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Erfolgreicher FCN-Nachwuchs hat noch Luft nach oben

NZ-Interview mit Club-Jugendchef Rainer Zietsch - 01.07.2012 15:34 Uhr

NÜRNBERG  - Eine insgesamt zufriedene Bilanz zieht Rainer Zietsch, der Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums des 1. FC Nürnberg, für die zurückliegende Saison: Die A-Junioren standen im Halbfinale des DFB-Pokals, die B-Junioren waren eines der vier besten deutschen „U 17“-Teams. Im NZ-Gespräch blickte der Ex-Profi auch voraus auf die nächste Spielzeit.

Rainer Zietsch leitet das Nachwuchs-Leistungszentrums des 1. FC Nürnberg.
Rainer Zietsch leitet das Nachwuchs-Leistungszentrums des 1. FC Nürnberg.
Foto: Sportfoto Zink
Rainer Zietsch leitet das Nachwuchs-Leistungszentrums des 1. FC Nürnberg.
Rainer Zietsch leitet das Nachwuchs-Leistungszentrums des 1. FC Nürnberg.
Foto: Sportfoto Zink

NZ: Herr Zietsch, der Valznerweiher scheint ein schlechtes Pflaster für Halbfinalspiele zu sein ...

Rainer Zietsch: Wir betrachten es als Erfolg, dass wir mit der „U19“ das Pokal-Halbfinale und mit der „U 17“ das Meisterschafts-Halbfinale erreicht haben. Natürlich hätten wir unseren Mannschaften gewünscht, in einem Finale zu stehen, aber so haben wir noch Luft für die nächsten Jahre, um uns weiterzuentwickeln.

NZ: Die „U 23“ hat eine durchwachsene Saison hinter sich ...
Zietsch: Wir haben die Mannschaft vor der letzten Saison bewusst sehr jung gehalten, von daher haben wir einkalkuliert, dass es am Anfang holpriger laufen würde. Die Entwicklung hat bei dem einen oder anderen Spieler sicher etwas länger gedauert, aber die Truppe hat am Ende der Vorrunde richtig gut gespielt und gute Ergebnisse erzielt. Beim einen oder anderen Spieler hatten wir auf eine schnellere Entwicklung gehofft. Grundsätzlich hat die Mannschaft auch in der letzten Saison ihren Zweck absolut erfüllt und viele Spieler – sowohl die von den Profis abgestellten als auch unsere jungen – konnten sich weiterentwickeln.

NZ: Gerade bei der „U 23“ gab es wieder eine große Fluktuation ...
Zietsch: Es ist kein außergewöhnlicher Umbruch. Wir haben wieder einen 18-Mann-Kader, also ein eher kleiner Kader. Dazu kommen Spieler, die bei den Profis trainieren, aber bei uns spielen.


Im letzten Heimspiel verabschiedeten Rainer Zietsch (links) und Dieter Nüssing (rechts) zahlreiche bisherige "U 23"-Spieler des 1. FCN: Nicolas Görtler, Mümin Kara, Tim Eckstein, Sebastian Mützel und Wal Fall (von links).
Im letzten Heimspiel verabschiedeten Rainer Zietsch (links) und Dieter Nüssing (rechts) zahlreiche bisherige "U 23"-Spieler des 1. FCN: Nicolas Görtler, Mümin Kara, Tim Eckstein, Sebastian Mützel und Wal Fall (von links).
Foto: Sportfoto Zink
Im letzten Heimspiel verabschiedeten Rainer Zietsch (links) und Dieter Nüssing (rechts) zahlreiche bisherige "U 23"-Spieler des 1. FCN: Nicolas Görtler, Mümin Kara, Tim Eckstein, Sebastian Mützel und Wal Fall (von links).
Im letzten Heimspiel verabschiedeten Rainer Zietsch (links) und Dieter Nüssing (rechts) zahlreiche bisherige "U 23"-Spieler des 1. FCN: Nicolas Görtler, Mümin Kara, Tim Eckstein, Sebastian Mützel und Wal Fall (von links).
Foto: Sportfoto Zink

