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Der rastlose Ruhepol in der Fürther Schaltzentrale

Stephan Fürstner als "Marathon-Mann" - 24.04.2012 18:52 Uhr

Stephan Fürstner, auf und davon: Auch nach seinem Tor gegen 1860 München konnten ihn die Kollegen um Eddy Prib (re.) kaum einfangen.

Stephan Fürstner, auf und davon: Auch nach seinem Tor gegen 1860 München konnten ihn die Kollegen um Eddy Prib (re.) kaum einfangen. © Sportfoto Zink


Wenn andere Profis bereits vor Erschöpfung keuchen, wird er gerade mal warm. „Vor Läufen habe ich mich noch nie gefürchtet“, sagt er. Anstatt „Fürste“, wie sie ihn alle in Fürth nur rufen, wäre „die Lunge“ als Spitzname angebrachter. Seine Ausdauerwerte sind überragend, kaum einer geht auf dem Platz so weite Wege wie er. Das macht Fürstner natürlich ungemein wichtig. Ihn aber auf seine Kondition zu beschränken, würde nicht einmal annähernd seine Wertigkeit beschreiben.

Der gebürtige Münchner, der sich in Franken „pudelwohl fühlt“ und auch deshalb seinen Vertrag beim „Kleeblatt“ bis 2015 verlängerte, kann weit mehr als nur Löcher zu stopfen und zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen hin- und herzuflitzen. Organisation, Spielaufbau, der Blick für den offensiven Pass, aber mit der Denke für die Defensive, die unterschiedlichsten Spielsituationen erkennen und richtig einschätzen – es ist ein vielschichtiger Job, den der „Achter“ im Fürther Mittelfeld ausfüllt. Der Polizist der Schaltzentrale will er aber nicht genannt werden, „bei uns ist doch jeder ein Verbrecher“, witzelt er, weshalb ihm die Attitüde eines Strategen eher entspräche.

Solche Menschen sind aus einem erfolgreichen Kollektiv nicht wegzudenken, im Mittelpunkt stehen aber häufig andere. Fürstner kennt dieses Schicksal, wirklich schlimm kann er das nicht finden. Zumal er selbst seine Momente im Rampenlicht hatte: Als er beim TSV 1860 München nach dem 1:1-Zwischenstand schnell den zweiten Fürther Treffer nachlegte, stellte das die Weichen auf Sieg. In einem dieser Spiele, die im Nachhinein richtungweisend für den Aufstieg waren. Noch dazu ist es für einen beim FC Bayern ausgebildeten „Roten“ immer etwas ganz Besonderes, gegen die „Blauen“ zu treffen. Zumal es zweifellos ein Traumtor war, wie Fürstner den Ball aus 18 Metern halblinker Position kunstvoll ins rechte obere Toreck zirkelte. „Das war das Tor des Monats, ganz klar“, befand Fürstner augenzwinkernd über seinen Kunstschuss.

Als er den Treffer feierte, lief er zunächst auch da allen davon. Erst nach einigen Metern hatten ihn die hinterherhechelnden Kollegen eingeholt. Der Mann kann eben nicht anders. „Stillsitzen konnte ich noch nie“, erinnerte sich Fürstner auch an seine Zeit als Zappelphillipp, wenn es um so profane Dinge wie Mathe und Heimat- und Sachkunde ging. Geändert hat sich das nicht. So wird er nach dem Saisonabschluss zusammen mit seiner Freundin ein paar Tage Urlaub bei seiner Mutter am Ammersee machen, alte Kumpels treffen und „ein, zwei Bierchen trinken“. Ganz in Ruhe, mal etwas ganz anderes für Fürstner. 

Florian Pöhlmann

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