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Evan Kaufmann, Enkel eines Holocaust-Opfers, spielt für Deutschland

Düsseldorfer Stürmerstar bei den Ice Tigers als Neuzugang gehandelt - 07.02. 17:30 Uhr

DÜSSELDORF/NÜRNBERG  - Evan Kaufmanns Debüt in der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft ist bemerkenswert. Sein Großvater Kurt wanderte als Überlebender des Holocausts einst in die USA aus. Nie wieder sprach er ein deutsches Wort. Am Freitag will sein Enkel dennoch für Deutschland spielen.

Der Düsseldorfer Evan Kaufmann wird auch bei den Ice Tigers als Neuzugang gehandelt.
Der Düsseldorfer Evan Kaufmann wird auch bei den Ice Tigers als Neuzugang gehandelt.
Foto: Wolfgang Zink
Der Düsseldorfer Evan Kaufmann wird auch bei den Ice Tigers als Neuzugang gehandelt.
Der Düsseldorfer Evan Kaufmann wird auch bei den Ice Tigers als Neuzugang gehandelt.
Foto: Wolfgang Zink

Evan Kaufmann hat seinen Frieden mit Deutschland gemacht. Am Freitag will der Eishockey-Profi der DEG Metro Stars erstmals für das Land spielen, das unter dem Nazi-Regime für die Ermordung vieler Mitglieder seiner jüdischen Familie verantwortlich war.

„Mein Großvater hat seine Eltern nie wieder gesehen und konnte auch etwa eine Handvoll seiner Cousins und Cousinen nicht mehr finden“, erzählt Kaufmann. Evan entschied sich trotzdem für das deutsche Nationalteam, mit dem er nun beim Vier-Nationen-Turnier Belarus-Cup an diesem Wochenende in Minsk antritt. „Ich musste nicht groß darüber nachdenken. Das ist eine große Ehre.“



Diesen Satz sagen Sportler oft, wenn sie das erste Mal ins Nationalteam berufen werden. In Kaufmanns Fall ist er keine Phrase. Ungewöhnlich ist sein Debüt nicht nur, weil Kaufmann 1984 in den USA in Minnesota geboren wurde. Bemerkenswert ist es wegen seiner Familiengeschichte. Am Freitag gegen Weißrussland wird er zum ersten Mal als Nationalspieler die deutsche Hymne hören. „Das wird ein sehr emotionaler Moment für mich. Ich werde sicher sehr nervös sein“, bekennt Kaufmann.

Zum ersten Mal überhaupt schildert er einem Journalisten die Geschichte seines Großvaters Kurt, der an der Mosel aufwuchs, den Nazi-Terror in Köln und später im KZ überlebte und traumatisiert mit seiner Schwester in die USA floh. Kaufmann, nach nun fast vier Jahren in Düsseldorf durchaus des Deutschen mächtig, spricht dabei lieber auf Englisch. In den USA wurde bei den Kaufmanns nie wieder Deutsch geredet.

„Es war sehr hart für ihn, er hat nie groß darüber sprechen wollen“, berichtet Kaufmann. Mittlerweile gibt es dazu auch keine Chance mehr, Kurt kann seinen Enkel im deutschen Trikot nicht mehr sehen. Er ist in den 1990er Jahren gestorben. Gewissensbisse hat Evan nicht. Der Eishockey-Profi ist sich sicher: „Mein Großvater wäre sehr stolz.“ Vielleicht hätte auch Kurt Kaufmann am Freitag seinen Frieden mit Deutschland machen können.


