der Club-Elf in Kaiserslautern gipfelte. Den völlig unnötigen Abstieg mit einer nominell guten Mannschaft hatte die Sportliche Leitung Thomas von Heesen noch zähneknirschend verziehen und ihm eine zweite Chance gegeben. Als so genannter Konzept-Trainer schien der langjährige HSV-Profi der richtige Mann für den Neuaufbau zu sein, in Bielefeld hatte er es ja schon einmal bewiesen. Von einem Konzept war allerdings weit und breit nichts auszumachen in den ersten beiden Punktspielen gegen Augsburg und auf dem Betzenberg. Und im DFB-Pokalspiel in Ahlen verhinderte nur eine Überdosis Dusel das drohende Aus.

Dass es nach nur drei Pflichtspielen zur Trennung kam, mag außerhalb Frankens einmal mehr Kopfschütteln auslösen. Der Zeitpunkt klingt mal wieder rekordverdächtig, aus der Distanz betrachtet passt diese Entwicklung ins Bild des Chaos-Clubs. Ausnahmsweise liegen die Spötter in diesem Fall aber falsch. So konnte es einfach nicht mehr weitergehen. Die Atmosphäre war vergiftet. Schon beim nächsten Heimspiel gegen Aachen drohte die Eskalation.

Jeder andere Trainer hätte noch mit einer Schonfrist rechnen können, nicht aber von Heesen. Er hatte einfach keine Lobby. Vom ersten Tag an ging von Heesen, der ein halbes Jahr lang im Hotel wohnte, auf Distanz zu den Fans, unternahm rein gar nichts, um akzeptiert oder gar gemocht zu werden. Seine spröde, arrogant wirkende Art war dem Anhang und dem Umfeld ebenso ein Dorn im Auge wie die Art und Weise, wie er seine Spieler bisweilen öffentlich an den Pranger stellte. Einige schlug er regelrecht in die Flucht, andere trugen sich bis zuletzt massiv mit Abwanderungsgedanken.

Seine Zuversicht, das Blatt im Frühjahr noch wenden zu können, seine Versprechungen vom Erfolg am Ende des Tages, entpuppten sich als heiße Luft. Das Scheitern seines Projekts Klassenerhalt nahm der Westfale aufreizend leidenschaftslos hin. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war das Tischtuch zerschnitten zur Fangemeinde. Dass die Verantwortlichen um Präsident Roth und Sportdirektor Bader auf das falsche Pferd setzten und nicht gleich eine Schlussstrich zogen, war aus heutiger Sicht eine Fehlentscheidung. Doch hinterher ist man immer schlauer.

Die Karawane zieht weiter, sagt man normalerweise in so einem Fall. Hier stimmt das Bild nicht. Denn Thomas von Heesen ist nie wirklich angekommen in Nürnberg. 

Harald Büttner


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Titel, Tränen und Triumphe: Der 1. FC Nürnberg blickt auf eine bewegte, mittlerweile über 113-jährige Geschichte zurück. Seine größten Erfolge feierte der Club in den "goldenen" 20er Jahren, als alleine fünf der insgesamt neun Meisterschaften gelangen. Bis in die 60er Jahre gehörte der Verein zu den ganz großen Namen des deutschen Fußballs. Doch mit dem erstmaligen Abstieg aus dem Oberhaus 1969 begann ein jahrzehntelanges Tief. Abstiege und Skandale prägten den Verein, der sich in dieser Zeit den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft verdiente und 1996 gar in die drittklassige Regionalliga abstürzte. Erst im neuen Jahrtausend konsolidierte sich der Verein und knüpfte mit dem DFB-Pokalsieg 2007 an alte Zeiten an - sehr zur Freude der treuen und großen Anhängerschaft des FCN.

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