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Für den Club muss der Traualtar warten

Stürmer Sebastian Polter hat sich in Nürnberg hohe Ziele gesetzt - 14.07.2012 07:00 Uhr

OBERSTAUFEN  - Dass man sich im Training besser nicht mit Javier Pinola anlegt, gehört oft zu den ersten Lektionen, die junge Spieler beim 1.FC Nürnberg kapieren müssen. Am Freitagvormittag zog sich Sebastian Polter Pinolas Zorn zu, weil der Argentinier in einem verbissenen Zweikampf den Ellenbogen des Stürmers im Gesicht gespürt hatte.

Keine Berührungsängste: Leihstürmer Sebastian Polter weiß sich im Training auch gegen den zweikampfstarken und arrivierten Javier Pinola (rechts) sowie Almog Cohen zu behaupten.
Keine Berührungsängste: Leihstürmer Sebastian Polter weiß sich im Training auch gegen den zweikampfstarken und arrivierten Javier Pinola (rechts) sowie Almog Cohen zu behaupten.
Foto: Sportfoto Zink
Keine Berührungsängste: Leihstürmer Sebastian Polter weiß sich im Training auch gegen den zweikampfstarken und arrivierten Javier Pinola (rechts) sowie Almog Cohen zu behaupten.
Keine Berührungsängste: Leihstürmer Sebastian Polter weiß sich im Training auch gegen den zweikampfstarken und arrivierten Javier Pinola (rechts) sowie Almog Cohen zu behaupten.
Foto: Sportfoto Zink

Polter aber gab keineswegs klein bei, sondern hielt verbal tapfer dagegen. „Es war ja keine Absicht, aber man versucht eben, sich Respekt zu verschaffen“, erklärt der 21-Jährige, für den „eine gewisse Härte“ im Training einfach dazugehört. Bereits beim VfL Wolfsburg musste sich Polter im Duell mit abgezockten Profis wie Hasan Salihamidzic behaupten, „da habe ich gemerkt, dass es wichtig ist, dagegenzuhalten. Wenn man immer nur auf die Fresse bekommt, läuft etwas falsch“.

Der blonde Hüne mit der ausgeprägten Beinmuskulatur lässt sich nicht so schnell unterkriegen, vermag Situationen aber auch realistisch einzuschätzen. In Wolfsburg deutete er vergangene Saison sein Potenzial an und erzielte in zwölf Einsätzen immerhin zwei Joker-Tore, dennoch fehlte ihm beim Werksklub die persönliche Perspektive. „Es gibt eben eine gewisse Rangordnung, in der man sich als junger Spieler hinten anstellen muss“, erklärt Polter mit Blick auf prominente Konkurrenz wie Ivica Olic, Patrick Helmes oder Bas Dost, zudem war damals der Wechsel von Mario Mandzukic zum FC Bayern keineswegs absehbar.


„Ich möchte mich in der Bundesliga zeigen, dafür muss ich spielen“, betont Polter. Deshalb marschierte der Nachwuchsmann zu Magath und bat den Trainer-Manager um eine Ausleihe. Die Entscheidung pro Nürnberg war dann trotz anderer Optionen schnell gefallen. Schließlich sei bekannt, „dass Dieter Hecking gute Arbeit leistet. Unter ihm sind schon viele junge Spieler wie Schieber, Didavi, Ekici oder Gündogan aufgeblüht“, schwärmt Polter, der in den Gesprächen gemerkt haben will, „dass ich hier eine wichtige Rolle spielen kann“.


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Der 1. FC Nürnberg hat seine Zelte in Oberstaufen aufgeschlagen. Im ersten von zwei Trainingslagern bringt Dieter Hecking seine Mannschaft konditionell für die Saison 2012/2013 in Form. Verfolgen Sie in unserer täglich aktualisierten Bildergalerie, wie der Club-Tross im Allgäu arbeitet.

Auch wenn er zunächst eher als Backup für den tschechischen EM-Teilnehmer Tomas Pekhart verpflichtet wurde. „Ich weiß, was Pekhart hier geleistet hat und welches Standing er besitzt“, zollt Polter dem noch urlaubenden EM-Teilnehmer Respekt, zeigt sich aber dennoch angriffslustig: „Ich möchte nicht 34 mal auf der Bank sitzen, sondern schon meine Spielanteile bekommen und der Mannschaft mit Toren weiterhelfen.“ Die Messlatte, die Polter sich selbst gesetzt hat, klingt nicht gerade bescheiden: Mit „acht bis zwölf Treffern“, sagt er, wäre er zufrieden.

