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Ein "Tor-Phantom" auf Tauchstation

Mehmet Ekici ist dabei, Marek Mintal den Rang abzulaufen - 19.08. 09:16 Uhr

NÜRNBERG   - Seine Verdienste um den 1.FC Nürnberg sind gewiss noch nicht lange genug her, als dass man sie vergessen haben könnte. Sie sind unbestritten, aber auch ein bisschen angestaubt. Und wie es eben so ist mit Meriten, man hat sie sich meist in der Vergangenheit verdient. Aktive Fußballer können jedoch nur einen überschaubaren Zeitraum davon zehren, ehe der Trainer einem Nachfolger das Vertrauen schenkt. Erst nach dem Ende einer Karriere bleibt Zeit für Sentimentalitäten; um den schönsten Momenten hinterherzuhängen. Doch ans Aufhören denkt Marek Mintal sicher nicht - obwohl das "Tor-Phantom" seit geraumer Zeit auf Tauchstation ist.


Ein Bild mit Symbolcharakter: Marek Mintal (links) verlässt das Feld und muss es - wie hier im Pokalspiel gegen Trier - Mehmet Ekici überlassen.
Ein Bild mit Symbolcharakter: Marek Mintal (links) verlässt das Feld und muss es - wie hier im Pokalspiel gegen Trier - Mehmet Ekici überlassen.
Foto: Wolfgang Zink

Mintal als Auslaufmodell zu bezeichnen, klingt in vielen Ohren sicher wie reine Blasphemie. Denn seine spielerischen Qualitäten sind nach wie vor exzellent. Sein Schuss platziert. Seine Physis absolut bundesligatauglich, ja sogar vorbildlich. Nur sein Torriecher, und damit auch seine Daseinsberechtigung im Team eines Bundesligisten ist ihm abgängig. Mintal wirkt wie ein Boxer, dessen gefährlichster Schlag ohne Wirkung verpufft. Und die Zeit, weiter auf einen Lucky Punch zu warten, rennt ihm davon. In Mehmet Ekici drängt jemand nach, der dieselben Veranlagungen wie Mintal in sich trägt und anscheinend auch dessen Torinstinkt geerbt hat.

Im letzten Testspiel gegen Duisburg wie auch im Pokalspiel gegen Trier nahm Dieter Hecking Mintal vom Feld und brachte stattdessen den 20-jährigen Ekici. Um diesen Wechsel als Andeutung einer Wachablösung zu interpretieren, muss man kein Prophet sein. Zumal der Rollentausch auch noch Wirkung zeigt. Der Joker trifft fast nach Belieben, während das ehrwürdige "Phantom" um Anerkennung ringt.

"Ich bin hierhergekommen, um zu spielen. Ich möchte der Mannschaft weiterhelfen", sagt ein selbstbewusster Ekici. Auch Hecking rechnet mit der Ungeduld des Bayern-Leihspielers und ergänzt: "Er wird auf Dauer nicht damit zufrieden sein, nur eingewechselt zu werden." Vielleicht liegt es auch an der Duftmarke die Ekici innerhalb kurzer Zeit gesetzt hat, dass Mintals Lachen einer ernsteren Miene gewichen ist. Der Slowake lässt sich seine Unzufriedenheit anmerken. Wie im gestrigen Training. Als Hecking in einem Übungsspiel eine Formation ohne ihn probte, entlud sich Mintals Wut mit einem präzisen Tritt gegen eine am Boden liegende Wasserflasche. Geschätzte 20 Meter flog das Ding durch die Luft, half aber nur bedingt beim Frustabbau.

In zwei Wochen feiert Mintal seinen 33. Geburtstag. Eine Zukunft im Verein ist ihm sicher, alleine wegen seiner Verdienste. "Wir würden einen Marek Mintal niemals wegschicken", sagt Hecking. Ob das "Tor-Phantom" aber auf dem Platz noch einmal auftaucht, liegt nicht mehr nur an ihm. 



Stefan Jablonka

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