Analog dazu könnte das respektable 1:1 (1:1) bei Borussia Mönchengladbach nun die Hoffnung nähren, dass sich in dieser Spielzeit ganz einfach Nürnbergs schlichte Sehnsucht nach ein bisschen Mittelmaß und gepflegter Langeweile erfüllt.
Es mag zum Start gewiss schon denkwürdigere Duelle gegeben haben als dieses insgesamt leistungsgerechte Remis zweier Mannschaften, die von ihren Grundvoraussetzungen und Rahmenbedingungen ja nicht soweit auseinanderliegen, auch wenn die Borussia als letztjähriger Zwölfter wohl die etwas höheren Ambitionen anmelden darf. Beim Club aber wertete man diesen Premierenpunkt nach den eher diffusen Eindrücken aus den Testspielen und dem holprigen Pokalauftritt in Trier durchaus als dezenten Mutmacher. "Wir haben ein erstes kleines Ausrufezeichen gesetzt", konstatierte Trainer Dieter Hecking, während Sportdirektor Martin Bader den Auftritt vor 42.202 Zuschauern im Borussia-Park als Beleg sah, "dass unser Kader wettbewerbsfähig ist."
Gleich fünf Neuzugänge standen zum Start in der Anfangsformation, neben Timmy Simons, Per Nilsson und Julian Schieber hatte Hecking erwartungsgemäß auch Jens Hegeler und Mehmet Ekici das Vertrauen geschenkt - was zugleich für Marek Mintal und Christian Eigler einen Bankplatz bedeutete. Die Korrekturen machten sich bald bezahlt. Schon nach einer Viertelstunde erzielte der junge Hegeler das erste Saisontor für die phasenweise flott kombinierenden und erfreulich couragiert auftretenden Franken, als er eine präzise Flanke von Rechtsverteidiger Juri Judt unbedrängt aus fünf Metern ins Tor köpfen durfte. Es war eine verdiente Führung, denn schon vorher hatte Javier Pinola den unsicher wirkenden Keeper Logan Bailly mit einem tückischen Distanzschuss in Verlegenheit gebracht (8.). Nur eine Minute später klatschte Ekicis Schlenzer an den Pfosten, und Schiebers schwacher Nachschuss wurde abgeblockt (9.).
Die Rheinländer wirkten nach dem Rückstand nur kurz geschockt. Wieder einmal machte Mohamadou Idrissou seinem Ruf als passionierter "Club-Schreck" alle Ehre: Nach Vorarbeit von Marco Reus ließ der Neuzugang aus Freiburg im Strafraum Simons aussteigen und überwand Raphael Schäfer mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck zum 1:1. "In dieser Phase waren wir einfach zu passiv", bemängelte Hecking, der bis zur Pause bei Versuchen von Filip Daems (33.) und Michael Bradley (39.) noch zweimal kräftig durchschnaufen durfte. Auch nach dem Wechsel agierten die Gastgeber druckvoller und erspielten sich ein Chancenplus, doch war auf Schäfer einmal mehr Verlass.
Der Keeper entschärfte Schüsse von Bradley (70.) und Patrick Herrmann (87.) und rettete seiner Elf so den verdienten Zähler. Es hätten allerdings auch drei werden können, wenn Kollege Schieber in der 72. Minute nur ein bisschen Torjäger-Qualitäten bewiesen hätte. So aber scheiterte die Leihgabe des VfB Stuttgart nach feiner Vorarbeit des ansonsten zu eigensinnigen Albert Bunjaku an Bailly. "Das Tor muss ich machen", gestand der bislang glücklose Schwabe zerknirscht ein und brachte damit Nürnbergs Kardinalproblem auf den Punkt: Offensiv wirkt der Club momentan nicht wirklich durchschlagskräftiger als im letzten Jahr
Weil der Österreicher Rubin Okotie nach seiner langen Verletzungspause noch längst nicht konkurrenzfähig ist, gibt es im Sturmzentrum zu Schieber keine echte Alternative. Bundesliga-Debütant Ekici und Top-Talent Ilkay Gündogan können dank ihrer individuellen Fähigkeiten zwar aus dem Mittelfeld heraus jederzeit torgefährliche Momente kreieren, doch fehlt den jungen Deutsch-Türken noch die Konstanz. Und ob Bunjaku erneut zweistellig trifft, bleibt abzuwarten.
Defensiv präsentierte sich der Club diesmal solide. Das zuletzt gescholtene Innenverteidiger-Duo Nilsson und Andreas Wolf agierte zwar nicht fehlerfrei, aber doch relativ verlässlich. Auf der Sechser-Position wechselten beim 33-jährigen Routinier Simons, der für den belgischen Verband von Marc Wilmots beobachtet wurde, Licht (resolut geführte Zweikämpfe) und Schatten (leichtfertige Ballverluste).
Nebenmann Hegeler glänzte nicht nur als Torschütze, sondern gefiel auch durch gute Ballbehandlung und eine überlegte Spieleröffnung. Auch wenn insgesamt also die positiven Aspekte überwogen, fiel Heckings Resumee am Sonntag betont uneuphorisch aus. "Für das erste Spiel war es in Ordnung. Nicht mehr und nicht weniger", konstatierte der Westfale.
Und auch Bader freute sich über "ein kleines Erfolgserlebnis", das "natürlich gut fürs Selbstvertrauen" sei, vergaß aber nicht, den Fokus sogleich auf das folgende Heimspiel am Samstag gegen den SC Freiburg zu richten: "Da sind drei Punkte Pflicht." Vor allem, wenn man endlich mal eine ganz normale Saison erleben möchte.
Mönchengladbach: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Daems - Bradley, Marx - Reus, Arango (83. Herrmann) - Matmour (64. Bobadilla), Idrissou.
Nürnberg: Schäfer - Judt, Wolf, Nilsson, Pinola (67. Bieler) - Hegeler, Simons - Ekici (73. Eigler), Gündogan, Bunjaku (86. Frantz) - Schieber.
SR: Gagelmann (Bremen) / Tore: 0:1 Hegeler (15.), 1:1 Idrissou (31.) / Zuschauer: 42.202 / Gelbe Karte: - Schäfer.