Auch wenn der Blondschopf ein gesundes Selbstbewusstsein ausstrahlt, analysiert er seine Leistung doch sehr kritisch. Beim Club fühlt er sich super aufgenommen, „aber ich weiß, dass ich mehr kann, und muss mich noch besser einbringen.“ Mit seinen 1,92 Metern verfüge er natürlich nicht über Eleganz und Beweglichkeit eines Ballkünstlers wie Lionel Messi.

„Ich bin eben eher der steife Stoßstürmer“, gesteht Polter schmunzelnd, aber auch ein Mensch, „der hart an sich arbeitet“. Der wuchtige Knipser kennt seine Defizite im Spiel gegen den Ball, auch konditionell sei noch Luft nach oben, was daran liegen könnte, dass Polter als Feldspieler ein „Spätberufener“ war.

Bis zur „U14“ stand er bei Werder Bremen im Tor und erhielt sogar eine Einladung des DFB zur „U15“-Auswahl. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte der pubertierende Junge aus Wilhelmshaven irgendwie den Spaß am Fußball verloren. Gleich nach der Schule immer zum Training nach Bremen, das wurde dem erklärten Familienmenschen, der noch vier Geschwister hat, irgendwann einfach „zu stressig“. Er kehrte zu seinem kleinen Heimatverein zurück und wollte eigentlich nur noch mit den Kumpels „auf dem Acker“ kicken. Doch das Talent des zum Stürmer umfunktionierten Keepers blieb auch in Wilhelmshaven nicht verborgen. Es folgte eine Einladung zur Niedersachsen-Auswahl, über Eintracht Braunschweig ging es schließlich nach Wolfsburg.

Heute ist der Junioren-Nationalspieler froh, dass er nach dem Realschulabschluss doch noch ganz auf die Karte Fußball gesetzt hat. Und er verfolgt seine beruflichen Ziele ebenso ehrgeizig wie konsequent. Weil es wegen des Wechsels nach Nürnberg Terminprobleme gab, verschob er sogar die für Anfang Juni geplante kirchliche Hochzeit samt Flitterwochen.

Ehefrau Denise zeigte Verständnis: „Sie weiß, dass der Job manchmal eben vorgeht.“ Aber wer seiner Gattin einmal zu erklären hatte, dass der vielzitierte schönste Tag im Leben wegen des Fußballs noch ein wenig warten muss, geht wohl auch gestärkt in verbale Duelle mit Javier Pinola.

Name: SEBASTIAN POLTER — geboren am: 1. April 1991 in Wilhelmshaven / Größe: 1,92 m / Gewicht: 90 kg / Nationalität: deutsch / Position: Angriff / Rückennummer: 8 / Vertrag bis: 2013 (ausgeliehen) / Bisherige Vereine: Heidmühler FC, SV Wilhelmshaven, Werder Bremen, Eintracht Braunschweig, VfL Wolfsburg / Bundesliga-Spiele/Tore: 12/2. 

Uli Digmayer


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Titel, Tränen und Triumphe: Der 1. FC Nürnberg blickt auf eine bewegte, mittlerweile über 113-jährige Geschichte zurück. Seine größten Erfolge feierte der Club in den "goldenen" 20er Jahren, als alleine fünf der insgesamt neun Meisterschaften gelangen. Bis in die 60er Jahre gehörte der Verein zu den ganz großen Namen des deutschen Fußballs. Doch mit dem erstmaligen Abstieg aus dem Oberhaus 1969 begann ein jahrzehntelanges Tief. Abstiege und Skandale prägten den Verein, der sich in dieser Zeit den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft verdiente und 1996 gar in die drittklassige Regionalliga abstürzte. Erst im neuen Jahrtausend konsolidierte sich der Verein und knüpfte mit dem DFB-Pokalsieg 2007 an alte Zeiten an - sehr zur Freude der treuen und großen Anhängerschaft des FCN.

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