NZ: Sie haben das „Problem“ angedeutet: Von den Profis kommen immer wieder Spieler, und einige derjenigen, die regelmäßig in der „U 23“ trainieren, sitzen dann auf der Bank. Wie gehen Sie damit um?
Zietsch: Ich sehe das nicht als Problem, sondern eher als Vorteil, da die Spieler der „U 23“ dadurch einen engen Kontakt mit Profispielern haben, von denen sie auch viel mitnehmen können. Grundsätzlich gehen wir mit Offenheit an die Sache. Unseren Trainern und den Spielern wird im Vorfeld klar aufgezeigt, was sie erwartet, dass es sein kann, dass Spieler vielleicht nur auf der Bank oder nicht einmal dort sitzen, wenn am Wochenende Spieler von den Profis kommen. Damit sind wir bisher sehr gut gefahren. Sicher ist das, auch für die Trainer, nicht immer ganz einfach, andererseits hat jeder Spieler durch diese Konstellation die Möglichkeit, durch gute Leistungen sehr schnell nach oben zu kommen.


NZ: Sie haben für die „U 23“ zwei erfahrene Spieler als Leitwölfe geholt, Marek Mintal und Christian Bergmann als zweiten Torwart ...
Zietsch: Ja. Wir haben uns gefragt, wie wir den jungen Spielern noch besser helfen können.Vergangene Saison hatten wir fast nur Junge, hatten mit Michael Kammermeyer nur einen Älteren im Kader. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Jugend mehr Orientierung braucht – und dass sich die Möglichkeit mit Marek Mintal ergeben hat, ist für uns natürlich ideal, denn ein besseres Vorbild als so einen Top-Profi gibt es nicht für die jungen Spieler. Wir wollten eine Achse bilden, einen erfahrenen Innenverteidiger oder Torwart dazu holen. Torwart zu sein ist bei uns nicht einfach: Wir haben aktuell viele junge Torhüter, wie Patrick Rakovsky und Bejamin Uphoff, die Spielpraxis benötigen. Das bedeutete, dass wir einen Torwart brauchten, dessen Hauptintention es nicht unbedingt ist zu spielen. Gleichzeitig muss er mit helfen, die jungen Spieler an den Profi-Bereich heranzuführen. Da haben wir in Christian Bergmann den optimalen Mann gefunden, der schon einmal hier beim Club war, den Verein kennt und eine große Erfahrung mitbringt. Er soll zusammen mit Marek den jungen Spielern gewisse Dinge vorleben und natürlich auch eingreifen, wenn es in der Mannschaft einmal nicht so läuft.


Als Sinan Tekerci Anfang März gegen Hertha BSC zum 2:1 einnetzte, hofften die A-Junioren des Clubs noch auf das Finale im DFB-Pokal ...
Als Sinan Tekerci Anfang März gegen Hertha BSC zum 2:1 einnetzte, hofften die A-Junioren des Clubs noch auf das Finale im DFB-Pokal ...
Foto: Sportfoto Zink
Als Sinan Tekerci Anfang März gegen Hertha BSC zum 2:1 einnetzte, hofften die A-Junioren des Clubs noch auf das Finale im DFB-Pokal ...
Als Sinan Tekerci Anfang März gegen Hertha BSC zum 2:1 einnetzte, hofften die A-Junioren des Clubs noch auf das Finale im DFB-Pokal ...
Foto: Sportfoto Zink

NZ: Die „U 19“ hat ebenfalls eine durchwachsene Saison hinter sich, hat in einer sehr engen Bundesliga-Staffel Süd/Südwest relativ spät den Klassenerhalt gesichert. Da haben sich Hoffnungen, die Sie vor der Saison hatten, nicht unbedingt erfüllt?

Zietsch: Die Mannschaft ist gut in die Saison gestartet, war bis kurz vor Weihnachten vorne mit dabei. Leider ging es in der Rückrunde nicht so positiv weiter. Es gab intern einige Probleme mit Spielern, das hat sich leider in den Leistungen widergespiegelt, so dass wir auf Grund der Enge der Liga zum Ende hin sogar in Abstiegsgefahr geraten sind. Die Mannschaft hat sich letztlich aber zusammengerissen und es gut geschafft. Sicher hätte sie aber mehr erreichen können.


