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Esswein will kein Jo-Jo-Fußballer sein

Metamorphose vom schlampigen Genie zum eiskalten Vollstrecker - 27.02.2012 20:30 Uhr

In der 65. Minute, mitten in einer Bremer Drangperiode, schlägt der Club zu: Balitsch sieht auf dem rechten Flügel Hegeler, der passt direkt flach nach innen wo Alex Esswein plötzlich völlig freisteht. Esswein behält die Nerven und schiebt den Ball flach ins lange Eck.

In der 65. Minute, mitten in einer Bremer Drangperiode, schlägt der Club zu: Balitsch sieht auf dem rechten Flügel Hegeler, der passt direkt flach nach innen wo Alex Esswein plötzlich völlig freisteht. Esswein behält die Nerven und schiebt den Ball flach ins lange Eck. © dpa


Der 21-Jährige blüht auf, seitdem ihm der Trainer mit der Holzhammer-Methode das Profi-Einmaleins eingetrichtert hat. „In der Bundesliga kann man nicht Jo-Jo-Fußball spielen. Das kann nicht funktionieren“, befand Hecking.

Essweins Potenzial ist unbestritten. Es regt fast schon zum Schwärmen an. Der Vergleich mit Barcelonas Messi verbietet sich natürlich, bietet sich aber auch ein wenig an: „Essi statt Messi“ könnte irgendwann mal auf einem Fan-Plakat stehen. Zumindest in Sachen Tempo könnte er es mit dem Weltfußballer aufnehmen. Esswein spielte sich oft in gute Situationen, entschied sich aber meist für das Falsche. Statt sich vom Ball zu trennen, dribbelte er ins Toraus. Blickte er doch einmal zum Nebenmann herüber, passte er den Ball zu schlampig.

Heckings Vertrauen schien unerschütterlich. Er sprach von Esswein gerne als Waffe, wenn er dessen Fähigkeiten beschreiben sollte. Doch an Effizienz mangelte es gewaltig. In Wolfsburg und Augsburg erwies sich Esswein als Chancentod, als er erstklassige Möglichkeiten vergab.

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Mit einer kämpferischen und engagierten Mannschaftsleistung konnte sich der 1. FC Nürnberg überraschend gegen den SV Werder Bremen durchsetzen und sich weiter von den Abstiegsplätzen entfernen. So bewertete die NZ-Sportredaktion die Elf von Dieter Hecking.


Irgendwann ging Heckings Geduld zur Neige. Im Winter machte er bereits deutlich, dass er nicht immer zwei Jahre warten könne, bis Spieler in ihrer Entwicklung den nächsten Schritt machen. Auch Esswein durfte sich angesprochen fühlen. In Wolfsburg betrat er unter Coach Felix Magath in der Saison 2009/10 die große Bundesligabühne.

Der Durchbruch stand aber immer nur bevor. Zuletzt stagnierte seine Entwicklung auch in Nürnberg. Im Abschlusstraining vor dem Spiel in Augsburg erreichte er seinen Tiefpunkt: Hecking strich ihn, Daniel Didavi und Jens Hegeler wegen ungenügender Trainingsleistungen aus der Startelf.

Esswein wurde später eingewechselt und hätte sich mit einem Tor rehabilitieren können. Doch er zielte überhastet vorbei. Dafür traf Heckings Denkzettel mitten ins Herz. „Das Thema ist abgehakt. Der Trainer hat gesagt, dass es weitergeht, und ich habe gleich wieder Gas gegeben“, blickt Esswein zurück.

Und wie! Im Heimspiel gegen den 1.FC Köln (2:1) erzielte er den wichtigen Führungstreffer, in Bremen setzte er nun abgezockt das „goldene Tor“ zum 1:0-Sieg drauf. „Ob das abgezockt war, weiß ich nicht. Der Ball kommt unverhofft zu mir, und ich schiebe ihn gegen die Laufrichtung vom Torwart. Da hat er keine Chance“, gab sich der „U21“-Nationalspieler bescheiden, zeigte sich aber auch geläutert: „Jeder hat begriffen worum es geht.“

Nicht zuletzt er, wie Trainer Hecking zu verstehen gibt: „Nein, er ist kein Phänomen. Es ist einfach so, dass er jetzt langsam begreift, dass Jugendfußball ,out‘ und Profifußball angesagt ist. Und wenn er dann so arbeitet, belohnt er sich selber.“ Das Selbstvertrauen sollte nicht nur bei Esswein gewachsen sein: „Ich hoffe, dass die Mannschaft erkannt hat, wie gut sie eigentlich ist“, sagte Hecking. 

Stefan Jablonka

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