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Obendrein hatte die Spielvereinigung nach abwechslungsreichen 90 Minuten gegen eine letztlich überforderte Elf aus Ostwestfalen nachgewiesen, dass ihre Mannschaft weit mehr ist als lediglich die Summe ihrer Einzelteile. Auffällig vereinen sich in dieser Spielzeit so einige Komponenten eines Erfolgspuzzles, die in den zurückliegenden eineinhalb Jahrzehnten im Fußball-Unterhaus allenfalls partiell auszumachen waren. Diesmal streben die Fürther mit aller Macht ins Oberhaus und sind auf ihrer „un-Aufsteigbar-Tour“ dem großen Ziel mit dem Sieg über Paderborn wieder einen Schritt näher gekommen.
Vor allem die Art und Weise, wie die Fürther Elf im Spitzenspiel gegen die seit 16 Spielen ungeschlagenen Serientäter aus Paderborn auftrat, nötigt Respekt ab. Seit Mitte August, dem 0:1 im Hinspiel gegen Fürth, hatte das Überraschungsteam von der Pader in der Liga nicht mehr verloren. Die einzige Niederlage rührte aus dem 0:4 in der zweiten Runde des Pokalwettbewerbs her. Natürlich gegen Fürth. Die Mär vom Angstgegner wird da schnell Realität. „Zum Glück brauchen wir nächstes Jahr hier wohl nicht mehr herfahren“, sinnierte Paderborns Torwart Lukas Kruse in seiner ersten Enttäuschung über eine vermeintliche Vorentscheidung im Aufstiegskampf.
Doch so klar, wie sich die Verhältnisse nach Spielschluss aus Paderborner Sicht darstellten, werden sie von Fürths Protagonisten nicht gesehen. „Das war schon richtig gut“, befand denn auch Trainer Mike Büskens lobend, wohlweislich mit der entscheidenden Einschränkung einer Momentaufnahme versehen: „Das Spiel ist schon wieder Vergangenheit. Unser Fokus gilt jetzt der nächsten Partie in Ingolstadt.“
Büskens mag recht haben, wenn er dem Duell mit einem an diesem Tage überforderten Kontrahenten zumindest öffentlich nicht zu viel Bedeutung beimisst. Nur: Um gleich wieder zur Tagesordnung überzugehen, barg die Partie dann doch zu viele Ansatzpunkte. Die „Nehmerqualitäten“, die Manager Rachid Azzouzi dem Team nach der 1:3-Pleite vor Wochenfrist bei Dynamo Dresden nachgesagt hatte, durften die Fürther nur vier Tage nach dem umjubelten Einzug ins Pokal-Halbfinale gegen Erstligist Hoffenheim einmal mehr eindrucksvoll offenbaren.
„Wir sind uns unserer Stärke bewusst. Es gibt wirklich wenig, was uns zurückwirft“, befand Innenverteidiger Mergim Mavraj über den mentalen Zusammenhalt einer Truppe, die Rückschläge offenbar als bloßen Ansporn betrachtet, noch mehr für ein Ziel zu investieren. Bei allem Bemühen wird Fußball ja von Menschen gespielt, und die machen nun mal Fehler. So wie beim 0:1, als Grün einen von der Mittellinie getretenen Freistoß gefühlte Minuten berechnen konnte, nur, um ihn dann im Fünfmeterraum plötzlich fallen zu lassen. Paderborns treffsicherster Schütze Nick Proschwitz sagte Danke und drosch den Ball erbarmungslos ins Tor. „Peinlich, dumm, richtig blöd“, fand das Max Grün. Mehr musste er gar nicht sagen.
In der Nachbetrachtung löste das aber eine Initialzündung aus, nach der sich die Gastgeber in einen regelrechten Rausch spielten. Nöthe-Ersatz Gerald Asamoah nach einer abgefälschten Flanke und Sercan Sararer, der Paderborns Florian Mohr aus kurzer Distanz anschoss, drehten das Spiel binnen sechs Minuten. Paderborn hielt dagegen, versuchte wie Fürth früh zu stören, machte das aber längst nicht so effektiv wie der neue Tabellenführer. Asamoah nach Bilderbuch-Vorarbeit von Olivier Occean, der selbst kurz nach der Pause traf, und Mergim Mavraj per Kopf nach einer Ecke, machten einen Sieg perfekt, der die pure Freude am Fußball vermittelte. Einfach beeindruckend.
Fürth: Grün – Schröck (75. Geis), Kleine, Mavraj, Schmidtgal – Fürstner (63. Pekovic), Zillner – Sararer, Prib – Occean, Asamoah (70. Schahin) / Paderborn: Kruse – Wemmer, Mohr, Strohdiek, Bertels – Krösche (77. Demme), Alushi – Meha (57. Kara), Brückner (46. Rupp) – Proschwitz, Brandy / SR: Kircher (Rottenburg) / Tore: 0:1 Proschwitz (5.), 1:1 Asamoah (6.), 2:1 Sararer (11.), 3:1 Asamoah (45.+2), 4:1 Occean (47.), 5:1 Mavraj (57.) / Zuschauer: 9230 / Gelbe Karten: Mavraj (5) – Brückner (5).
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12