Am Ende des Meisterschafts-Halbfinales und der 1:4-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart lag Niklas Stark, der Kaitän der Club-"U 17", am Boden, während Matchwinner Timo Werner jubelte.
Am Ende des Meisterschafts-Halbfinales und der 1:4-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart lag Niklas Stark, der Kaitän der Club-"U 17", am Boden, während Matchwinner Timo Werner jubelte.
Foto: Sportfoto Zink
Am Ende des Meisterschafts-Halbfinales und der 1:4-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart lag Niklas Stark, der Kaitän der Club-"U 17", am Boden, während Matchwinner Timo Werner jubelte.
Am Ende des Meisterschafts-Halbfinales und der 1:4-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart lag Niklas Stark, der Kaitän der Club-"U 17", am Boden, während Matchwinner Timo Werner jubelte.
Foto: Sportfoto Zink

NZ: Das heißt, es kann nächste Saison eigentlich fast nur besser werden? Schließlich rückt ja praktisch die komplette „U17“ auf, die in der vergangenen Saison das Aushängeschild war.
Zietsch: Man kann das nicht immer eins zu eins übertragen. Die diesjährige „U 19“ hat trotz der holprigen Saison ihren Zweck erfüllt, weil viele Spieler des 93er Jahrgangs in die „U 23“ aufrücken konnten oder schon vorzeitig „hochgeschoben“ worden sind. Nächstes Jahr wird eine große Anzahl der „95er“, also die „U 17“-Spieler, in die „U 19“ kommen. Dort müssen sich die Jungs aber auch erst einmal behaupten. Natürlich haben sie eine überragende Saison gespielt, in diesem Team stecken viele interessante Spieler mit großem Potenzial. Aber jetzt fängt die Saison wieder von vorne an, und jeder muss bereit sein, den nächsten Schritt zu gehen.

NZ: Mit Pascal Itter und Niklas Stark waren zwei Club-Spieler im DFB-Aufgebot, das „U 17“-Vizeeuropameister geworden ist. Das ist für die Außenwirkung des Vereins sehr schön und hilfreich. Andererseits fehlen die Spieler oft im Trainingsbetrieb, wenn sie beim DFB sind ...
Zietsch: Das stimmt, aber letztlich ist das für die Jungs eine überragende Erfahrung, die ihnen auf dem Weg zu den Profis enorm hilft. Von daher freuen wir uns mehr über die DFB-Berufungen unserer Spieler. Weniger der Trainingsbetrieb leidet, schwieriger ist es oft, die parallele Ausbildung der Jungs hinzubekommen. Die wichtigste Aufgabe bleibt, dass sie ihre schulischen Ziele erreichen. Den Trainingsbetrieb bekommen unsere Trainer hin, da haben sie inzwischen viel Erfahrung.

NZ: Sie gehen mit den bisherigen Cheftrainern in die nächste Saison?
Zietsch: Ja, das ist richtig. Wir wollen Kontinuität im Trainerteam, das ist sicher auch eine Stärke von uns, und die wollen wir weiterhin ausspielen.

NZ: Einen Wechsel gibt es, der sicherlich auch in der Club-Szene aufmerksam wahrgenommen wird: Helmut „Alu“ Rahner, bislang Co-Trainer der A-Junioren, ist in der nächsten Saison nicht mehr mit dabei.
Zietsch: Richtig. Sein Vertrag ist ausgelaufen, wir haben zusammen entschieden, dass beide Seiten etwas Neues suchen, „Alu“ hat hier acht Jahre richtig gut gearbeitet, und wir wünschen ihm viel Glück, dass er den nächsten Schritt macht, als hauptverantwortlicher Trainer mit einer Mannschaft zu arbeiten.

NZ: Abschließend noch ein Wort zu Marek Mintal – er hat eine enorme Außenwirkung. Er wird sicher mehr Zuschauer ins Stadion locken, und auch die Gastgeber bei Auswärtsspielen dürften sich über ihn freuen.
Zietsch: Davon bin ich überzeugt. Zusätzlich wird die neue Struktur der Liga, mit den vielen Derbys Fans anlocken. Dort mit Marek Mintal, einem unserer überragenden Spieler der letzten Jahre, aufzulaufen, wird das noch verstärken. Für uns ist entscheidend, dass wir Marek für die Mannschaft haben, er als Ansprechpartner und Orientierung für die jungen Spieler da ist – für diese Aufgabe hätten wir uns keinen besseren wünschen können. Deshalbsind wir sehr froh, dass Marek sich dieser Aufgabe noch einmal stellt. 

Philipp Roser


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