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Seit kurzem lockert ein weiterer internationaler Farbtupfer das rot-schwarze Fahnenmeer auf: Es ist ein blau-weißes Banner mit Davidsstern, und es weht zu Ehren von Almog Cohen.
Der aktuell einzige israelische Bundesliga-Profi ist auf dem besten Weg, sich in Franken als Publikumsliebling zu etablieren. Auch beim 3:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt bot Cohen eine imponierende Energieleistung, die er mit seinem zweiten Saisontor krönte. „Ich wusste gar nicht, dass Almog so weit schießen kann“, frotzelte Trainer Dieter Hecking, nachdem der Mittelfeldmann den Ball aus rund 20 Metern zum 3:0 ins Netz gejagt hatte. Dabei hatte sich Hecking noch im Trainingslager in Belek über Cohens lahme „Micky-Maus-Schüsschen“ lustig gemacht.
Cohen bejubelte seinen späten Glücksmoment mit weit ausgebreiteten Armen, wollte dem schönen Schlusspunkt dieses „perfekten Spiels“ dann aber gar keine große Bedeutung mehr beimessen: „Das“, winkte er bescheiden ab, „war doch nur ein Bonus.“ Nun gehört Toreschießen tatsächlich nicht zu den primären Aufgaben des quirligen Grätschers, der nicht nur optisch immer mehr an sein Idol, den italienischen Nationalspieler Gennaro Gattuso, erinnert. In erster Linie sind es Cohens aggressives Forechecking, seine immense Laufbereitschaft und sein nie erlahmender Kampfgeist, die ihn für das Club-Spiel längst unverzichtbar machen.
„Almog ist ein lustiger Typ, der viele Scherze macht. Aber auf dem Platz“, sagt Kapitän Andreas Wolf mit irgendwie diabolischem Grinsen, „geht er gnadenlos dazwischen.“ Aus dem Mund eines eisenharten Abwehrrecken wie Wolf kommt so ein Urteil fast schon einem Ritterschlag gleich. Aber auch der Trainer weiß um die Qualitäten des Neuzugangs von Maccabi Netanya. „Almog füllt die Lücke, die Ilkay Gündogan durch seine Verletzung hinterlassen hat, überragend aus – wenn auch durch ganz andere Stärken“, lobt Hecking, „es macht einfach Spaß, ihm zuzuschauen.“
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Gegnerische Trainer mögen dies bisweilen etwas anders bewerten. So mokierte sich Jupp Heynckes nach der Leverkusener 0:1-Pleite in Nürnberg bekanntlich über das seiner Meinung nach zu rustikale Einsteigen des Gastgebers und stellte namentlich Cohen als bösen Buben an den Pranger. In der Tat hätte sich der schwarzhaarige Irrwisch damals über eine Ampelkarte kaum beschweren können, doch prinzipiell wehrt sich Cohen gegen das drohende Image eines unfairen Treters. „Ich versuche immer, den Ball zu erwischen“, beteuert er. Und dass man „ab und zu Gelb sieht, das gehört beim Fußball eben dazu“.
Allerdings scheint der Nationalspieler inzwischen genau zu wissen, wann er sein Temperament zügeln muss. Auch gegen Frankfurt war er in seinem Tatendrang durch eine frühe Verwarnung gehandicapt, doch meisterte er die knifflige Gratwanderung zwischen nötiger Zweikampfhärte und strikter Beachtung der Regeln ohne Probleme. „Ich habe mir eigentlich nie Sorgen gemacht, dass er Gelb-Rot sehen könnte“, betonte Hecking.
Gesperrt ist Cohen im nächsten Auswärtsspiel auf Schalke dennoch – die fünfte Verwarnung am Freitag war eine zu viel. Der 22-Jährige findet’s schade, will die Mannschaft aber „von außen unterstützen, damit wir unsere Serie fortsetzen können.“ Die Aufgabe in Gelsenkirchen sei zwar schwierig, „aber alles ist möglich“. Ein Satz, mit dem sich wohl auch Cohens furioses Premierenjahr in Nürnberg trefflich beschreiben ließe.

Do. 24.05.12
Do. 24.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12