So jubelt Evan Kaufmann für Düsseldorf, bald will er für die deutsche Nationalmannschaft dasselbe tun. Nicht selbstverständlich bei der Vergangenheit.
So jubelt Evan Kaufmann für Düsseldorf, bald will er für die deutsche Nationalmannschaft dasselbe tun. Nicht selbstverständlich bei der Vergangenheit.
Foto: dpa
So jubelt Evan Kaufmann für Düsseldorf, bald will er für die deutsche Nationalmannschaft dasselbe tun. Nicht selbstverständlich bei der Vergangenheit.
So jubelt Evan Kaufmann für Düsseldorf, bald will er für die deutsche Nationalmannschaft dasselbe tun. Nicht selbstverständlich bei der Vergangenheit.
Foto: dpa

Bei Evan waren es „gemischte Gefühle“, als er 2008 vom Interesse aus Deutschland erfuhr. „Ich habe nie daran gedacht, nach Deutschland zu kommen.“ Niemand aus seiner Familie war nach dem Krieg wieder in Europa, geschweige denn in Deutschland. Kaufmann aber wagte den Schritt – und bereute ihn nicht. „Es war alles sehr positiv. Ich bin super aufgenommen worden und fühlte mich auf Anhieb in Düsseldorf sehr wohl.“

Seine Eltern kommen regelmäßig zu Besuch. „Jede Saison kommen sie rüber. Sie haben auch gesehen, wie gut es uns hier geht. Das war beruhigend für sie.“ Gemeinsam besuchten sie die Heimat von Evans Opa an der Mosel. „Die Älteren konnten sich sogar noch an ihn erinnern. Das war ein sehr emotionaler Moment“, erinnert sich Kaufmann.

Auch sportlich läuft es gut. Kaufmann nahm früh die deutsche Staatsbürgerschaft an, um das Kontingent an ausländischen Spielern nicht zu belasten. Beständig gehört er zu den besten Scorern in der DEL, stand mit der DEG sogar einmal im Finale um die deutsche Meisterschaft. Irgendwann wollte Bundestrainer Jakob Kölliker, dass Kaufmann für Deutschland spielt. „Er ist mir direkt aufgefallen. Er schießt konstant Tore“, so Kölliker am Rande des Deutschland Cups im vergangenen November.

Damals musste Kaufmann verletzt absagen, nun gibt es eine neue Chance. Die Familiengeschichte Kaufmanns kennt Kölliker nicht – zumindest nicht vom Spieler. „Ich selbst habe nicht mit ihm darüber gesprochen“, meint Kaufmann, der ohnehin nicht gerne darüber redet. „Ich habe da nie eine große Sache draus gemacht. Meine Teamkollegen wissen, dass ich Jude bin.“

Gut möglich, dass Kaufmann in der kommenden Saison das Trikot der Thomas Sabo Ice Tigers trägt. Nach dem Ausstieg des DEG-Hauptsponsors Metro kann Düsseldorf kein Angebot machen, das Kaufmanns Klasse entspricht. Nürnbergs Manager Lorenz Funk würde dagegen den 27-jährigen Außenstürmer liebend gern verpflichten. 



dpa/NZ

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Kurzbeschreibung:
Die Nürnberg Ice Tigers sind ein Verein in der Deutschen Eishockey Liga DEL; seit Mai 2009 firmiert die Mannschaft unter dem Namen Thomas Sabo Ice Tigers. Hervorgegangen ist das Profiteam aus dem Eishockeycklub EHC 80 Nürnberg, der seit 2009 auch wieder als Stammverein fungiert. Heimspielstätte ist seit 2001 die Arena Nürnberger Versicherung. Die größten Erfolge waren bislang die erreichten Meisterschafts-Finalserien in den Jahren 1999 und 2007, in denen die Nürnberger jeweils an Rekordmeister Adler Mannheim scheiterten. Nach der Trennung von Headcoach Andreas Brockmann nach drei verlorenen Spielen zum Saisonauftakt 2011/12 werden die Ice Tigers seit dem 26. September 2011 vom ehemaligen Nationalspieler Peter Draisaitl trainiert.


Der Ice-Tigers-Kader in der Saison 2011/12

Galerie Kader 1. FC Nürnberg 2011/12