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„Ich wohne nun mit meiner Familie in Herpersdorf, bin also jetzt ein ,echter Herpersdorfer‘. Schon der Name ist ja eine gewisse sportliche Verpflichtung“, sagt Weissinger schmunzelnd. Für sein neues Heim in Herpersdorf gibt es noch einen guten Grund: „Unsere Familie ist größer geworden. Im September kam unser Sohn Luca dazu“, berichtet der stolze Papa.
Weissinger freut sich auf die neue Rennsaison: „Es wird Zeit, dass es bald wieder losgeht“, sagt er etwas ungeduldig. Auch mit 33 Jahren denkt der erfolgreiche Rad-Profi noch lange nicht ans Ende seiner Karriere. Ganz in Gegenteil: Die Begeisterung des gebürtigen Württembergers, der vor genau 20 Jahren mit dem Radsport begann, scheint mit jedem Rennjahr größer zu werden. Auch für seine zehnte Saison als Berufsfahrer hat sich Weissinger, der inzwischen zu den dienstältesten deutschen Rad-Profis zählt, viel vorgenommen.
Rückblickend stellt er fest: „Geändert hat sich vieles in den letzten Jahren, leider nicht zugunsten des Radsports. Als ich vor rund zehn Jahren Rad-Profi wurde, hatte die Begeisterung um Jan Ullrich, Erik Zabel, das Team Telekom und den gesamten deutschen Profi-Radsport seinen Höhepunkt erreicht. Für mich als Jung-Profi war es ein Traum, in dieser tollen Phase mit einzusteigen“, erinnert sich Weissinger, der die unglaublich große Begeisterung der vielen Zuschauer bei allen Rundfahrten und bei den namhaften Eintages-Rennen „nie vergessen“ wird.
Umso tragischer empfand Weissinger den plötzlichen brutalen Absturz seines Sports, der sich ab 2006 lawinenartig fortsetzte. „Das war für mich ein echter Schock, der bis heute noch nachwirkt“, gesteht der einstige Deutsche Bergmeister. Seit 2004, als die Mannschaft noch „Team Volksbank“ hieß, fährt er – mit Ausnahme des Rennjahres 2006 – für die gleiche österreichische Mannschaft, die im Laufe der Jahre zum „Team Vorarlberg“ wurde. „Ich fühle mich sehr wohl in dieser Mannschaft. Sie hat ein gutes Management und ein umfangreiches, interessantes Rennprogramm“, sagt Weissinger, dessen Vertrag im Herbst erneut um zwei weitere Jahre verlängert wurde.
Dass die Mannschaft inzwischen nicht mehr zur Kategorie der „Pro-Continental-Teams“ zählt, bedauert Weissinger sehr. Zu Recht kritisiert er das Reglement des Weltverbandes: „Die UCI hat mit ihren zu hohen finanziellen Auflagen überzogen, zum Leidwesen etlicher sehr guter Teams, die an ihre Grenzen kamen, aussteigen mussten oder nur noch zur dritten Kategorie zählen.“ Letzteres bedeutet für Weissinger „keineswegs drittklassig“, wie er ausdrücklich betont. „So ist zum Beispiel die perfekte Ausstattung unserer Mannschaft mit Rennmaterial und Bekleidung mit Sicherheit besser als die mehrerer Pro-Contentinental-Teams.“
Auch an echten Saison-Höhepunkten fehlt es 2012 nicht im Rennkalender des Teams Vorarlberg: „Natürlich haben für uns die Österreich-Rundfahrt, die Burgenland-Rundfahrt und einige größere Rennen in Österreich Priorität. In Deutschland möchte ich gerne bei Rund um Köln sowie bei den namhaften Straßenrennen in Berlin, Bochum und Nürnberg und bei der Bayern-Rundfahrt dabei sein“, sagt Weissinger, der als Senior der Mannschaft für die jungen Teamkameraden ein erfahrener Kapitän sein wird: „Wir haben neun neue, noch sehr junge hoffungsvolle Talente aus verschiedenen Ländern, um die ich mich bei den Rennen besonders kümmern werde“, verspricht Weissinger. Dabei stimmt er sich mit Teamchef Thomas Kofler entsprechend ab. „Mein Ziel für die neue Saison ist es, alles für das Team zu geben und wieder einige Top-Platzierungen zu erreichen“, sagt Weissinger.
Auch privat hat sich der ehrgeizige Radprofi ein neues Ziel gesetzt. Zusammen mit seiner Frau Tina, Tochter des Herpersdorfer Ex-Meisters Klaus Buchholz, hat Weissinger seine eigene Radmarke gegründet. „Unsere Firma ,Renerosa‘ ist auf exklusive Radausstattung, Accessoires und Radbekleidung spezialisiert, die wir ganz individuell nach den Wünschen der Kunden gestalten und anbieten“, sagt Weissinger.
Ihm gefällt die neue Aufgabe. „Der Radsport allein hat mich nie ganz ausgefüllt“, betont er. Auch sein Maschinenbau-Studium hat Weissinger erfolgreich als Diplom-Ingenieur abgeschlossen. „Nur Rennen zu fahren war mir schon immer zu wenig und zu eintönig“, gesteht der Neu-Herpersdorfer.
Seine außergewöhnlichen Angebote sind längst heiße Tipps innerhalb der Radsportszene. Im Nürnberger Süd-West-Park steht der vielseitige Firmengründer seinen Kunden zur individuellen persönlichen Beratung zur Verfügung. „Seit der letzten Saison versuche ich das mit meinen Trainingszeiten und den Rennterminen zu kombinieren, und es klappt ganz gut“, freut sich Weissinger.
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12