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Für echte Football-Fans gehört Schlafmangel einfach dazu

Super-Bowl-Party der Nürnberg Rams war ausgebucht, laut und – lang - 06.02. 19:08 Uhr

NÜRNBERG  - Die Stimmung unter den Football-Fans ist bereits vor Spielbeginn gut. Das liegt wohl primär an den Spareribs, dem Chili con Carne und den Burgern. Doch auch die diversen Vorberichte und Höhepunkte aus den beiden Halbfinalpaarungen des „Super Bowls“ tun ihr Übriges.

Nicht nur Fans vor dem Fernseher, sondern auch selbst aktiv: Markus Sörgel, Zoran Sisak und Alexander Schweiger (von links) spielen bei den Nürnberg Rams in der Verteidigung, der Defense.
Nicht nur Fans vor dem Fernseher, sondern auch selbst aktiv: Markus Sörgel, Zoran Sisak und Alexander Schweiger (von links) spielen bei den Nürnberg Rams in der Verteidigung, der Defense.
Foto: Wolfgang Zink
Nicht nur Fans vor dem Fernseher, sondern auch selbst aktiv: Markus Sörgel, Zoran Sisak und Alexander Schweiger (von links) spielen bei den Nürnberg Rams in der Verteidigung, der Defense.
Nicht nur Fans vor dem Fernseher, sondern auch selbst aktiv: Markus Sörgel, Zoran Sisak und Alexander Schweiger (von links) spielen bei den Nürnberg Rams in der Verteidigung, der Defense.
Foto: Wolfgang Zink

Die Location, in der man sich zum gemeinsamen Feiern eingefunden hat, versprüht dagegen wenig Heimeliges, befindet man sich doch in einer Kantine der Deutschen Bahn, nur einen Steinwurf von der Jansenbrücke
entfernt. Und der viereckige und niedrige Kasten schaut nunmal genau so aus, wie man sich eine solche Kantine landläufig vorstellt.

Sonntagnacht fand wieder der „Super Bowl“ statt. Für Fans des American Football ist das gleichbedeutend mit einem WM-Finale. Weltweit waren es rund eine Milliarde Menschen, die vor dem Fernseher hockten und sich das Duell der New York Giants gegen die New England Patriots anschauten. Es war die mittlerweile 46. Ausgabe des „Super Bowl“. Wie bereits in den vergangenen vier Jahren zelebrierten die Nürnberg Rams mit fränkischen Football-Anhängern die Live-Übertragung auf einer Großleinwand.



Um dieses Spektakel zu erleben, muss man hierzulande schon eine Nachtschicht einlegen. Der sogenannte „Kick Off“ im Lucas Oil Stadium in Indianapolis ist nämlich erst nach 24 Uhr. Und dass so eine Partie samt Halbzeitbelustigung schon mal locker vier Stunden dauern kann, ist auch kein Geheimnis. „Deshalb hat sich für dieses Event auch das traditionelle All-you-can-eat-Buffet amerikanischer Prägung zur Einstimmung bewährt“, unterstreicht Matthias Lippert. Der Ex-Spieler fungiert heute als Pressesprecher für die Nürnberg Rams. Ab 21 Uhr kann sich jeder Besucher für das Mammut-Ereignis stärken.

„Hooligans gibt es bei uns nicht“

Die Super-Bowl-Party ist ein Erfolg, die Kantine bis zum letzten Platz ausgebucht. Giants- und Patriots-Fans halten sich die Waage. Dass sich die Anhänger trotzdem nicht in Lager spalten, sondern querbeet sitzen, das sei beim American Football Normalität. „Der Sport hat eine Tradition als Familienevent.

Hier kennt man keine Hooligans, die sich mit den Anhängern des gegnerischen Teams prügeln“, erklärt Lippert. Er selbst hält zu den vermeintlichen Außenseitern aus New York. Im „Big Apple“ habe er nämlich Verwandtschaft.

Unter den Gästen der Veranstaltung befinden sich auch einige Teammitglieder der Nürnberg Rams. Alexander Schweiger, Markus Sörgel und Zoran Sisak spielen allesamt in der Verteidigung. Schweiger und Sörgel drücken die Daumen für die New Yorker. Sisak gibt sich neutral. „Das ist gar nicht schwer, wenn deine Lieblingsmannschaft nicht dabei ist. Wenn die Dallas Cowboys im Endspiel stünden, würde das anders aussehen“, erläutert der Kapitän der Rams-Defense. Sisak hat am Montag vorsorglich einen Tag Urlaub genommen. Sörgel beginnt erst um 10 Uhr mit der Arbeit. Nur Schweiger sorgte nicht vor: „Drei Stunden Schlaf müssen halt reichen.“


Quarterback Eli Manning führte New York zum Sieg.
Quarterback Eli Manning führte New York zum Sieg.
Foto: dpa
Quarterback Eli Manning führte New York zum Sieg.
Quarterback Eli Manning führte New York zum Sieg.
Foto: dpa

Langsam tickt die Uhr Richtung Geisterstunde. Die Spannung steigt merklich. „Hoffentlich wird es kein langweiliges Spiel, das von einem Team dominiert wird und schon zur Halbzeit entschieden ist“, wünscht sich Lippert. Diesem Wunsch wird hundertprozentig entsprochen.

Der heimliche Star des Abends ist bereits bei Halbzeit auf der Bühne: Madonna singt unter anderem „Vogue“ und „Like a Prayer“, und bei ihrer Show kommen flankierend römische Gladiatoren zum Einsatz. Die TV-Zuschauer in der Bahnkantine sind wie gebannt.

Das Ganze gipfelt schließlich in einem handfesten Krimi: Dank eines Touchdowns in letzter Minute sichern sich die New York Giants letztendlich den Super Bowl 2012.

Die Super-Bowl-Party der „Rams“ unterschied sich insgesamt wenig von einem Fußballspiel, das man zusammen in der Kneipe guckt. Es wurde geschrien und geschimpft, und gegen Ende des Matchs stieg der Lärmpegel noch einmal deutlich.

Ein besonders enthusiastischer Fan im Giants-T-Shirt riss sich dieses vor Aufregung vom Leib. Als er sich noch weiterer Kleidungsstücke entledigen wollte, konnte ihm das aber letztendlich von seinen Sitznachbarn ausgeredet werden. 



Thomas Susemihl

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