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FIFA testete in Nürnberg das Erlanger „Torlinien-System“

Kameras oder Magnetfeld? - 08.06.2012 19:11 Uhr

Mit einer "Ballschuss-Maschine" feuerten die Schweizer EMPA-Mitarbeiter auf die Wand, die erst vor, dann auf und schließlich hinter der Torlinie stand.

Mit einer "Ballschuss-Maschine" feuerten die Schweizer EMPA-Mitarbeiter auf die Wand, die erst vor, dann auf und schließlich hinter der Torlinie stand. © Sportfoto Zink


Zwei Tage lang weilten bis Freitag Mitarbeiter der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA, quasi der Schweizer TÜV) in Nürnberg, um im Stadion die vom Erlanger Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) entwickelte Torlinientechnik „Goalref“ in der Praxis auf Herz und Nieren zu prüfen – ähnlich wie sie es zuvor in England mit dem dort kreierten „Hawkeye“ getan hatten. Vom Urteil der Schweizer wird es abhängen, ob und welches System das IFAB zulässt.

Während beim „Hawkeye“ zahlreiche Kameras zum Einsatz kommen, basiert die IIS-Technik auf einem Magnetfeld am Tor – über seine Uhr erhält der Schiedsrichter in weniger als einer Sekunde ein Funksignal, sobald der Ball die Torlinie mit vollem Durchmesser überschritten hat. Es handle sich um eine ähnliche Technik wie beim Diebstahlschutz in Kaufhäusern, so Fraunhofer-Abteilungsleiter Thomas von der Grün. Zehn Antennen an Pfosten und Latte sowie drei im Ball verarbeiten dabei die magnetischen Felder, auf denen das System basiert.

Zahlreiche in- und ausländische Medienvertreter waren zur „Goalref“-Präsentation ins Stadion gekommen.

Zahlreiche in- und ausländische Medienvertreter waren zur „Goalref“-Präsentation ins Stadion gekommen. © Sportfoto Zink


Am Ende einer mehrstufigen Testphase entscheidet die FIFA über die Zulassung der Systeme: Hatten sich anfangs neun Firmen mit ihren Erfindungen beworben, blieben am Ende „Hawkeye“ und „Goalref“ übrig. Sollten beide Systeme grünes Licht erhalten, liegt es an den einzelnen Verbänden und Ligen zu entscheiden, ob und welches sie einsetzen, erläuterte FIFA-Mitarbeiter Alex Stone bei einer Infoveranstaltung in Nürnberg, zu der ein Dutzend TV-Teams sowie zahlreiche Medienvertreter aus dem In- und Ausland angereist waren. Rein theoretisch könnten beide auch kombiniert und sogar noch durch die in der Champions League getesteten Torschiedsrichter ergänzt werden, wenn das IFAB deren weiteren Einsatz genehmigen sollte.

Immer wieder gefragt: Wann können die neuen Techniken eingesetzt werden? „Theoretisch ab dem Tag nach der IFAB-Entscheidung“, so Stone. Für realistischer hält er den März 2013, wenn die US-Profi-Liga MLS wieder startet – „so sie sich dafür entscheidet“. Zurückhaltender gab sich Fraunhofer-Direktor Albert Heuberger, der mit „ein bis zwei Saisons“ rechnet.

Hierzulande müssen sich DFB und DFL samt den Vereinen einigen, ob und auf welche Technik sie zugreifen, was letztlich auch eine Kostenfrage sein dürfte. Dann müssen die Anlagen gebaut, in jedem Stadion installiert und anschließend einzeln von der EMPA zertifiziert werden. Dabei riet Heuberger zu „sachtem und zurückhaltendem“ Vorgehen. Drei Jahre lang hat ein zehnköpfiges Fraunhofer-Team den „Goalref“ entwickelt, was „viel ingenieurtechnische und wissenschaftliche Arbeit“ erfordert habe: „Das ist keine Bastelei, da ist Wissenschaft gefragt“, betonte Heuberger.

Eines bleibt zumindest bis zu einer anderslautenden FIFA-Entscheidung unverändert: Das neue System solle lediglich ein Hilfsmittel für den Schiedsrichter sein, das dessen Arbeit auf keinen Fall komplizierter machen dürfe, sagte Stone: „Das letzte Wort hat weiterhin der Referee!“ 

Philipp Roser

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