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Für Günther Meier war Olympia das große Lebensziel

Der Sport bestimmt heute noch das Leben des einstigen Boxers - 06.08.2012 19:06 Uhr

NÜRNBERG  - „Sport ist mein Leben.“ Hat Günther Meier vor Jahren in einem Interview gesagt, und der Satz hat heute noch Gültigkeit für den inzwischen 71-jährigen Nürnberger. Die ältere Generation kennt Meier noch als eines der sportlichen Aushängeschilder der Stadt.

Im Juni 1969 holte Günther Meier in Bukarest den Titel des Europameisters: Sein rumänischer Gegner Viktor Silbermann ging in der dritten Runde zu Boden, wurde angezählt und verlor am Ende nach Punkten.Archiv-
Im Juni 1969 holte Günther Meier in Bukarest den Titel des Europameisters: Sein rumänischer Gegner Viktor Silbermann ging in der dritten Runde zu Boden, wurde angezählt und verlor am Ende nach Punkten.Archiv-
Foto: NZ
Im Juni 1969 holte Günther Meier in Bukarest den Titel des Europameisters: Sein rumänischer Gegner Viktor Silbermann ging in der dritten Runde zu Boden, wurde angezählt und verlor am Ende nach Punkten.Archiv-
Im Juni 1969 holte Günther Meier in Bukarest den Titel des Europameisters: Sein rumänischer Gegner Viktor Silbermann ging in der dritten Runde zu Boden, wurde angezählt und verlor am Ende nach Punkten.Archiv-
Foto: NZ

Mehrfacher deutscher Meister, Europameister, sechsmaliger Militär-Weltmeister, vor allem aber Bronzemedaillen-Gewinner war der immer ranke und schlanke Mann, dem immer wieder ein spitzbübisches Lächeln um die Lippen spielt. Als Boxer hat sich Meier in insgesamt 333 Faustduellen im wahrsten Sinne des Wortes nach oben gekämpft. Und heute noch läuft er jeden zweiten, dritten Tag – wenn auch nicht mehr vom Kettensteg bis nach Fürth und zurück, sondern nach einer schweren Erkrankung „nur noch die Hälfte der Strecke“.

Armut und Ehrgeiz, diese beiden Begriffe tauchen im Gespräch mit Günther Meier immer wieder wie ein roter Faden auf, wenn er seine gut 20-jährige Karriere Revue passieren lässt. Eine Lehre als Schweißer absolvierte der junge Nürnberger, und in dieser Zeit nahm ihn ein Arbeitskollege mit zum ESV Nürnberg West, um dort zu boxen – und früh erkannte man dort sein Talent. Talent plus besagter Ehrgeiz – damit legte Meier eine internationale Karriere hin, von der er und seine Mutter wohl nie geträumt hätten. „Ich hatte enorme Reaktionsfähigkeit, konnte erahnen, was mein Gegner tun würde – und ich habe trainiert wie ein Irrer“, blickt er zurück. Zweimal die Woche radelte er von der einstigen SS-Kaserne nach Fürth: „eine halbe Stunde Fahrt, zwei Stunden Training und mit dem Rad zurück – für viele Kinder heute unvorstellbar“, konstatiert er nüchtern.

Acht Jahre Bundeswehr als Fallschirmjäger in Schongau haben ihn ebenfalls stark geprägt: Das Wort Disziplin taucht ebenfalls häufig im Gespräch auf. Zumal er zum Ende seiner Soldatenzeit eine Ausbildung zum Sportlehrer absolvieren konnte. „Eigentlich wollte ich an einer Schule unterrichten, doch dann machte in Köln die Trainerakademie auf – und das hat mich ebenfalls gereizt“, berichtet Meier von einer weiteren wichtigen Fügung oder Weichenstellung in seinem Leben: Ehrgeizig, wie er nun mal war, schloss er als einer der Lehrgangsbesten ab. Er durfte sich fortan Diplom-Trainer nennen und arbeitete nach dem Ende seiner Aktivenlaufbahn 20 Jahre lang als Box-Landestrainer in Baden-Württemberg.

