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Messianisches Format wurde Dieter Hecking in Nürnberg noch nicht zugesprochen, dabei ist das recht irdische Wirken des Westfalen am Valznerweiher kaum weniger imponierend. Mit einem Sieg am Samstag (15.30 Uhr) im Borussia-Park würde der 1.FCN sogar nach Punkten mit dem aktuellen Überraschungsdritten gleichziehen.
Im Prinzip könnte der Nürnberger Weg seit jenem 22. Dezember 2009 als Blaupause für die aktuelle Entwicklung der Borussia dienen. Damals übernahm Hecking in Franken eine Mannschaft, die längst klinisch tot schien, hielt via Relegation die Klasse und setzte in der folgenden Spielzeit zu einem fast sensationellen Höhenflug an, der den vermeintlichen Abstiegskandidaten bis auf Rang sechs katapultierte. Ähnliches gelang seit seinem Dienstantritt im Februar 2011 Gladbachs Erfolgscoach Favre. Der charmante Schweizer führte das scheinbar abgeschlagene Schlusslicht noch auf Platz 16, ließ im Nachsitzen den VfL Bochum abblitzen und mischt nun mit nur marginal verändertem Personal die Liga auf. „Natürlich gibt es einen Schub, wenn man eigentlich schon abgeschrieben war und dann doch noch sein Ziel erreicht“, weiß auch Hecking um die positive Wirkung, die so ein existenzielles Erfolgserlebnis haben kann.
Doch es gibt noch mehr Parallelen zwischen beiden Fußball-Lehrern. Hecking (47) wie auch Favre (53) gelten als ambitionierte, akribische Arbeiter, die Wert legen auf ein funktionierendes Kollektiv, taktische Disziplin und eine stabile Grundordnung. So spricht Hecking denn auch von zwei Mannschaften, die „fast identisch sind“. Soll heißen: Beide Teams lassen ihrem Gegner kaum Raum zur Entfaltung, arbeiten gut „gegen den Ball“, wie es im modernen Fußballsprech heißt, und gestatten relativ wenig Torchancen. Prognosen, das Duell der Altmeister würde demnach zu einer eher unspektakulären Angelegenheit, widerspricht Hecking. „Vom Gefühl her glaube ich, dass viele Tore fallen. Hoffentlich eines mehr für uns, das wäre überragend.“ Immerhin würde der Club mit dem vierten Saisonsieg „oben reinrutschen, und wir würden uns nicht dagegen wehren“.
Warum auch? Der 1.FCN anno 2011 zelebriert zwar keinen revolutionären Zauberfußball, ist aber eben dank seiner kompakten Spielweise und individuellen Ausgeglichenheit extrem schwer zu schlagen. „Mir machen derzeit nicht nur die Punkte Spaß, sondern auch die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt“, sagt Hecking, und er sieht keinerlei Anzeichen, dass Ehrgeiz und Ernsthaftigkeit plötzlich einer allzu sorglosen Selbstzufriedenheit weichen sollten. Zumindest will der 47-Jährige im Trainingsalltag weder einen Spannungsabfall noch Überheblichkeit bemerkt haben, „und da wächst natürlich die Zuversicht, dass wir auch in Gladbach etwas mitnehmen können“. Genährt wird die Hoffnung auf den dritten Auswärtscoup nach Berlin und Köln auch durch die Rückkehr von Stürmer Tomas Pekhart, der seine Sperre verbüßt hat.
Am Niederrhein ist man sich bewusst, dass „uns eine schwierige Aufgabe“ erwartet, wie es Favre formulierte. Zugleich warnte der stets um Seriosität bemühte Eidgenosse vor überzogenen Erwartungen: „Es herrscht sicher große Euphorie, aber im Fußball kann alles sehr schnell gehen. Denken wir nur ein paar Monate zurück: Das Wunder fand schon statt.“ Selbst für personifizierte Heilsbringer sind Fußballmysterien eben nicht beliebig oft wiederholbar.

Fr. 25.05.12
Fr. 25.05.12
Fr. 25.05.12
Fr. 25.05.12
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