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Die Trophäe der UEFA bekam Didier Drogba vor allem, weil er Chelsea zunächst durch seinen wuchtigen Kopfball zum 1:1 in die Verlängerung gerettet und später das Elfmeter-Drama mit einem souverän verwandelten Strafstoß entschieden hatte. Doch der 34-jährige Ivorer imponierte an diesem denkwürdigen Final-Abend auch durch sein Auftreten als wahrer Gentleman.
Während die meisten Kollegen vor der englischen Fankurve längst wie eine Horde ausgelassener Grundschulkinder über den Rasen tollten, war Drogba spontan zum Mittelkreis geeilt, wo die paralysiert wirkenden Bayern-Profis einen bizarren Anblick boten. Einige kauerten weinend am Boden, andere standen einfach nur da, wie zur Salzsäule erstarrt, die Hände vors Gesicht geschlagen oder in die Hüften gestemmt. Drogba half erst Jerome Boateng auf die Beine, nahm dann seinen einstigen Mitspieler Arjen Robben in den Arm und spendete schließlich dem traumatisierten Fehlschützen Bastian Schweinsteiger Trost. Diese Anteilnahme war keine gönnerhafte Höflichkeitsgeste eines strahlenden Siegers, sie schien echt und aufrichtig.
Vielleicht, weil der Matchwinner ahnte, wie sich die unglücklichen Zweiten gerade fühlen mussten. 2004 verlor Drogba mit Olympique Marseille das UEFA-Cup-Endspiel gegen den FC Valencia, im Trikot der Elfenbeinküste scheiterte er zweimal im Finale des Afrika Cups. Und als Chelsea 2008 im Champions-League-
Finale in Moskau gegen Manchester United antrat, flog der „Büffel“ kurz vor Ende der Verlängerung wegen einer Tätlichkeit vom Platz und musste zuschauen, wie John Terry den letzten Elfmeter an den Pfosten ballerte.
Diesmal aber stand Drogba bereit und holte mit seinem finalen Schuss in einem „unglaublichen, verrückten Spiel“ den Cup an die Stamford Bridge. „Ich wollte Chelsea lächeln lassen“, verkündete der Held des Abends, beschwor übersinnliche Kräfte („Dieser Sieg war vorherbestimmt“) und stammelte: „Es gibt keine Worte, um zu beschreiben, was ich fühle. Ich weiß nicht, ob wir noch genug Energie haben, um zu feiern.“
Natürlich folgte eine rauschende Partynacht in einer Münchner Nobel-Disco – es könnte Drogbas letzter Tanz mit den „Blues“ gewesen sein. Nach acht Jahren sucht der athletische Afrikaner eine neue Herausforderung, man munkelt von einem lukrativen Job in Shanghai. Derlei Fragen ließ Drogba in der Stunde seines größten Triumphes ins Leere laufen. Man dürfe, befand er, eine solche Entscheidung nie aus der Emotionalität heraus treffen.
Offen ist beim Londoner Nobelklub auch die Zukunft von Interimstrainer Roberto di Matteo. Der smarte Italo-Schweizer beerbte Anfang März seinen Chef André Villas-Boas und kann eine sensationelle Bilanz vorweisen: Zwar landete Chelsea in der Premier League nur auf Rang sechs, dafür holte man zum siebten Mal den FA Cup und krönte die Saison nun mit dem größten Erfolg der 107-jährigen Vereinshistorie. Vom Coup in der „Königsklasse“ hatten prominente Vorgänger wie Jose Mourinho, Luiz Felipe Scolari oder Guus Hiddink nur geträumt.
Auch das Team steht hinter dem 41-jährigen Defensivtaktiker: „Wir hoffen, dass Robbie den Job permanent ausüben darf. Er war fantastisch“, schwärmte der rot-gesperrte Kapitän Terry. Dennoch scheint der eigenwillige Klub-Eigentümer Roman Abramowitsch eine externe Lösung zu favorisieren, als Kandidaten gelten Ex-Nationalcoach Fabio Capello oder Harry Redknapp. Di Matteo lassen derlei Spekulationen kalt. „Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt“, erklärte er betont fatalistisch und versicherte seine Loyalität: „Was der Klub entscheidet, werde ich akzeptieren.“ Vielleicht hört „Boss“ Abramowitsch ja doch noch auf den Rat von Bayern-Coach Jupp Heynckes, der dem geschätzten Kollegen „sofort einen Dreijahresvertrag“ geben würde. Noch eine bemerkenswerte Geste nach einem dramatischen Fußballspiel.
Fr. 24.05.13
Fr. 24.05.13
Fr. 24.05.13
Do. 23.05.13