„Die Eröffnungsfeier in Mexiko war Gänsehaut pur“

1968 gehörte Meier dem (west-)deutschen Olympiaaufgebot an, marschierte mit dem Team bei der Eröffnungsfeier ins Stadion ein. „Das war ein erhebendes Gefühl, das man kaum beschreiben kann: Gänsehaut pur, einmalig – Weihnachten ist öfter“, bricht sich bei aller Ernsthaftigkeit einmal mehr der Schalk Bahn. „Olympia war mein Lebensziel“, sagt er mit Stolz darauf, es erreicht zu haben. Und dann holte er auch noch Bronze, nachdem er im Halbmittelgewichts-Halbfinale Boris Lagutin aus der Sowjetunion nur knapp unterlegen war.


In der Nähe des Kettenstegs lebt Günther Meier in seiner Geburtsstadt und will immer noch nicht so recht glauben, dass er schon 71 ist.
In der Nähe des Kettenstegs lebt Günther Meier in seiner Geburtsstadt und will immer noch nicht so recht glauben, dass er schon 71 ist.
Foto: Elisabeth Lehmann
In der Nähe des Kettenstegs lebt Günther Meier in seiner Geburtsstadt und will immer noch nicht so recht glauben, dass er schon 71 ist.
In der Nähe des Kettenstegs lebt Günther Meier in seiner Geburtsstadt und will immer noch nicht so recht glauben, dass er schon 71 ist.
Foto: Elisabeth Lehmann

Vier Jahr später in München genoss er das olympische Flair erneut, unterlag dem Kubaner Emilio Correa, dem späteren Olympiasieger, im Viertelfinale nur knapp mit 2:3 Richterstimmen. Viel einprägsamer war aber ein anderes Erlebnis: „Ich war im olympischen Dorf unterwegs und sah auf einem Balkon einen Mann mit einer Mütze oder Maske. Ich dachte: Feiern die schon Fasching?“ Der Schock kam eine Stunde später, als er vom Palästinenser-Überfall auf das israelische Team erfuhr. „Da war ich fix und fertig, das war Wahnsinn“, überkommt ihn heute noch bei der Erinnerung ein Schauder.

333 Kämpfe hat Meier in seiner Laufbahn bestritten – „diese Schnapszahl zum Karriereende war schon bewusst gewählt, weil mir klar war, dass sie nochmal die eine oder andere Schlagzeile bringen würde“, verrät er freimütig. Schließlich war es sein Anliegen, dem Boxsport etwas zurückzugeben: „Ich wollte das Bild der Boxer in der Öffentlichkeit verbessern, deutlich machen, dass Boxer nicht doof sind.“ Und noch heute ist er stolz darauf, dass er von all diesen Fights nur zwölf verlor und einer unentschieden endete. Wichtiger für ihn war aber: „Durch den Sport habe ich die Welt und viele mir wichtige Menschen kennengelernt.“

Profi zu werden, war für den „ewigen Amateur“ Meier nie eine Frage. „Darüber habe ich noch nie nachgedacht, das hat mich auch noch nie ein Journalist gefragt.“ Schließlich verdiente er damals durchaus ansehnliche Beträge. Hatte er zu Karrierebeginn noch acht Mark plus Verpflegung pro Kampf erhalten, kassierte er in der Box-Bundesliga pro Auftritt im Ring damals stattliche 1000 Mark, wie er erstmals öffentlich bekennt. 

Philipp Roser


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Zum Thema
Zeiten:
27.7. - 12.8. 2012
Kurzbeschreibung:
Die 30. Olympischen Sommerspiele finden vom 27. Juli bis 12. August 2012 in London statt. London war schon 1908 und 1948 Gastgeber der Olympiade.
Motto: "One Planet Olympics".
Veranstalter:
IOC